Mutmaßlicher Nord-Stream-Drahtzieher in Deutschland in U-Haft

Mutmaßlicher Nord-Stream-Drahtzieher in Deutschland in U-Haft

Dieses Bild zeigt die Wellen im Wasser über dem Gasleck der Nord-Stream-Pipeline in der Ostsee.

Stand: 28.11.2025 16:02 Uhr

Der mutmaßliche Drahtzieher der Nord-Stream-Anschläge kommt in Deutschland in Untersuchungshaft, der Haftbefehl wurde in Vollzug gesetzt. Die Anschläge auf die Pipelines in der Ostsee hatten im Herbst 2022 weltweit Schlagzeilen gemacht.

Nach seiner Auslieferung aus Italien ist ein mutmaßlicher Drahtzieher der Nord-Stream-Anschläge in Deutschland in Untersuchungshaft gekommen. Ein Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs eröffnete dem Ukrainer Serhij K. in Karlsruhe den Haftbefehl und setzte diesen in Vollzug, wie eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft bestätigte.

Der Beschuldigte soll in eine Justizvollzugsanstalt nach Hamburg kommen, wie eine Sprecherin der verteidigenden Kanzlei mitteilte. Die Bundesanwaltschaft äußerte sich dazu nicht.

Hamburger Gericht prüft wahrscheinlich Anklage

In den kommenden Wochen wird der Generalbundesanwalt eine Anklage vorbereiten und wahrscheinlich beim Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg einreichen. Dieses prüft dann die Zulassung der Anklage und die Eröffnung des Hauptverfahrens. Zu rechnen ist allerdings damit, dass die Verteidigung einen Prozess verhindern will – mit der Begründung, dass K. die Tat bestreitet und er als Soldat ohnehin nicht persönlich zu belangen wäre.

Die Anschläge auf das frühere deutsch-russische Prestigeprojekt hatten im Herbst 2022 weltweit Schlagzeilen gemacht. Mehrere Sprengungen in der Nähe der dänischen Ostseeinsel Bornholm beschädigten die beiden Pipelines so sehr, dass kein Gas mehr durchgeleitet werden konnte. Durch Nord Stream 1 floss zuvor russisches Erdgas nach Deutschland. Nord Stream 2 war infolge des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine noch nicht in Betrieb.

Rechtsstreit um die Auslieferung

Für die Anschläge wurde bislang niemand zur Rechenschaft gezogen. Ende August konnte der mutmaßliche Drahtzieher an der Adria-Küste im Urlaub mit seiner Familie gefasst werden. Über Monate wehrte Serhij K. sich gegen seine Auslieferung an Deutschland. Zwischenzeitlich war er im Hungerstreik, weil er sich schlecht behandelt fühlte.

Vergangene Woche hatte das oberste Gericht in Italien dann grünes Licht für die Auslieferung gegeben. Am Donnerstag war der Ukrainer an die deutschen Behörden übergeben und mit dem Hubschrauber nach Karlsruhe gebracht worden.

Die Bundesanwaltschaft wirft Serhij K. unter anderem das gemeinschaftliche Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion und verfassungsfeindliche Sabotage vor. Er soll zu der Gruppe gehören, die im September 2022 Sprengsätze an den Gaspipelines platzierte. K. ist in dem Komplex bislang der einzige Tatverdächtige, der in Haft sitzt. 

Mit Informationen von Holger Schmidt, SWR

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