NATO-Abwehrsystem: Erneut Rakete aus Iran über der Türkei abgefangen

NATO-Abwehrsystem: Erneut Rakete aus Iran über der Türkei abgefangen

 Fragmente einer aus dem Iran abgefeuerten Rakete liegen im Bezirk Sahinbey in der Nähe von Gaziantep im Süden der Türkei auf dem Boden.

Stand: 09.03.2026 • 20:43 Uhr

Die NATO-Luftabwehr hat erneut eine Rakete aus Iran über der Türkei abgeschossen. Bundesaußenminister Wadephul ist für Gespräche nach Zypern gereist, das zuvor Ziel einer iranischen Rakete gewesen sein soll.

Die NATO hat erneut eine aus Iran auf die Türkei abgefeuerte Rakete abgefangen. Einige Trümmer seien auf freies Gelände in Gaziantep im Süden nahe der Grenze zu Syrien gefallen, teilte das türkische Verteidigungsministerium mit. Demnach gab es keine Toten oder Verletzten. NATO-Sprecherin Allison Hart sagte, das Bündnis stehe stets bereit, alle Alliierten gegen jede Art von Bedrohung zu verteidigen.

Vergangenen Mittwoch war bereits eine iranische Rakete von der Luftabwehr der NATO über dem Mittelmeer abgefangen worden. Beim ersten Angriff letzte Woche waren Trümmerteile über der südöstlichen Provinz Hatay niedergegangen, es gab keine Verletzen. Ziel soll Zypern gewesen sein.

Angriff galt womöglich NATO-Stützpunkt

Welches Ziel die zweite iranische Rakete ursprünglich hatte, blieb unklar. Iran greift seit Kriegsbeginn wiederholt Militärstützpunkte in der Region an – etwa in den Golfstaaten. Auf dem NATO-Luftwaffenstützpunkt in Incirlik in der südtürkischen Provinz Adana sind US-Soldaten positioniert. Der Stützpunkt gilt als wichtiges Militär-Drehkreuz in der Region.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan sagte nach einer Kabinettssitzung, Iran gehe weiterhin falsch und provokativ vor. Die notwendigen Warnungen der Türkei seien nun an Iran gemacht worden, sagte Erdoğan. Laut der Nachrichtenagentur Reuters sei der iranische Botschafter durch die Türkei einberufen worden. Das französische Außenministerium erklärte, Iran müsse seine ungerechtfertigten Angriffe gegen Staaten in der Region einstellen.

Die Türkei verhält sich im Krieg zwischen Israel, den USA und Iran eigentlich neutral und hat sich lange um eine diplomatische Lösung des Konflikts bemüht. Bereits beim ersten Angriff warnte Erdoğan vor einem Flächenbrand in der Region und rief alle Seiten zur Zurückhaltung auf.

EU-Partner unterstützen Zypern – Wadephul zu Besuch

Die Niederlande kündigte an, eine Luftverteidigungsfregatte ins östliche Mittelmeer zu schicken. Das teilten das Verteidigungs- und das Außenministerium dem Parlament in Den Haag mit. Das Schiff “Zr. Ms. Evertsen” werde zum Schutz von EU-Land Zypern und dem NATO-Partner Türkei eingesetzt. Derzeit befinde sich das Kriegsschiff auf Höhe von Malta. Frankreich hatte die Niederlande um Unterstützung gebeten, auch um die Sicherheit französischer Marineschiffe in der Region zu gewährleisten.

Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) ist am Montag nach Zypern gereist. Wie eine Sprecherin des Auswärtigen Amts mitteilte, gelte Zypern, “unserem EU-Partner”, in diesen Tagen besondere Solidarität, “nachdem das Land in der vergangenen Woche von iranischem Drohnenbeschuss betroffen war”.

Vor diesem Hintergrund werde Wadephul am Dienstag in Nikosia politische Gespräche mit dem zyprischen Außenminister Constantinos Kombos zur Lage im Nahen Osten führen. Noch am Montagabend sei ein Treffen mit dem Außenminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Scheich Abdullah bin Zayed, auf Zypern geplant.

Kallas fordert Israel auf, Libanon-Angriffe einzustellen

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas forderte von Israel ein Ende der Militäroperationen im Libanon. Israel habe nach den jüngsten Angriffen der proiranischen Hisbollah-Miliz das Recht auf Selbstverteidigung, erklärt sie in Brüssel. Die Vergeltung führe aber zu Massenvertreibungen und destabilisiere eine ohnehin fragile Lage zusätzlich.

Libanon meldete bisher 486 Tote und über 1300 Verletzte. Die harte Reaktion berge die Gefahr, sagte Kallas, den Libanon und seine Bevölkerung in einen Krieg hineinzuziehen, der nicht der ihre sei – mit schwerwiegenden humanitären Folgen.

Offenbar Chef einer Hisbollah-Miliz getötet

Im Zuge ihrer Offensive gegen die pro-iranische Hisbollah-Miliz gab die israelische Armee bekannt, den Chef einer im Südlibanon agierenden Hisbollah-Einheit getötet zu haben. Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz sei bei einem Besuch an der Grenze zum Libanon darüber informiert worden, dass der Kommandeur der Hisbollah-Einheit Nasser, Abu Hussein Ragheb, bei einem Angriff in der Nacht getötet worden sei, teilte sein Ministerium mit.

Die Hisbollah feuerte nach eigenen Angaben Raketen auf einen israelischen Militärstützpunkt in der Nähe von Tel Aviv ab. Sie habe die Heimatfront-Kommandozentrale der israelischen Armee in Ramla mit einer “Salve hochentwickelter Raketen” angegriffen, teilte die libanesische Miliz mit. Es handele sich um eine Antwort auf “die kriminelle israelische Aggression, die dutzende libanesische Städte und die südlichen Vororte von Beirut getroffen hat”.

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