Mehr Aufträge: Wird der Bau jetzt zum “Wachstumsmotor”?

Mehr Aufträge: Wird der Bau jetzt zum “Wachstumsmotor”?

Arbeiter auf einem Neubau-Dach mit Blick auf eine städtische Umgebung.

Stand: 23.01.2026 14:32 Uhr

Die Unternehmen im Bauhauptgewerbe haben im November ein deutliches Auftragsplus verzeichnet. Ökonomen sehen das als positives Zeichen – auch für die deutsche Konjunktur.

In der deutschen Baubranche mehren sich die Hinweise auf ein Ende der jahrelangen Krise. Der reale Auftragseingang im Bauhauptgewerbe kletterte im Vergleich zum Oktober kalender- und saisonbereinigt um 8,5 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das ist bereits der vierte inflationsbereinigte Zuwachs binnen fünf Monaten.

Hochbau mit besonders großem Plus

Im weniger schwankenden Dreimonatsvergleich lag der kalender- und saisonbereinigte Auftragseingang von September bis November 2025 um 3,8 Prozent höher als in den drei Monaten zuvor. Gegenüber dem Vorjahresmonat November 2024 nahmen die Aufträge um 4,1 Prozent zu.

Das Neugeschäft im Tiefbau, wozu der staatlich dominierte und oftmals auch von Großaufträgen geprägte Straßenbau zählt, nahm im November inflationsbereinigt um 10,1 Prozent zu. Im Hochbau – der vor allem durch den Wohnungsbau geprägt und überwiegend von der privaten Nachfrage abhängig ist – wuchs der Auftragseingang um 7,2 Prozent.

Bauindustrie spricht von einem “Lichtblick”

“Bei den Aufträgen profitiert die Branche von diversen Großprojekten, die auch dem öffentlichen Bau zu einem Auftragsplus verholfen haben”, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes HDB, Tim-Oliver Müller.

Der HDB rechnet für 2026 mit einem Umsatzplus der Unternehmen im Bauhauptgewerbe von real 2,5 Prozent. “Dies ist ein Lichtblick nach langer Talfahrt”, sagte Hauptgeschäftsführer Müller. Die Zahl der Beschäftigten im Bauhauptgewerbe stieg zuletzt um 1,3 Prozent.

Ökonom sieht Bauwirtschaft auf Erholungskurs

Der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung, Sebastian Dullien, sprach von einem “weiteren Indiz dafür, dass sich die Bauwirtschaft von der Krise der vergangenen fünf Jahre erholt”. Zwar folge das dicke Plus im Monatsvergleich auf ein Minus im Oktober, allerdings sei der Trend klar nach oben gerichtet.

Der Bau werde in diesem Jahr “eine wichtige Rolle dafür spielen, dass sich die deutsche Wirtschaft aus der Rezession herausarbeitet”, fuhr Dullien fort. “Dabei wird die Bautätigkeit zum einen von steigenden öffentlichen Aufträgen angeschoben, aber auch der Wohnungsbau erholt sich zunehmend.”

Der Bau könne “sogar zum Wachstumsmotor werden” – nicht zuletzt wegen der Investitionsoffensive der Bundesregierung. Das IMK prognostiziert für 2026 ein Plus bei den Bauinvestitionen von 2,5 Prozent, während das Bruttoinlandsprodukt insgesamt um 1,2 Prozent zulegen dürfte.

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