Olympische Spiele – teurer Spaß oder Boost für die Wirtschaft?

Olympische Spiele – teurer Spaß oder Boost für die Wirtschaft?

Goldmedaille der Olympischen Winterspiele 2026 Mailand-Cortina

Stand: 16.02.2026 16:37 Uhr

Auch deutsche Städte und Regionen würden in der Zukunft gerne Olympische Spiele ausrichten. Die Bewerber erhoffen sich einen Schub für die Wirtschaft. Ist das aus Sicht von Ökonomen realistisch?

Sebastian Schreiber

Für die Athletinnen und Athleten können Olympische Spiele eine lukrative Sache sein. Es winken Prämien, neue Sponsoren-Verträge und bestenfalls Medaillen. Der Materialwert der goldenen liegt bei etwa 2.000 Euro. Für die ausrichtenden Städte und Regionen sieht die Sache anders aus.

Der wirtschaftliche Impuls Olympischer Spiele sei überschaubar, so Sportökonom Timo Zimmermann, Professor der International School of Management (ISM). “Was wir aber feststellen können, sind regionale Effekte. Hier wird das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf im Jahr des Events und im Jahr vor dem Event mit einer Steigerung von drei bis vier Prozent in der Ausrichterregion versehen.”

Vier deutsche Städte im Olympia-Rennen

Die Ursache hierfür seien Infrastrukturinvestitionen, Touristen, Delegationen und deren Ausgaben in der Region. Auf diesen Effekt hoffen auch die vier deutschen Kandidaten, die im Rennen um eine Olympiabewerbung mitmischen: Berlin, München, die Region Rhein-Ruhr und Hamburg.

Der dortige Innensenator, Andy Grote von der SPD, traf sich kürzlich mit dem stellvertretenden Bürgermeister von Paris. Bei dem Gespräch ging es unter anderem um die wirtschaftliche Nachhaltigkeit der Spiele von 2024.

Olympische Sommerspiele in Paris als Vorbild?

Auf der Sportkonferenz SPOBIS sagte Grote dann mit Blick auf Paris: “Die haben enorm Beschäftigungsverhältnisse aufgebaut, natürlich nicht alle dauerhaft.” Und die Franzosen hätten es geschafft, dass die wirtschaftlichen Effekte in der Region geblieben sind.

“Es ist ganz viel an französische, lokale, regionale, Pariser Unternehmen gegangen. Das heißt, die haben einen richtig nachhaltigen Schub bekommen”, so Grote.

Viele Investitionen nötig

Zunächst aber sind Olympische Spiele mit gewaltigen Investitionen verbunden. Der Finanzdienstleister S&P Global schätzt die Gesamtkosten der Spiele von Mailand und Cortina auf knapp sechs Milliarden Euro. Etwas teurer noch waren die Sommerspiele von Paris. Der französische Rechnungshof beziffert die Kosten auf 6,6 Milliarden Euro.

Mehr als die Hälfte floss demnach in die Infrastruktur, der andere Großteil in die Organisation und die Sicherheit. Die Auswirkungen auf das französische Bruttoinlandsprodukt waren laut Rechnungshof allerdings überschaubar. Sportökonom Timo Zimmermann betont: Der größte wirtschaftliche Profiteur der Spiele sei das Internationale Olympische Komitee (IOC).

IOC größter Profiteur

“Das IOC nimmt die größten Summen ein aus der medialen und werberechtlichen Vermarktung. Die gibt er zu 40 Prozent auch an den Ausrichter zurück. Den Rest verwendet er, um den Olympischen Gedanken zu fördern.”

Zur Einschätzung des wirtschaftlichen Erfolgs gehöre aber auch, so Experte Zimmermann, weitere Aspekte miteinzubeziehen – etwa soziale, ökologische, psychologische und kulturelle Effekte. Problematisch sei allerdings, dass man diese Impulse nicht einfach in Zahlen ausdrücken könne.

Langzeitnutzen von Events

Insgesamt müsse man diesen wirtschaftlichen Impuls auch in einer Langzeitperspektive betrachten – also einen “Langzeitnutzen von Modernisierung der Infrastruktur, von Image und Tourismus, von einer Förderung des Sportsystems, der Gesundheit, der Nachhaltigkeit. Da taugen Olympische Spiele sehr gut, um Dinge anzugehen, entschlossen und vor allem beschleunigt anzugehen.”

Diese Perspektive stellen auch die vier deutschen Bewerber im Rennen um eine Olympia-Kandidatur in den Fokus. Wer sich durchsetzt, wird sich im Herbst klären – dann will der Deutsche Olympische Sportbund eine Entscheidung treffen.

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