Politische Influencer in den USA und ihr Verhältnis zu Trump

Politische Influencer in den USA und ihr Verhältnis zu Trump

Tucker Carlson (Archivbild vom 14. Oktober 2025)


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Stand: 18.11.2025 08:07 Uhr

Von rechts dominiert und eine gigantische Reichweite: Politische Podcasts und Online-Talkshows spielen in den USA eine wichtige Rolle. Auch Präsident Trump profitiert davon – bislang zumindest.

Samuel Jackisch

Politische Podcaster, Video-Blogger und Influencer erzielen in den USA immer größere Reichweiten – vor allem rechts von der politischen Mitte. Neun von zehn der größten Online-Shows auf den relevanten Plattformen sind tendenziell rechtsgerichtet, sagt eine Studie der Organisation “Media Matters” aus diesem Jahr.

Fast eine halbe Milliarde Menschen erreicht das konservative bis rechtsextreme Spektrum, fünfmal mehr als ihr progressives Gegenüber in den USA. Und das klassische Fernsehen haben die aufregenden Hochglanzprodukte aus dem Netz sowieso längst abgehängt.

Rogan, Carlson, Shapiro

Moderate konservative Stimmen besetzen den mit Abstand größten Marktanteil: Joe Rogan, Tucker Carlson oder Ben Shapiro werben für niedrige Steuern, freie Marktwirtschaft und weniger Einwanderung. Manche ihrer Forderungen würden in Deutschland sogar bei Grünen oder Sozialdemokraten durchgehen – etwa nach liberaler Drogenpolitik und bezahlbarer Gesundheitsversorgung.

Ebenfalls mehrere Millionen Abonnenten erreichen christlich-nationalistische Podcaster und Online-Priester, wie Michael Knowles oder Steven Crowder. Politik wird hier konsequent aus der Bibel hergeleitet, von erzkatholisch bis evangelikal. Der Kampf gegen die gleichgeschlechtliche Ehe, das Recht auf Abtreibung oder die gesellschaftliche Gleichstellung der Frau sind ihre Themen.

Mit politischer Empörung zu Geld

Besonders schnell wächst der US-Markt für ultrarechte und radikale Podcaster: Nick Fuentes etwa lobt Adolf Hitler und nutzt antisemitische Verschwörungstheorien. Matt Walsh bezeichnet sich selbst als “theokratischer Faschist”. Ihre Holocaust-Relativierung oder der Ruf nach einem Ende der liberalen Demokratie sind in den USA vom Recht auf freie Rede gedeckt – solange niemand zur Gewalt aufruft.

Indem sie Mainstream-Konservatismus mit Extrempositionen verbinden, machen die erfolgreichsten Podcasts und Online-Shows politische Empörung zu Geld: Über klassische Werbung, Abonnements und Direktmarketing für die loyale, engagierte, überwiegend männliche Zielgruppe, der man Rasierklingen, Schnaps, Zigarren und Muskelaufbaupräparate verkaufen kann. Lukrative Aufträge als Redner bei Konferenzen oder Parteitagen kommen für die Hosts noch hinzu.

Vereint im Fall Epstein

Politisch gehen die Positionen der großen Podcaster inzwischen weit auseinander, besonders bei den Reizthemen der Rechten: die Auslandseinsätze des US-Militärs, Trumps Eingriffe in den freien Markt, sein großzügiger Umgang mit dem Staatsdefizit, die Nähe zu großen Tech-Unternehmen. Auch über die Solidarität der USA mit Israel wird gestritten.

Wirklich vereint treten die wichtigsten Akteure zuletzt nur bei einem Thema auf: Bei der Forderung an die US-Regierung nach der Freigabe aller Akten im Fall Jeffrey Epstein. Die am rechten Rand einst besonders populäre republikanische Abgeordnete Marjorie Taylor Greene distanzierte sich deswegen sogar von Donald Trump, der ihr daraufhin öffentlich seine Unterstützung entzog.

Noch ist Trump ein gemeinsamer Nenner für den größten Teil der wachsenden rechten Podcast-Landschaft. Die bietet im Gegenzug Reichweite und einen erheblichen Einfluss bei einem wichtigen Publikum für Trump und seine MAGA-Bewegung. Je weiter der Markt wächst, desto deutlicher wird jedoch, dass Trump es ihnen politisch nicht allen auf einmal recht machen kann.

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