Naturwissenschaftliche Kompetenzen: Frühes Lernen lohnt sich

Naturwissenschaftliche Kompetenzen: Frühes Lernen lohnt sich

Kinder basteln in einer Kindertagesstätte

Stand: 24.01.2026 12:00 Uhr

Wie gut werden Kinder in der Schule in Naturwissenschaften sein? Die Grundlagen dafür werden bereits vor dem Schuleintritt gelegt – wenn Kinder früh mit naturwissenschaftlichen Themen in Berührung kommen.

Wenn Kinder im Kindergarten spielen, entdecken sie die Welt. Ein Bauklötzchen, ein Blatt von einem Baum – alles, was sie in die Finger bekommen, erzählt ihnen eine Geschichte.

Dabei lernen sie, wie ihre Umwelt funktioniert: Wenn ein Turm aus Bauklötzchen umfällt, ist das angewandte Physik. Und wenn sich ein Tier aus dem Garten ins Gebäude verirrt, kann auch das ein lehrreicher Moment sein, erzählt Doris Gutknecht. Sie ist Erzieherin in der Montessori-Kindertagesstätte Bärenstark in Nürnberg. “Wir haben uns den Wurm natürlich genau angeschaut: Wo ist vorne, wo ist hinten? Was fressen Regenwürmer? Haben Regenwürmer Augen? Hören Regenwürmer was? Und dann finden wir eben heraus, wo denn vorne und wo hinten ist.”

Frühkindliche Kompetenz bringt Vorteile in der Schule

Solche frühkindlichen Entdeckungsmomente prägen das wissenschaftliche Verständnis vielleicht stärker als bisher angenommen. Jana Kähler arbeitet am Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik. Die Expertin für naturwissenschaftliche Kompetenzentwicklung bei Kindern hat Daten von Erstklässlern und Drittklässlern aus dem Nationalen Bildungspanel ausgewertet. Das Ergebnis: Je mehr naturwissenschaftliche Kompetenz die Kinder schon vor ihrer Schulzeit erworben haben, desto besser sind sie später in der Schule.

“Wir konnten sehen, dass Kinder, die schon in der ersten Klasse über höhere Kompetenzen verfügten, das auch in der dritten Klasse immer noch taten und dort einen Vorteil besaßen”, fasst Kähler das Ergebnis zusammen. Das klingt zunächst wenig überraschend. Auffällig findet die Wissenschaftlerin aber, wie stark der Einfluss der frühkindlichen Vorbildung auf die Entwicklung von der ersten bis zur dritten Klasse war: wesentlich stärker als andere untersuchte Faktoren wie zum Beispiel Bildungsstand der Eltern, deren Beruf oder die Anzahl der Bücher im Haushalt.

Kinder sollten Naturwissenschaften früh erfahren

Keinen statistisch relevanten Einfluss auf die Fortschritte in den ersten Schuljahren hatten Faktoren wie ein Migrationshintergrund, die gesprochene Sprache innerhalb der Familie oder das Einkommen der Eltern. In der Zeit vor der Einschulung könnte das anders aussehen, nachdem die Grundlagen ja offenbar schon sehr früh und damit auch neben der Kita im Familienumfeld gelegt werden.

Hier stößt Jana Kählers Untersuchung an ihre Grenzen. Erzieherin Gutknecht berichtet aber aus ihrem Kita-Alltag: “Ich denke doch, man merkt es. Eltern, die selbst Akademiker sind, haben einen ganz anderen Zugang zu Ressourcen und Informationen. Und sie haben ja auch andere Kapazitäten”, so Gutknecht.

Das Thema Migration spiele da wohl eine indirekte Rolle, denn einige Eltern mit Migrationshintergrund seien mit der Organisation des Lebens hier bereits ausgelastet, “sodass es eher eine Frage von Ressourcen ist als eine Frage von Migration. Migration bedeutet in unserem Land einfach, dass man schon sehr viele Hürden meistern muss”, beobachtet die Erzieherin. Da blieben den Eltern weniger Gelegenheiten, sich auch noch um die wissenschaftliche Bildung der Kinder zu kümmern.

Wissenschaft muss nicht hochkomplex sein

Der Kita kommt in diesen Fällen eine besondere Bedeutung zu. Zwar sind Naturwissenschaften und deren Vermittlung Teil der Berufsausbildung von Erzieherinnen und Erziehern, beispielsweise im bayerischen Lehrplan der Fachakademien. Doch nicht allen Erzieherinnen und Erziehern fällt der Umgang mit naturwissenschaftlichen Themen leicht.

“Es kann einfach sein, das Archimedische Prinzip [Auftriebskraft, Anm. d. Red.] zu erklären. Es Kinder wirklich selbst erkunden zu lassen, kann dagegen anspruchsvoll sein”, sagt die Bildungswissenschaftlerin Sofie Areljung von der Uni im schwedischen Umeå.

Ihr Ansatz ist, physikalische Phänomene im Alltag der Kinder zu identifizieren. Das funktioniere über Verben wie “fallen, rollen, drehen, schaukeln”. Für die Erzieher sei das wie ein Eingangstor zu naturwissenschaftlichen Themen. Wenn ein Kind auf der Schaukel sitzt, könne man es fragen, wie sich das anfühlt am tiefsten Punkt. Oder man nimmt ein Gefäß mit Wasser mit auf die Schaukel und schaut, was passiert. “Ah, das ist einfach!”, sei die Reaktion der Lehrkräfte, denen sie dieses Prinzip erklärt. Man muss nur erst einmal darauf kommen.

Erzieherin Doris Gutknecht hat das schon in ihren Kindergartenalltag integriert. Und so zeigt sie ein ganz einfaches Experiment mit zwei Kännchen, in denen von Weihnachten übrig gebliebene rote Glöckchen sind. Die Kinder sollen die Glöckchen von einer Kanne in die andere schütten. Das schult die Motorik – und ganz nebenbei lernen sie auch noch was über Fließeigenschaften. Hohe Wissenschaft, heruntergebrochen auf die Welt der Kinder.

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