marktbericht
Kommt es erneut zu einem Zollstreit mit den USA? Die Unsicherheit drückt auf die Stimmung der Anleger, auch die Sorge vor einer Eskalation im Nahen Osten belastet. Aber noch scheint die Marke von 25.000 Punkten zu halten.
Die deutschen Aktienanleger reagieren zum Wochenstart angespannt auf die neueste Zolldrohung des US-Präsidenten Donald Trump. Der Broker IG taxiert den deutschen Leitindex vor dem regulären Xetra-Auftakt rund 0,8 Prozent tiefer auf 25.057 Punkte.
Am vergangenen Freitag war der DAX mit einem Aufschlag von 0,9 Prozent auf 25.260 Punkten aus dem Handel gegangen. Die Anleger nahmen die Entscheidung des Obersten US-Gerichtshofs gegen die globalen Zölle der US-Regierung freundlich auf.
Das Oberste Gericht der Vereinigten Staaten hatte entschieden, dass Trump seine Befugnisse überschritten habe, als er sich auf ein Notstandsgesetz berief, um umfangreiche Zölle gegen Dutzende Handelspartner zu verhängen.
Das Urteil entziehe den “reziproken Zöllen”, mit denen die US-Regierung bis dato rund 130 Milliarden Dollar eingenommen haben dürfte, ihre rechtliche Grundlage, kommentiert Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank. “In unteren Instanzen wird zu klären sein, ob und in welchem Maße diese Zolleinnahmen an US-Importeure zurückzuzahlen sind”, erklärt der Fachmann.
Der potenzielle neue Zollstreit verlängert die ohnehin lange Liste von Belastungen für den Finanzmarkt. Neben den Zöllen dominiert die Angst vor einer militärischen Auseinandersetzung zwischen den USA und dem Iran. Nach Einschätzungen von Experten ist die Stimmung an den Börsen von der Eskalationsgefahr in Nahost eingetrübt. Es wird erwartet, dass der DAX die Konsolidierung und das Pendeln um die Marke von 25.000 Punkten fortsetzen wird.
“Die Aktienmärkte bewegen sich derzeit seitwärts im Bereich ihrer Allzeithochs. Aufgrund der Drohung von Militärschlägen der USA gegen den Iran dürfte sich die Konsolidierung zunächst fortsetzen, denn der steigende Ölpreis wird zunehmend zu einem Belastungsfaktor”, heißt es etwa von den Marktexperten der Commerzbank.
Bei den Konjunkturdaten werden die Investoren in dieser Woche vor allem auf den heutigen ifo-Geschäftsklimaindex achten. Am Freitag stehen die Verbraucherpreise für den Monat Februar an, die insbesondere mit Blick auf die Geldpolitik der EZB von Bedeutung sind. Am Mittwoch könnten das GfK-Geschäftsklima und Daten zum deutschen Wirtschaftswachstum das Interesse wecken. Aus den USA sollten die Zahlen zum Verbrauchervertrauen am Dienstag im Anlegerfokus stehen.
Bei den Einzelunternehmen wird am Mittwoch die Bilanz des US-Technologiekonzerns Nvidia erwartet. Bei KI-Werten wachsen die Zweifel, ob die massiven Investitionen in Künstliche Intelligenz tatsächlich zu den erhofften Umsatz- und Gewinnsteigerungen führen. Sollten die Zahlen also enttäuschen, könnte das den Gesamtmarkt belasten.
Während die Börse in Japan wegen eines Feiertags geschlossen blieb, legte der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans um 0,8 Prozent zu. Die Börse in Südkorea und der Leitindex in Taiwan setzten ihre Rekordjagd mit einem Plus von jeweils 1,2 Prozent fort. Die Märkte in Shanghai und Shenzhen blieben ebenfalls geschlossen.
Auch in Asien herrscht Experten zufolge ein gewisse Nervosität: “Die Zolllandschaft ist jetzt unsicherer als zuvor, und Unsicherheit ist für keine Wirtschaft oder keinen Markt eine gute Nachricht”, sagte Rodrigo Catril, Devisenstratege bei der NAB. China kündigte unterdessen eine “vollständige Bewertung” der Lage an und forderte Washington auf, die “einseitigen Zollmaßnahmen” aufzuheben.
