Der Iran-Krieg treibt den Ölpreis erstmals seit Beginn des Ukraine-Kriegs wieder über 100 Dollar. US-Präsident Trump verteidigt die steigenden Energiepreise als notwendigen Preis für Sicherheit und Frieden.
Der Krieg im Nahen Osten treibt die Ölpreise stark nach oben – und über die Marke von 100 Dollar. Im frühen Handel kletterte der Preis für die in Europa maßgebliche Nordseesorte Brent zeitweise um rund 20 Prozent auf 111 Dollar je Barrel. Auch die in den USA wichtige Sorte West Texas Intermediate (WTI) überschritt zum Handelsbeginn in Chicago die Marke von 100 Dollar und stieg zeitweise ebenfalls bis auf 111 Dollar.
Ölpreis seit Beginn des Iran-Kriegs stark gestiegen
Damit ist Öl wieder so teuer wie zuletzt nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine im Jahr 2022. Seit Beginn des Iran-Kriegs vor etwas mehr als einer Woche hat sich der Ölpreis massiv verteuert. Das Plus liegt inzwischen bei rund 50 Prozent. Zum Vergleich: Ende Februar hatte der Preis noch bei etwa 70 Dollar pro Barrel notiert. Auch die Spritpreise sind seither deutlich gestiegen.
Grund ist vor allem die Lage an der Straße von Hormus: Seit den amerikanisch-israelischen Angriffen auf den Iran passieren kaum noch Schiffe die Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman.
Straße von Hormus als Schlüsselroute des Ölhandels
Die Straße von Hormus gilt als strategisch wichtigstes Nadelöhr für den globalen Energiehandel. In Friedenszeiten wird durch die Meerenge täglich rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels transportiert. Sie ist zudem eine zentrale Route für den Transport von Flüssiggas, etwa aus Katar.
Die Meerenge ist die einzige Verbindung des Persischen Golfs mit den Weltmeeren. Am Golf von Persien liegen bedeutende Förderländer wie Saudi-Arabien, Irak, Kuwait, Katar, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate.
Experten warnen vor weiter steigenden Ölpreisen
Der Chefvolkswirt von JPMorgan, Bruce Kasman, erwartet kurzfristig einen Anstieg des Ölpreises in Richtung 120 Dollar pro Barrel. Sollte der Konflikt andauern, könnte der Preis auch nachhaltig über dieser Marke liegen.
Ein solches Szenario könnte nach Einschätzung des Ökonomen eine globale Rezession auslösen. Das weltweite Wirtschaftswachstum im ersten Halbjahr könnte um 0,6 Prozentpunkte sinken, während die Verbraucherpreise um etwa einen Prozentpunkt steigen könnten.
Trump verteidigt steigende Ölpreise
US-Präsident Donald Trump versuchte angesichts der steigenden Energiepreise, den Blick auf die langfristigen Folgen des Konflikts zu lenken. Die aktuell höheren Ölpreise seien “ein sehr geringer Preis für die Sicherheit und den Frieden der USA und der Welt”, erklärte er auf seiner Plattform Truth Social. “Nur Idioten würden das anders sehen”, schreibt er weiter.
USA prüfen Lockerung von Sanktionen gegen russisches Öl
Angesichts der angespannten Lage auf dem Ölmarkt hatte die US-Regierung zuvor zusätzliche Maßnahmen ins Spiel gebracht. Finanzminister Scott Bessent erklärte, Washington könnte weitere russische Öllieferungen von Sanktionen befreien. Es gebe Hunderte Millionen Barrel sanktionierten Rohöls auf dem Wasser.
Durch eine Lockerung der Sanktionen könnte das globale Angebot erhöht und der Preisanstieg gedämpft werden. Bereits zuvor hatten die USA indischen Raffinerien erlaubt, für einen begrenzten Zeitraum bereits auf Tanker verladenes russisches Öl zu kaufen.
Europäischer Gaspreis bei knapp 70 Euro
Unterdessen ist auch der Preis für europäisches Erdgas wegen des Kriegs im Nahen Osten weiter stark gestiegen. An der Börse in Amsterdam sprang die Notierung für den richtungweisenden Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat zum Handelsbeginn um rund 30 Prozent auf 69,50 Euro je Megawattstunde (MWh) nach oben.
Mit dem aktuellen Preisanstieg hat sich europäisches Erdgas seit Beginn der Angriffe der USA und Israels auf den Iran vor mehr als einer Woche in etwa verdoppelt. Dies ist – wie auch beim Öl – der stärkste Anstieg seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine von vier Jahren.
