Nachwahl in Manchester: Labour verliert Parlamentssitz

Nachwahl in Manchester: Labour verliert Parlamentssitz

Keir Starmer

Stand: 27.02.2026 • 14:22 Uhr

Es ist eine Klatsche für den britischen Premier Starmer: Seine Labour-Partei hat die Nachwahl in Manchester klar verloren – gegen eine Newcomerin von den Grünen. Beobachter sehen gar das Ende der britischen Volksparteien.

Gabi Biesinger

In einer mit großer Spannung verfolgten Nachwahl hat die britische Labour-Partei in der traditionellen Hochburg Manchester einen Sitz an die Grünen verloren. Die Partei von Premierminister Keir Starmer landete sogar nur auf Platz drei nach der rechtspopulistischen Reform-Partei.

Die frisch gewählte Abgeordnete Hannah Spencer, eine 34-jährige Klempnerin, hatte erstmal eine Botschaft an ihre Kundschaft: Sie werde ihre vereinbarten Termine wohl absagen müssen, weil sie jetzt ins Parlament einziehe.

Die frisch gewählte Abgeordnete Hannah Spencer von den Grünen lief den Kandidaten der altgedienten Parteien den Rang ab.

Hohe Lebenshaltungskosten als Hauptthema

Dann ging sie auf das Thema ein, das ihren Wahlkampf für die Grüne Partei bestimmt hatte: die hohen Lebenshaltungskosten und dass man sich mit harter Arbeit früher ein Haus und Urlaub habe leisten können, doch diese Zeiten seien vorbei.

Spencer hatte auch darauf gesetzt, dank der pro-palästinensischen Haltung ihrer Partei vor allem die Stimmen von Muslimen zu bekommen, die rund ein Drittel der Bevölkerung im Wahlkreis Gorton and Denton ausmachen.

Grüne sehen sich im Aufwind

Mit Spencers Sieg verfügen die Grünen nun über fünf Parlamentssitze. Parteichef Zack Polanski erklärte, die Wählerinnen und Wähler hätten bestätigt, dass sie in den Grünen eine Alternative sähen zu einer Labour-Partei im Sinkflug und der extremistischen Reform-Partei.

Spencer hatte die Wahl mit rund 15.000 Stimmen gewonnen, der Politikwissenschaftler Matt Goodwin hatte für die einwanderungsfeindliche Reform-Partei 10.000 Stimmen geholt. Labour hatte die örtliche Stadträtin Angeliki Stogia ins Rennen geschickt, die mit etwas mehr als 9.300 Stimmen nur auf Platz drei landete.

Starmer mit historisch niedrigen Beliebtheitswerten

Politische Beobachter sprechen von einem Desaster und einem Albtraum für die Partei von Regierungschef Keir Starmer, der mit historisch niedrigen Beliebtheitswerten zu kämpfen hat.

Starmer sah sich zuletzt wiederholt mit Rücktrittsforderungen konfrontiert – unter anderem im Zusammenhang mit dem Skandal um den US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein, weil Starmer den britischen Politiker Peter Mandelson zum US-Botschafter ernannt hatte, obwohl er bereits wusste, dass Mandelson nach Epsteins Verurteilung 2008 weiterhin Kontakt zu ihm hatte. Zwei von Starmers engsten Beratern traten wegen der Affäre zurück.

Kritik an fehlendem Kurs

Hinzu kommt, dass auch Vertreter seiner eigenen Partei einen klaren politischen Kurs der Regierung vermissen. Der Labour-Abgeordnete Karl Turner aus dem nordenglischen Hull fand deutliche Worte in der BBC: Man könne die Reform-Partei nicht rechts beim Thema Einwanderung überholen und die Grünen nicht links mit progressiver Politik. Seine Partei sollte sich mal wieder auf Labour-Werte besinnen, dann hätte sie vielleicht eine Chance.

Vorgeworfen wird Starmer auch, dass er gemeinsam mit der Parteiführung verhindert habe, dass der bei Partei-Linken beliebte Bürgermeister von Manchester, Andy Burnham, in Gorton and Denton kandidieren durfte. Starmer hatte argumentiert, in der dann erforderlichen Wahl könne Labour den Bürgermeister-Posten in Manchester verlieren.

Allerdings war Burnhams Versuch, für einen Sitz im Parlament zu kandidieren, allgemein als Ambition gewertet worden, den angezählten Starmer als Parteichef ablösen zu wollen, so dass Starmer sich offenbar einen Konkurrenten vom Hals halten wollte. Burnham hätte die Nachwahl gewinnen können, sind viele überzeugt.

Starmer kurz vor Ablösung?

Dass es in der Partei bisher noch keine Revolte gegen Starmer gab, dürfte vor allem auch damit zu tun haben, dass es an alternativen Führungsfiguren mangelt. Times-Journalistin Rachel Sylvester ist überzeugt, dass nicht viele Labour-Abgeordnete noch daran glauben, dass Starmer sie in die nächsten Parlamentswahlen führen wird. Es gehe jetzt ums Timing, sagte sie in der BBC.

Anfang Mai finden Lokal- und Regionalwahlen statt, bei denen Labour auch eine heftige Schlappe befürchten muss. Und diese Niederlage könnte der Anfang vom Ende Keir Starmers sein.

Auch Tories mit schlechtem Ergebnis

Neben Labour schnitt auch die andere einst große Volkspartei, die konservativen Tories, schlecht ab: Die Kandidatin bekam nur 700 Stimmen – ein vernichtendes Ergebnis. Meinungsforscher sehen in diesem Ergebnis ein weiteres Indiz für den Zerfall des bisherigen britischen Zwei-Parteien-Systems mit Labour und Konservativen.

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