Nach Drohung: BBC weist Trumps Entschädigungsforderungen zurück

Nach Drohung: BBC weist Trumps Entschädigungsforderungen zurück

Der BBC Hauptsitz in London

Stand: 14.11.2025 10:03 Uhr

Rund einen Tag vor Ablauf eines Ultimatums hat die BBC den Entschädigungsforderungen von US-Präsident Trump eine Absage erteilt. Er hatte gedroht, den öffentlich-rechtlichen Sender auf eine Milliarde Dollar zu verklagen.

Gabi Biesinger

Eigentlich hatte US-Präsident Donald Trump der BBC ein Ultimatum bis Freitagabend eingeräumt, auf seine Forderungen im Hinblick auf eine irreführende Bearbeitung eine seiner Reden zu reagieren. Doch der öffentlich-rechtliche Sender meldete schon 24 Stunden vorher überraschend, man habe sich bei Trump entschuldigt.

Eine persönliche Entschuldigung hatte Trump gefordert nachdem in einer “Panorama”-Dokumentation, ausgestrahlt wenige Tage vor den US-Wahlen im November 2024, eine Rede von ihm so zusammengeschnitten worden war, dass es so klang, als habe er am 6. Januar 2021 einen direkten Aufruf zum Sturm auf das Kapitol formuliert.

BBC: Kein Grund für Verleumdungsklage

Auf ihrer Webseite erklärt der Sender nun, der BBC-Aufsichtsratsvorsitzende Samir Shah, der sich zu Wochenbeginn schon öffentlich für den Schnittfehler entschuldigt hatte, habe Trump in einem persönlichen Brief um Entschuldigung gebeten.

Die britische Kulturministerin Lisa Nandy meldete sich am Freitag zu Wort und sagte, es sei richtig, dass sich die BBC bei Trump entschuldigt habe. “Sie haben zu Recht akzeptiert, dass sie nicht den höchsten Standards entsprochen haben”, sagte sie Times Radio.

Darüber hinaus erklärt die BBC, die Dokumentation nicht mehr auszustrahlen. Doch Trumps Forderung nach Entschädigung weist der öffentlich-rechtliche Sender zurück: Zwar bedauere man zutiefst die Art und Weise, wie der Videoclip bearbeitet worden sei, bestreite jedoch entschieden, dass es eine Grundlage für eine Verleumdungsklage gebe. Wohl vor dem Hintergrund, dass der Film nicht in den USA ausgestrahlt worden sei und Trump die Wahlen gewonnen habe.

Trump verklagt reihenweise US-Medien

Trumps Anwälte hatten Schadensersatz für “falsche, verleumderische, herabsetzende, irreführende und hetzerische Aussagen” über den Präsidenten gefordert und gedroht, die BBC andernfalls auf eine Milliarde Dollar zu verklagen. Dieses Risiko ist die BBC nun eingegangen. In den vergangenen Monaten hat Trump eine ganze Reihe von US-Medien mit Klagen überzogen – und dabei zum Teil auch erhebliche Vergleichssummen eingestrichen.

Seine Sprecherin Karoline Leavitt hatte zuletzt in einer Pressekonferenz im Weißen Haus erklärt, was Trump von der BBC halte: Sie sei eine linke Propagandaschleuder, die unglücklicherweise von den bedauernswerten britischen Steuerzahlern finanziert werde.

In einer ersten Reaktion in Großbritannien bescheinigte Alan Rusbridger, ehemaliger Chefredakteur des liberalen Guardian, der BBC Rückgrat, für ihre Reaktion:

Es fühlt sich für mich genau richtig an. Ich denke die BBC-Verantwortlichen haben aus dem Chaos der letzten zwei Wochen etwas mitgenommen. Und weisen nun den Weg, wie Medienunternehmen robust für Pressefreiheit einstehen können, was einigen US-Sendern nicht gelungen ist.

Rechte wollen BBC zurechtstutzen

Nachdem die rechtskonservative Zeitung Telegraph den Schnittfehler der BBC in der Trump-Rede vergangene Woche angeprangert hatte, waren der Intendant und die Nachrichtenchefin der BBC zurückgetreten.

Inzwischen berichtet der Telegraph über einen weiteren, ganz ähnlichen Schnittfehler in derselben Trump-Rede, in einer BBC-Newsnight Sendung von 2022. Das bietet weitere Angriffsfläche für diejenigen, die den öffentlich-rechtlichen Sender – derzeit besonders geschwächt ohne Führungspersonal – in der jetzigen Form gerne abschaffen wollen. Die Kritikerinnen und Kritiker werfen der BBC unter anderem vor, systematisch das Gebot der Unparteilichkeit zu verletzen, wie zum Beispiel der Chef der rechten Reform-Partei, Nigel Farage.

Farage, ein guter Freund von Donald Trump, würde sich sicher freuen, wenn der rechtspopulistische Meinungssender GB News – ähnlich wie Trumps Lieblingssender Fox-News in den USA – künftig der BBC den Rang ablaufen würde. Schließlich ist Farage wie eine ganze Reihe anderer Politiker der Konservativen und der Reform Partei Moderator bei GB News. Er würde die BBC gerne zurechtstutzen und das Rundfunkbeitragsmodell beenden. Bis 2027 muss die Royal Charter neu ausgehandelt werden, die Grundlage für Auftrag und Finanzierung des Senders ist.

Gabi Biesinger, ARD London, tagesschau, 14.11.2025 06:29 Uhr

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