Polens Präsident denkt über eine eigene Atombombe nach 

Polens Präsident denkt über eine eigene Atombombe nach 

Karol Nawrocki

Stand: 16.02.2026 14:47 Uhr

In Europa sind die Zweifel an der Unterstützung der USA – auch für den Fall eines Angriffs von außen – zuletzt gewachsen. Polens Präsident erwägt nun eigene Atomwaffen für sein Land – und trifft damit einen Nerv.

Von Jürgen Buch, ARD Warschau

Der polnische Präsident Karol Nawrocki hat in einem Interview mit Polsat News gesagt, er sei ein großer Befürworter eines polnischen Atomprogramms. Er verwies auf den Krieg Russlands gegen die Ukraine und die gestiegene Gefahr eines noch größeren Krieges in Europa.

“Der Weg zu einem eigenen polnischen Nuklearpotential – natürlich unter Beachtung aller internationalen Regelungen – sollten wir gehen”, sagte er. “Wir müssen die Voraussetzungen dafür schaffen, in dieser Richtung zu arbeiten. Wir sind ein Land, das am Rande eines bewaffneten Konflikts steht.”

Russland als akute Gefahr

Nawrocki erklärte, er sehe in Russland eine generelle Gefahr für Polen. “Wir wissen, welche imperiale und aggressive Haltung die Russische Föderation gegenüber Polen hat”, sagte er. “Ich weiß nicht, wann es mit dem Atomprogramm losgehen könnte, aber Sie haben mich nach meiner Meinung gefragt: Was die Sicherheit Polens angeht, auch hinsichtlich eines potentiellen nuklearen Weges – das ist etwas, was ich unterstütze.”

Polen hat bisher keine eigene Nuklearindustrie. Das erste Atomkraftwerk des Landes wird gerade geplant. Der Bau soll 2028 beginnen.

Lagerung von US-Sprengköpfen?

Bis jetzt haben polnische Spitzenpolitiker hin und wieder über einen Weg zur atomaren Teilhabe Polens innerhalb der NATO gesprochen. Sowohl der jetzige Präsident Karol Nawrocki als auch sein Vorgänger Andrzej Duda hatten den Gedanken ins Spiel gebracht, ob nicht US-Atomsprengköpfe in Polen gelagert werden könnten. Das ist zum Beispiel in Deutschland und anderen NATO-Staaten der Fall.

Im vergangenen Jahr hat Polen auch eine Vereinbarung mit Frankreich unterzeichnet, die Polen den Weg zu einer Beteiligung an einem von Frankreich geführten atomaren Schutzschirm ebnen könnte.

Turbulenzen mit Trump-Regierung

Aus dem liberalen Regierungslager gibt es bisher zurückhaltende Reaktionen zu den Überlegungen des national-konservativen Präsidenten Nawrocki. Der Europa-Abgeordnete der Bürger-Koalition Michał Szczerba sagte: “Wenn das hinsichtlich unserer Sicherheit nötig sein sollte, dann wird darüber natürlich die Regierung entscheiden, mit unserem Militär. Das Wichtigste ist unsere Sicherheit, und dafür tun wir alles.”

Er vertraue den Amerikanern und glaube an eine starke NATO, sagte Szczerba. “Ich glaube, die Turbulenzen, die es gerade vonseiten der Trump-Administration gibt, sind nur vorübergehend.”

Umfragen stützen Bewaffnung

Nawrocki scheint mit seinen Überlegungen die Stimmung in einem großen Teil der polnischen Bevölkerung zu treffen. In einer Umfrage, die kurz vor seinem Interview veröffentlicht worden ist, haben sich fast 58 Prozent der Polen für eigene polnische Atomwaffen ausgesprochen. Etwa 30 Prozent hingegen meinten, so ein Projekt sollte man nur gemeinsam mit europäischen Partnern verfolgen.

Russische Reaktionen auf Nawrockis Interview ließen nicht lange auf sich warten. Senator Aleksej Pushkov von der Kreml-Partei “Einiges Russland” erklärte, überzogene Ambitionen hätten Polen historisch gesehen immer ruiniert.

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