Mit Designer-Zellen gegen Krebs bei Kindern

Mit Designer-Zellen gegen Krebs bei Kindern

Drei junge Patienten spielen in einer Tagesklinik für Krebspatienten.

Stand: 15.02.2026 08:26 Uhr

Krebsmedikamente für Erwachsene helfen bei Kindern nicht immer. Deshalb wird intensiv nach Alternativen gesucht. Zelltherapien sollen für Kinder angepasst werden – mit ersten Erfolgen

Etwa 2.000 neue Fälle jedes Jahr in Deutschland: Krebs bei Kindern ist zwar selten. Trotzdem ist es hier die zweithäufigste Todesursache bei Kindern und Jugendlichen. Die meisten Fälle können mittlerweile gut behandelt werden. Doch vor allem, wenn der Krebs nach einer Behandlung wiederkehrt, wird es schwierig.

Dabei ist nicht nur die Erkrankung selbst belastend für betroffene Kinder und ihre Familien. “Bei Kindern muss man häufig auf recht ungezielte Therapien zurückgreifen, zum Beispiel auf Chemotherapien”, erklärt Franziska Blaeschke, Nachwuchsgruppenleiterin am Hopp Kindertumorzentrum in Heidelberg und am Deutschen Krebsforschungszentrum. Doch Chemotherapien zum Beispiel greifen nicht nur den Tumor an.

“Viele dieser Methoden haben Langzeitfolgen”, so Blaeschke. Deswegen sei es gerade bei den Kindern unheimlich wichtig, dass man zielgerichtetere Therapien finde. “Das bedeutet, dass wir Therapien finden, die ganz gezielt den Tumor angreifen und das restliche Gewebe drumherum in Ruhe lassen und nicht schädigen.”

Neue Erwachsenen-Therapien helfen nicht immer bei Kindern

Das Problem: Tumore von Kindern sehen anders aus als Tumore von Erwachsenen. Zum Beispiel sind sie normalen Körperzellen viel ähnlicher als die Krebszellen von Erwachsenen, die häufig deutlich mehr Mutationen im Erbgut aufweisen.

Entsprechend kann man nicht die gleichen Behandlungsmethoden verwenden wie bei Erwachsenen. Doch konnte man in den vergangenen Jahren die Behandlungsoptionen deutlich erweitern, beispielsweise mit den sogenannten Checkpoint-Inhibitoren. Für deren Grundlagen gab es 2018 den Nobelpreis für Medizin. Bei dieser Therapie wird dem Immunsystem quasi die Bremse ausgebaut – es wird angeregt und greift den Tumor an.

“Bei Erwachsenen funktioniert das sehr gut, bei Kindern aber nur in Einzelfällen”, sagt Christian Seitz, ärztlicher Leiter der Zell- und Gentherapie am KITZ und dem Uniklinikum Heidelberg. “Das Immunsystem erkennt von sich aus den Tumor nicht. Deswegen muss man das Immunsystem manipulieren, muss es trainieren, um Tumore zu erkennen.”

Große Herausforderung: Solide Tumore

Das gehe zum Beispiel mit genetisch veränderten Immunzellen. Bei einigen Blutkrebsarten werden auch Kinder bereits erfolgreich mit ihren eigenen Immunzellen behandelt, so die Krebsforscherin Blaeschke. “Dabei ist der Trick, dass wir Immunzellen gentechnisch so verändern, dass sie Krebszellen erkennen können.”

Blutkrebs ist für die neu designten Immunzellen relativ leicht zu finden. Eine deutlich größere Herausforderung sind sogenannte solide Tumore. Weltweit forschen viele Arbeitsgruppen daran, wie man Immunzellen dazu bringen kann, diese zu zerstören. Denn während bei Blutkrebs die einzelnen Krebszellen im Blut herumschwirren, tun sich solide Tumore zusammen, bilden sichtbare Strukturen, zum Beispiel im Gehirn, in der Niere oder in der Lunge.

Immunzellen der Kinder sollen aufgerüstet werden

Aber nicht jede Zelle, die Teil eines soliden Tumors ist, sieht genau gleich aus. Zum Teil unterscheiden sie sich durch Strukturen auf ihrer Oberfläche. Das macht es schwierig, die Immunzellen auf ein Tumor-Erkennungszeichen zu programmieren. Es ist möglich, dass die Zelltherapie zwar einen Teil der Krebszellen abtöten kann, aber einen anderen Teil übrig lässt.

Und: Die Zellen in einem soliden Tumor wehren sich, so die Kinderärztin Blaeschke aus Heidelberg. “Solide Tumore bilden so eine Art Mikroumgebung aus, die wirklich schädlich ist für Immunzellen, und das führt dazu, dass Immunzellen, die versuchen, in so einen Tumor einzuwandern, oft direkt gehemmt werden.” Das könne dazu führen, dass Zellen in eine Art Erschöpfungszustand gerieten.

Im Kinder-Tumorzentrum in Heidelberg erforscht Franziska Blaeschke mit ihrem Team daher, wie man solche Zelltherapien verbessern kann. Dafür nutzen sie Informationen aus Patientenproben, die an das Zentrum geschickt werden. Und sie rüsten die Zellen mit neuen Eigenschaften aus, damit sie ausdauernder werden und besser in den Tumor eindringen können. Dabei arbeiten sie mit Hochdurchsatzverfahren. “Da sind der Fantasie eigentlich keine Grenzen gesetzt und man kann da unheimlich viel gleichzeitig testen.”

Erste Erfolge machen Mut

Und es gibt erste Erfolge: Ein Jugendlicher, dessen Nierentumor immer wieder kam, wurde in Heidelberg bereits mit einer Zelltherapie behandelt – mit bisher sehr positiven Ergebnissen.

Christian Seitz vom Hopp Kindertumorzentrum und dem Uniklinkum Heidelberg war selbst positiv überrascht, wie gut das funktioniert hat. “Wir streben jetzt den nächsten Schritt an: Diese Therapie soll im Rahmen von klinischen Studien auch anderen Kindern angeboten werden, um zu testen, ob das jetzt der positive Einzelfall war oder ob wir diese vielversprechenden Ergebnisse bei weiteren Kindern reproduzieren können.”

Damit könnten die Forschenden ihrem Ziel ein Stück näherkommen: Dass die kleinen Patienten ein normales Leben führen können. Trotz Krebs und trotz Krebsbehandlung.

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