Monopolkommission kritisiert Marktmacht im Lebensmittelhandel

Monopolkommission kritisiert Marktmacht im Lebensmittelhandel

Eine Frau kauft in einem Supermarkt ein.

Stand: 21.11.2025 12:52 Uhr

Die Monopolkommission kritisiert die gestiegene Marktkonzentration im Lebensmitteleinzelhandel. Vor allem die großen Supermarktketten hätten zuletzt von gestiegenen Preisen profitiert – zu Lasten der Bauern und der Verbraucher.

Die Monopolkommission sieht deutliche Hinweise für zu wenig Wettbewerb im Lebensmitteleinzelhandel. Die Marktkonzentration der sogenannten großen Vier Edeka, Rewe, Aldi und der Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland habe in den letzten zwei Jahrzehnten durch zahlreiche Fusionen stark zugenommen. Rund 85 Prozent des deutschen Lebensmitteleinzelhandels werden mittlerweile von den großen Vier kontrolliert.

Die Folge sind gestiegene Gewinnmargen für die Supermarktketten, während die Landwirte von den höheren Lebensmittelpreisen kaum profitieren würden. Somit bauten die Supermarktketten ihre Stellung gegenüber den Produzenten von Lebensmitteln aus, heißt es in einem Sondergutachten der Monopolkommission, das heute vorgestellt wurde. “Die Macht des Lebensmitteleinzelhandels und teilweise der Hersteller ist zulasten der Verbraucherinnen und Verbraucher deutlich gestiegen, während die Landwirtschaft oft den Weltmarktrisiken ausgesetzt ist”, bilanzierte Tomaso Duso, Vorsitzender der Monopolkommission.

“Konsequentere Durchsetzung bestehender Regeln”

“Die hohe Konzentration in vielen Bereichen ist aus wettbewerblicher Sicht besorgniserregend”, bilanzieren die Experten: “Der verbleibende Wettbewerb in den Lieferketten muss daher dringend geschützt werden.” Damit sieht die Kommission auch das Bundeskartellamt am Zug: “Die Fusionskontrolle sollte die gesamte Lieferkette in den Blick nehmen.”

“Zusammenschlüsse, die den Wettbewerb über die gesamte Lieferkette hinweg geschädigt haben, konnten bisher nicht hinreichend verhindert werden”, kritisierten die Experten. So habe etwa die Übernahme von Kaiser’s Tengelmann durch Edeka 2016, die vom damaligen Bundeswirtschaftsminister genehmigt wurde, den Wettbewerb im Lebensmitteleinzelhandel erheblich geschädigt. Auch profitierten Bauern langfristig kaum von anziehenden Lebensmittelpreisen. “Wir brauchen eine konsequentere Durchsetzung bestehender Regeln”, forderte Duso.

Dem widerspricht der Branchenverband HDE in einer Stellungnahme. Laut seiner Einschätzung gebe es ausreichend Konkurrenz unter den großen Handelsketten. “Der Wettbewerb im Lebensmittelhandel funktioniert”, sagte HDE-Vizepräsident Björn Fromm und reagierte damit auf die Aussagen der Monopolkommission.

Höhere Preissteigerungen als in anderen EU-Ländern

Zugleich kommt die Monopolkommission in ihrer Untersuchung auch zu dem Ergebnis, dass die Preise für Kunden in Deutschland im Vergleich zu anderen EU-Ländern deutlich gestiegen seien. Laut Statistischem Bundesamt kosteten Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke im Oktober in Deutschland 37 Prozent mehr als 2020. Die Gewinnmargen von Händlern und Herstellern stiegen seit über zehn Jahren, kritisiert Duso – anders als in anderen EU-Ländern. Ein Hinweis darauf, dass die Marktmacht der Händler auch zum Nachteil für die Kunden ist.

Die frühere Bundesregierung aus SPD, Grünen und FDP hatte im Zuge der Bauernproteste 2024 die Monopolkommission mit der Untersuchung beauftragt. Die Monopolkommission ist ein unabhängiges Beratungsgremium zu Wettbewerbsfragen, das Gutachten für die Bundesregierung erstellt. Das fünfköpfige Gremium kann nur Empfehlungen aussprechen – anders als das Bundeskartellamt, das für die Missbrauchsaufsicht zuständig ist und Fusionen auch untersagen kann.

Mit Informationen von Martin Polansky, ARD-Hauptstadtstudio.

Comments

No comments yet. Why don’t you start the discussion?

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *