Nicolás Maduro im Portät: Busfahrer, Präsident, US-Gefangener

Nicolás Maduro im Portät: Busfahrer, Präsident, US-Gefangener

Nicolás Maduro (Aufnahme vom 15.9.2025)


Porträt

Stand: 04.01.2026 08:12 Uhr

Mit der Gefangennahme von Nicolás Maduro durch die USA endet seine mehr als zwölfjährige Herrschaft in Venezuela. Welche Krisen seine Präsidentschaft prägten – und wie der Machthaber gegen die eigene Bevölkerung vorging.

Die mehr als zwölfjährige Herrschaft des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro ‍ist am Samstag abrupt beendet worden. US-Spezialkräfte nahmen den 63-jährigen Sozialisten ​gefangen und flogen ihn aus dem Land. Sein Sturz folgte auf seit Monaten wachsenden Druck der USA. Mit der Entmachtung endet die Ära eines Staatschefs, dem Kritiker im In- und Ausland vorwarfen, ein Diktator zu sein.

Vom Vorgänger auserwählt

Seine politische Karriere begann Maduro vor 40 Jahren. 1986 reiste er nach Kuba, wo er seine Ideologie formte. Nach der Rückkehr nach Venezuela arbeitete er für das Verkehrssystem der Hauptstadt Caracas als Busfahrer. Er wurde rasch zu einem Gewerkschaftsführer. Der venezolanische Geheimdienst der 1990er-Jahre stufte Maduro als linken Radikalen mit engen Beziehungen zur kubanischen Regierung ein.

Nach dem Ausscheiden aus seinem Busfahrerjob schloss sich Maduro der politischen Bewegung von Chávez an. Dieser war 1994 begnadigt worden, nachdem er Jahre zuvor einen gescheiterten blutigen Militärputsch angeführt hatte. Nach dem Amtsantritt von Chávez als Präsident arbeitete sich Maduro innerhalb der Regierungspartei hoch. Die ersten sechs Jahre war er Abgeordneter, ehe er Präsident der Nationalversammlung wurde. Anschließend war er sechs Jahre lang Außenminister und einige Monate Vizepräsident.

Chávez ernannte Maduro in seiner letzten Ansprache an die Nation vor seinem Tod 2013 zu seinem Nachfolger. Er rief seine Unterstützer auf, im Falle seines Todes für Maduro zu stimmen. Noch im selben Jahr siegte Maduro knapp bei der Präsidentschaftswahl. Bei den Wählern war er nie so beliebt wie Chávez.

Mit Hilfe der Empfehlung von Hugo Chávez (links) gelang Nicolás Maduro ‍der Sprung ins Präsidentenamt.

Millionen in Armut, Tausende im Gefängnis

Maduros Präsidentschaft war von einer komplexen Krise geprägt, in der Millionen Menschen in die Armut rutschten, mehr als 7,7 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner ihre Heimat verließen und Tausende Personen, in denen die Regierung Gegner sah, inhaftiert wurden. In der Haft wurden viele gefoltert – manche auf Anordnung Maduros hin.

Einem Bericht der Vereinten Nationen vom Dezember zufolge hat die Nationalgarde des Landes über mehr als ein Jahrzehnt schwere Menschenrechtsverletzungen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit bei der Verfolgung politischer Gegner begangen. Bei Protesten gegen Maduros Regierung kamen 2017 insgesamt 125 Menschen ums Leben.

Erst Hoffnung, dann Eskalation

Während der ersten Amtszeit von Präsident Donald Trump verhängten die USA Wirtschaftssanktionen gegen Maduro, dessen Verbündete und staatliche Konzerne, um einen Regierungswechsel herbeizuführen. 2021 setzte Maduro mehrere wirtschaftliche Maßnahmen um, die letztendlich die überhöhte Inflation in Venezuela eindämmten. Zudem machte er Zugeständnisse an die von den USA unterstützte politische Opposition. Viele hofften damals auf eine freie und demokratische Präsidentschaftswahl 2024 in Venezuela.

Vor der Wahl schloss die Regierung jedoch die stärkste Gegnerin Maduros, María Corina Machado, von einer Kandidatur aus. Stunden nach der Schließung der Wahllokale 2024 erklärte der nationale Wahlrat Maduro zum Gewinner. Doch anders als bei vorherigen Wahlen legte er keine detaillierten Abstimmungsergebnisse vor. Die Opposition hingegen veröffentlichte Ergebnisse aus mehr als 80 Prozent der elektronischen Wahlautomaten. Demnach hatte der Oppositionskandidat Edmundo González Maduro deutlich besiegt.

Internationale Staats- und Regierungschefs lehnten das offizielle Wahlergebnis ab, doch im Januar 2025 wurde Maduro von der Nationalversammlung für eine dritte Amtszeit vereidigt.

Nach der Wahl 2024 eskalierte die Regierung laut UN die Repression, um friedliche Proteste niederzuschlagen. Die Folge waren mehr als zwei Dutzend Tote und 2.400 Verhaftungen. Die Verleihung des Friedensnobelpreises an die Oppositionsführerin Machado ​setzte ein Zeichen gegen ‍diese repressive Politik.

USA erhöhten Druck auf Maduro

Nach Trumps Rückkehr ins US-Präsidentenamt 2025 setzte er Maduro unter Druck, um Flugzeuge mit abgeschobenen Einwandererinnen und Einwanderern anzunehmen. Im Sommer verstärkte Trump dann die Präsenz des US-Militärs in der Karibik, was die venezolanische Regierung in erhöhte Alarmbereitschaft versetzte. Für Maduro war das der Anfang vom Ende seiner Regierung.

Eine wichtige Rolle an seiner Seite spielte stets seine Frau Cilia Flores, die als “erste Kämpferin” bezeichnet wurde und zahlreiche hohe Ämter bekleidete. Sie wurde nach US-Angaben ebenfalls gefangen genommen.

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