Polizei zeigt neue Bilder nach Bankeinbruch in Gelsenkirchen

Polizei zeigt neue Bilder nach Bankeinbruch in Gelsenkirchen

Videoaufnahme der Überwachungskamera einer Bank in Gelsenkirchen.

Stand: 03.01.2026 13:58 Uhr

Nach dem Bank-Einbruch in Gelsenkirchen kursiert ein Tatvideo. Es handelt sich um ein Überwachungsvideo aus dem Parkhaus. Neue Bilder zeigen einen Verdächtigen mit roten Handschuhen und einen anderen mit grünen Handschuhen.

Seit mehreren Tagen sorgt der Bankraub im Stadtteil Buer nicht nur in Gelsenkirchen und bundesweit, sondern auch international für Schlagzeilen. Nach der Veröffentlichung erster Videobilder, die offenbar die mutmaßlichen Täter des Einbruchs zeigen, steigt die “Flut” an Hinweisen bei der Polizei stetig. “Das reißt gar nicht mehr ab”, sagte ein Polizeisprecher zu den Hinweisen.

Hinweise kommen auch von Sachverständigen und Ermittlern anderer Länder

Dabei gebe es ein breites Spektrum. So meldeten sich auch Sachverständige und Ermittler aus anderen Bundesländern, um Hinweise in dem Fall zu geben. Anderen Hinweisgebern seien Kleinigkeiten auf kursierenden Aufnahmen aus der Tiefgarage aufgefallen. Die Echtheit des kursierenden Videos wurde dem WDR am Mittwoch von der Polizei bestätigt.

Das Video stammt demnach aus der Parkhaus-Tiefgarage, durch die sich die Einbrecher Zugang zur Sparkassen-Filiale verschafften. Zu sehen sind nicht nur der mutmaßliche schwarze Fluchtwagen der Täter, sondern auch zwei vermummte Personen. Ob die Täter auch einen weißen Transporter genutzt haben, werde derzeit überprüft. “Wir haben viele Hinweise aus vielen Richtungen”, sagte der Polizeisprecher. Eine Festnahme stehe derzeit aber nicht an.

Mann mit Sturmhaube löst Ticket am Parkschein-Automaten

Die Videobilder zeigen dabei einen der mutmaßlichen Täter, wie er mit Münzgeld an einem Parkscheinautomaten zahlt. Er trägt eine schwarze Sturmhaube und einen grauen Pullover mit der Aufschrift “Fujitrail” auf dem Rücken.

Auf weiteren Bildern ist wohl derselbe Mann zu sehen, wie er die Parkhausschranke per Hand anhebt, damit ein weißer Kastenwagen wegfahren kann. Auch eine zweite vermummte Person mit schwarzer Jacke und schwarzer Kappe macht sich auf gleiche Weise an der Schranke zu schaffen.

Am Freitagabend veröffentlichte die Polizei weitere Bilder von Überwachungskameras. Darauf sind die mutmaßlichen Täter mit bunten – einmal grünen und einmal roten – Handschuhen zu sehen. Die Polizei Gelsenkirchen erhofft sich dadurch weiter Hinweise auf die Tatverdächtigen.

Bilderstrecke

Fotostrecke: Der Bank-Einbruch in Gelsenkirchen

Einbrecher dringen von Tiefgarage bis in Tresorraum vor

Fest steht, dass die Täter von einer Tiefgarage durch mehrere Türen zunächst in einen Archivraum vordrangen, von dem sie sich mit einem Spezialbohrer in den Tresorraum der Bank vorarbeiteten. Dabei rissen sie ein riesiges Loch in die Stahlbetonwand.

“Den Bohrer kriegen sie nicht im Baumarkt”, sagte ein Sprecher der Polizei dazu. Passiert sein soll die Tat entweder an den Weihnachtsfeiertagen oder am vergangenen Wochenende. Warum dann schließlich erst Montagfrüh die Brandmeldeanlage Alarm auslöste und die Tat entdeckt wurde, sei noch unklar.

Internationales Medieninteresse am Millionenraub

Später teilte die Polizei mit, dass es bereits am Samstag einen Brandmeldealarm in dem Bankgebäude gab. An diesem Tag waren Polizei und Feuerwehr gegen 6.15 Uhr vor Ort, “konnten aber nichts feststellen, was auf einen Schaden schließen ließ”, hieß es. Die genauen Abläufe dieses Einsatzes sind den Angaben zufolge Gegenstand der laufenden Ermittlungen.

Nicht nur türkische Medien berichten über den Raub, sondern mittlerweile auch Fernsehreporter aus Brasilien und Zeitungen aus Übersee, berichtet Polizeisprecher Thomas Nowaczyk dem WDR: “Ich hatte Anrufe von der ‘Washington Post”, der ‘New York Times’, eben habe ich dem brasilianischen Fernsehen ein Interview gegeben. Tatsächlich geht das Interesse über den Atlantik hinaus, es gibt also wirklich eine weltweite Resonanz.”

Polizei sucht Audi RS6 und bittet um Zeugenhinweise

Die Polizei ermittelt wegen schweren bandenmäßigen Raubs. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins “Der Spiegel” hat die Behörde eine “Besondere Aufbauorganisation” (BAO) für Großlagen gegründet, die den Namen “Bohrer” trägt. Durch diesen Schritt wolle man unter anderem der “Flut der Infos und Hinweise” gerecht werden, wie ein Polizeisprecher dem “Spiegel” sagte.

Zeugen sagen, sie hätten in der Nacht zu Sonntag mehrere Männer mit großen Taschen im Treppenhaus der Tiefgarage gesehen. Ebenso sei ein schwarzer Audi RS6 mit Hannoveraner Kennzeichen gesehen worden. Die Kennzeichen waren nach Polizeiangaben gefälscht – zunächst war von geklauten Kennzeichen die Rede. Im Auto hätten maskierte Täter gesessen, von denen einer die Schranke zur Ausfahrt betätigt habe.

Die Polizei sucht weiter Zeugen, die in den vergangenen Tagen verdächtige Geräusche gehört oder sonstige Beobachtungen rund um den Tatort gemacht haben. Sie werden gebeten, sich unter den Rufnummern 0209/365 8112 oder 0209/365 8240 zu melden. Die betroffene Sparkassen-Filiale blieb auch am Freitag geschlossen.

Fast alle Schließfächer in Gelsenkirchen aufgebrochen

Nach Bankangaben haben die Täter 95 Prozent der 3.250 Kunden-Schließfächer aufgebrochen. Der Tresorraum der Filiale ist durch Alarmanlagen gesichert. Kunden berichten, dass es auch eine Videoüberwachung in dem Raum gibt.

Wie viel Bargeld, Gold und Wertgegenstände die Täter in Gelsenkirchen tatsächlich fortgeschafft haben, muss noch ermittelt werden. Denn die Banken wissen nicht, was in ihren Schließfächern gelagert wird. Die Betroffenen müssen deswegen kontaktiert werden.

Werte über 10.300 Euro nur mit besonderem Vertrag versichert

Die Polizei legt bei der Berechnung der Schadenssumme deswegen aktuell die Versicherungssumme pro Fach zugrunde. Jedes der mehr als 3.000 Schließfächer ist nach Angaben der Sparkasse Gelsenkirchen mit 10.300 Euro versichert. “Offiziell sprechen wir deshalb von einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag”, teilte ein Sprecher der Polizei dem WDR mit. Damit wäre es einer der größten Coups in der bundesdeutschen Kriminalgeschichte.

Werte über 10.300 Euro sind laut Sparkasse nur mit einem besonderen Versicherungsvertrag versichert. Die Bank sagt, dass sie nach einer schnellen Lösung mit dem Versicherungsträger Provinzial suche, wie Schäden ersetzt werden können und welche Nachweise erforderlich sind.

Wut und Verzweiflung bei Sparkassen-Kunden

Am Dienstagvormittag hatten sich schätzungsweise 200 betroffene Kunden vor der Filiale eingefunden. Sie fühlen sich allein gelassen. “Wir wollen rein, wir wollen rein!”, forderte lautstark ein Sprechchor. Die Lage drohte zu eskalieren, es kam zu tumultartigen Szenen.

Mehrere Menschen stürmten an den Mitarbeitenden einer Sicherheitsfirma vorbei in den Vorraum der Sparkasse. Die Polizei rückte mit mehreren Streifenwagen an, sicherte den Eingang und machte mehrfach eine Durchsage: “Die Bank bleibt heute geschlossen, Informationen auf der Website der Sparkasse. Gehen Sie nach Hause.”

Sparkassen-Kunden fühlen sich “verarscht”

Bereits kurz nach Bekanntwerden der Tat hatten sich am Montag Dutzende Kunden vor der Filiale in Buer eingefunden. Sie waren in Sorge, von dem Raub betroffen zu sein. Der Andrang wurde schließlich so groß, dass Polizisten anrückten und den Vorraum der Bank räumten. Um die Situation zu beruhigen, folgten ebenfalls Lautsprecherdurchsagen der Polizei.

Warum sich Kunden von der Sparkasse hängen gelassen und “verarscht” fühlen, lest ihr in diesem Beitrag:

Sparkasse Gelsenkirchen richtet Hotline ein

Für betroffene Kunden hat die Sparkasse mittlerweile eine Hotline geschaltet: 0209/1611110. Zudem hat die Bank Informationen auf ihrer Homepage veröffentlicht:

Dort heißt es: “Die Wahrscheinlichkeit, dass auch Ihr Fach betroffen ist, ist sehr hoch. Sie müssen leider davon ausgehen, dass auch Ihr Fach aufgebrochen wurde.” Die Betroffenen würden umgehend schriftlich informiert.

Wie oft kommen solche Einbrüche eigentlich vor?

Nur wenige Tage nach dem Raub in Gelsenkirchen ist bekannt geworden, dass in Halle (Westfalen) am hellichten Tag vier Schließfächer aufgebrochen wurden. Das Landeskriminalamt (LKA) antwortete auf eine WDR-Anfrage, dass die Tat in Gelsenkirchen “außergewöhnlich, wenn auch offenbar nicht der einzige Diebstahl aus Schließfächern (Tresor- oder Vorräume) in Banken in den vergangenen Jahren” gewesen sei. Das LKA beruft sich nach eigener Aussage auf die Polizeiliche Kriminalstatistik. “Diese lässt jedoch nur eine Eingrenzung nach „schwerem Diebstahl in/aus Banken etc.“ zu. Eine händische Auswertung der einzelnen Sachverhalte ist derzeit nicht leistbar”, heißt es vom LKA. Der Anteil sei aber “höchst wahrscheinlich sehr gering”.

Hinweis: In einer vorherigen Version des Textes hatten wir geschrieben, dass die Polizei von einer Beute von 30 Millionen Euro ausgeht. Das ist allerdings die Versicherungssumme und nicht der tatsächliche Schaden, den die Ermittler noch nicht beziffern können. Die Polizei spricht deshalb von einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag. Wir haben den Text entsprechend angepasst.

Unsere Quellen:

  • Nachrichtenagentur dpa
  • Polizei Gelsenkirchen
  • WDR-Reporterin vor Ort
  • Sparkasse Gelsenkirchen
  • Bild-Zeitung

Erstsendung: WDR.de, Bankraub: Räuber bohren Loch in Gelsenkirchener Tresorraum, 29.12.2025, 10.15 Uhr

Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 31.12.2025, 18.45 Uhr

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