Neue Waffenruhe zwischen Syriens Regierung und kurdischen Milizen

Neue Waffenruhe zwischen Syriens Regierung und kurdischen Milizen

Syrische Regierungstruppen an einem verlassenen Kontrollpunkt zwischen Raqqa und Hassakeh.

Stand: 20.01.2026 20:24 Uhr

Trotz einer Waffenruhe flammten in Syrien Kämpfe zwischen Regierungstruppen und kurdischen Milizen wieder auf. Nun starten beide Seiten einen neuen Versuch. Dabei geht es auch um Gefängnisse mit mutmaßlichen IS-Kämpfern.

Die syrische Armee und die kurdisch geführten Syrisch-Demokratischen Kräfte (SDF) haben zum zweiten Mal binnen weniger Tage eine Waffenruhe angekündigt. Diese solle vier Tage gelten, erklärte das syrische Militär. Die SDF bestätigten die neue Vereinbarung und erklärten, sie würden “keine militärischen Maßnahmen ergreifen, solange unsere Streitkräfte nicht angegriffen werden”.

Bereits am Wochenende hatten beide Seiten eine Waffenruhe bekannt gegeben, nach der es jedoch erneut zu Kämpfen kam. Die Regierungstruppen und ihre Verbündeten rücken seit mehreren Tagen immer weiter in die von SDF kontrollierten Gebiete im Norden und Osten des Landes vor. Dabei übernahm die Übergangsregierung in den vergangenen Tagen bereits die Kontrolle über die Provinzen Rakka und Dair al-Sor.

Karte: Syrien mit dem Fluss Euphrat. Schraffur: von Kurden kontrollierte Gebiete laut ISW, Stand 17.1.2026

Kampf um Macht und Gebiete

Als Teil der erneuten Waffenruhe werden den SDF nun vier Tage eingeräumt, um einen konkreten Plan zur praktischen Integration einer weiteren Provinz, Hasaka, auszuarbeiten. Das geht aus einer von der staatlichen Nachrichtenagentur Sana veröffentlichen Regierungserklärung hervor.

Ziel der Zentralregierung von Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa ist es, Syrien nach dem Sturz von Machthaber Baschar al-Assad zu einen. Für die Kurden, die im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat einer der wichtigsten Verbündeten der USA waren, bedeutet das im Umkehrschluss, dass sie rohstoffreiche Gebiete, Macht und erkämpfte Rechte verlieren können oder abgeben müssen.

Mutmaßliche IS-Terroristen aus Gefängnissen geflohen

In den bisher von kurdischen Truppen kontrollierten Gebieten liegen auch mehrere Gefängnisse, in denen Tausende Angehörige mutmaßlicher IS-Terroristen festgehalten werden. Das syrische Militär warf den SDF vor, Wachen aus dem berüchtigten Lager Al-Hol abgezogen zu haben. Dadurch sei eine Reihe von Häftlingen mit ihren Familien entkommen.

Die Regierung in Damaskus warnte die SDF-Führung über die Staatsmedien davor, Gefängnisse als Vergeltungsmaßnahme oder als politisches Druckmittel zu öffnen und so Insassen die Flucht zu erleichtern. Das Verteidigungsministerium erklärte, es sei bereit, Al-Hol und andere Gefängnisse zu übernehmen.

Die SDF bestätigten den Abzug ihrer Wachen aus Al-Hol und begründeten dies mit der zunehmenden Bedrohung nordsyrischer Städte durch Regierungstruppen. Bereits am Montag hatten sich Regierung und SDF gegenseitig die Schuld dafür gegeben, dass IS-Terrorverdächtige aus zwei Gefängnissen im Nordosten entkamen.

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