Organspenden von Lebenden sollen erleichtert werden

Organspenden von Lebenden sollen erleichtert werden

Im Transplantationszentrum am Universitätsklinikum Leipzig wird eine Niere beim Empfänger transplantiert.

Stand: 30.01.2026 11:14 Uhr

Eine Niere im Tausch für eine andere – sogenannte Überkreuz-Spenden sind in Deutschland bislang die Ausnahme. Grund sind die strengen Auflagen. Ein Gesetzesänderung gibt Erkrankten nun Hoffnung.

Von Thomas Denzel und Daniel Friedrich, SWR

Die Diagnose kam vor einem Jahr. Seitdem muss Angelika Di Nunzio dreimal die Woche jeweils vier Stunden zur Dialyse. An der erblich bedingten Nierenerkrankung litt schon ihre Mutter, die schließlich an den Folgen starb.

Die Dialyse hilft, aber kann nicht heilen. “Außerdem bringt die Dialyse auch gesundheitliche Risiken”, erklärt Angelika Di Nunzio. “Es kann zu Herzproblemen und Knochenproblemen kommen.”

Organspende-Bereitschaft nicht groß genug

Die 60-Jährige führte ein sehr aktives Leben, gemeinsam mit ihrem Ehemann Domenico betreibt sie ein Café in Lörrach im Südwesten Baden-Württembergs. Heute fühlt sie sich infolge der Dialyse oft schlapp und kann ihren Mann nicht mehr den ganzen Tag unterstützen.

Angelika Di Nunzio hofft auf eine Nierenspende. Doch im Schnitt dauert es acht Jahre, bis man ganz oben auf der Warteliste steht. Weil noch immer zu wenige Menschen in Deutschland bereit sind, nach ihrem Tod ein Organ zu spenden. Oft vergeht viel Zeit, manchmal ist die Gesundheit der Patienten dann schon so geschwächt, dass eine Transplantation gar nicht mehr infrage kommt.

Lebendspenden als Hoffnungsschimmer

Sogenannte Lebendspenden sind deshalb ein Hoffnungsschimmer. Weil der Körper auch mit nur einer Niere auskommt, kann man schon zu Lebzeiten eines der beiden Organe spenden. Domenico Di Nunzio wollte das für seine Frau tun. Weil die Erbkrankheit in der Familie seiner Frau bekannt war, hat er ihr diese Hilfe nötigenfalls schon bei der Hochzeit vor 30 Jahren zugesagt. “Ich habe zu keiner Zeit gezögert”, sagt er. “Ich bin da für meine Frau. Und jetzt erst recht.”

Erwartet hätte sie das von ihrem Mann nie, sagt Angelika. Schließlich sei die Transplantation auch für den Spender eine OP, bei der man nicht wisse, wie sie ausgeht. “Das hat mich sehr berührt, das ist ein Zeichen von großer Liebe und Verbundenheit, für das ich sehr dankbar bin”, sagt sie.

Groß war die Enttäuschung als sich herausstellte, dass die Spende aus medizinischen Gründen nicht möglich ist. “Wir dachten, das klappt auf jeden Fall, denn mein Mann hat die richtige Blutgruppe”, erzählt Angelika Di Nunzio. “Aber es gibt noch andere Gewebemerkmale und da sind wir nicht kompatibel.” Solche Probleme kommen relativ häufig vor, in etwa 40 Prozent der Fälle.

Überkreuzspenden können helfen

Die Di Nunzios suchen deshalb ein Paar, dem es ähnlich geht, und das zu einer sogenannten Überkreuzspende bereit ist. Für den Fall passender Gewebeparameter tauschen die Paare dann die Spenderorgane aus. Um illegalem Organhandel vorzubeugen, schreibt das Gesetz bisher für Lebendspenden vor, dass sie nur zwischen sich nahestehenden Personen stattfinden dürfen.

Überkreuzspenden sind bisher nur in einer rechtlichen Grauzone möglich. Eigentlich fremde Paare müssen nachweisen, dass sie sich inzwischen gut kennen, um bei Nachfragen der Ethikkommission der Transplantationsklinik bestehen zu können. Susanne Reitmaier in Wolfsburg führt ehrenamtlich eine Liste von Paaren, die an Überkreuzspenden interessiert sind, und bringt sie bei passenden Gewebeparametern zusammen.

Die Idee hatte sie, als ihre eigene Tochter auf der Suche nach einem Organspender war. “Manchmal fühle ich mich wie ein Heiratsinstitut, das aber kein Geld kostet”, sagt sie. “Gott sei Dank ist mir dieser Weg irgendwann eingefallen. Andererseits wünscht man sich, dass so etwas gar nicht notwendig ist.” Denn Besuchsreisen seien eine große Anstrengung für durch die Dialyse geschwächte Menschen – vor allem, wenn sie möglicherweise quer durch Deutschland stattfinden müssen.

Vereinfachung durch das neue Gesetz

Die Neufassung des Transplantationsgesetzes, das heute im Bundestag in erster Lesung beraten wird, soll künftig anonyme Lebendspenden zulassen. Damit wären Überkreuzspenden zwischen fremden Paaren möglich. Außerdem soll ein zentrales Register von interessierten Paaren eingeführt werden.

Susanne Reitmaier hält das für eine gute Lösung. “Ich denke, so bekommen auch mehr Leute eine Niere”, ist sie überzeugt. “Und die Ärzte sind auf der sicheren Seite, dass sie nichts Verbotenes machen.” Angelika Di Nunzio sieht das ähnlich. “Sich ausreichend gut kennenzulernen ist ein Riesenaufwand. Und es kann ja auch sein, dass eine gewisse Antipathie da ist.” Dann müsse man möglicherweise den Schein einer Freundschaft aufrechterhalten, nur damit die Ethikkommission das Okay gibt.

Auch die Di Nunzios stehen bei Susanne Reitmaier auf der Liste. Ein passendes Paar haben sie bisher noch nicht gefunden. Sie hoffen auf das neue Gesetz und darauf, dass die bisher seltene Überkreuzspende dann häufiger möglich sein wird.

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