Vorwürfe von Vetternwirtschaft und Korruption: Die AfD steht bundesweit unter Druck. Bei der Wahl in Baden-Württemberg am Sonntag kann sie dennoch mit Zugewinnen rechnen. Woher kommt die Zustimmung?
Aus den Boxen hämmert Techno-Musik und Alice Weidel tanzt auf die Bühne. Es ist einer dieser schrillen Auftritte. “Hallo Pforzheim!”, ruft die AfD-Chefin. “Hier ist ja was los!” Sie hat betont gute Laune. Einen kritischen Rufer aus dem Publikum lacht sie aus.
Fast alle hier sind Fans. Die AfD und ihre Parteichefin füllen Hallen. Auch im Westen, aber die besseren Ergebnisse hat die AfD im Osten. Doch im Westen wird sie immer erfolgreicher. Auch dort sei die AfD Volkspartei, sagt ihr Co-Chef Tino Chrupalla. Der Sachse ist im Wahlkampf unterwegs und betont, dass er sich nicht verstellt. “Ich halte im Westen keine anderen Reden als im Osten”, sagt Chrupalla. “Frieden und Ausgleich auch mit Russland” sei ein im Westen genauso präsentes Thema.
Risse zwischen Ost und West an der AfD-Spitze
Doch genau beim Thema Russland zeigt sich ein Riss zwischen Ost und West, auch an der AfD-Spitze. Die Westdeutsche Alice Weidel forderte: “Irgendwo muss sich Putin auch irgendwann bewegen.” Ihr ostdeutscher Kollege Tino Chrupalla sieht in Russland keine Gefahr und sagt über Putin: “Mir hat er nichts getan.” Der Satz von Weidel sei nicht falsch, stellt Chrupalla klar. “Die Frage ist nur, was ist die Aufgabe Deutschlands, in welchem Interesse agiert die deutsche Politik?”
Ein anderes Streitthema: eine mögliche Wehrpflicht. Hier haben sich die Parteichefs ebenso öffentlich widersprochen. Eigentlich fordert die AfD im Programm, die Wehrpflicht wieder einzuführen. Aber die ostdeutschen Verbände haben verhindert, dass die Partei das öffentlich beantragt. Sie fordern “keine Wehrpflicht für fremde Kriege” und argumentieren, dass deutsche Soldaten in der Ukraine eingesetzt werden könnten, auch wenn das in Wahrheit niemand möchte.
“Rücksicht” auf ostdeutsche Bundesländer
Auf die ostdeutschen Bundesländer müsse man Rücksicht nehmen, sagt Malte Kaufmann. Der Heidelberger sitzt für die AfD im Bundestag. Sie sei jetzt eine Volkspartei, findet auch er. “Dann muss man natürlich sehen, dass man andere mitnimmt.”
Laut ARD-Vorwahlumfrage liegt die AfD in Baden-Württemberg bei 18 Prozent. Sie würde sich also fast verdoppeln. Und dass obwohl der Spitzenkandidat Markus Frohnmaier gar nicht in den Landtag will und in der Woche vor der Wahl durch die USA reist.
Woher kommt der Erfolg?
Die AfD ist im Westen normaler geworden. So sieht es der Politikwissenschaftler Wolfgang Schröder. Es handele sich um eine Partei des Zorns, die die Problemlösung eher in der Vergangenheit ansiedele.
Diese “Früher-war-alles-besser”-Strategie funktioniert für Schröder auch im Westen. “Hier inszeniert sich die AfD als die Partei, die den Menschen Gewissheit geben will und die Gewissheit ist der Rückblick und die Orientierung an der alten guten Welt.”
AfD hofft auf Direktmandate im Südwesten
Und da gebe es gar nicht so große Unterschiede zwischen Ost und West. So sieht es Sebastian Münzenmaier. Er ist AfD-Bundestagsabgeordneter aus Rheinland-Pfalz, wo ebenfalls bald gewählt wird. Es könne schon sein, dass es aufgrund von der unterschiedlichen Prägung unterschiedliche Auffassungen gebe. Aber die gebe es ja auch zwischen unterschiedlichen Regionen. “Von dem her wäre mir das ein bisschen zu plakativ, wenn man sagt, es gibt Ost und West. Ne, das wäre mir zu einfach.”
Im Osten steht die AfD in Umfragen deutlich besser da, träumt davon zu regieren. Das ist im Westen eher ausgeschlossen, weiß auch der Parteichef. Dort gebe es noch andere Strukturen, sagt Chrupalla. “CDU und SPD konnten dort über Jahrzehnte nach dem Kriege sozusagen Parteistrukturen aufbauen. Diese Chance gab es im Osten ja schlichtweg nicht.”
Stärkste Kraft im Südwesten wird die AfD nicht werden, das ist allen klar. Aber sie hofft, diesmal Direktmandate zu gewinnen.

