Marktbericht: Reiselust beschert Lufthansa Rekordjahr

Marktbericht: Reiselust beschert Lufthansa Rekordjahr

Airbus A380-800 der Lufthansa beim Start.


marktbericht

Stand: 06.03.2026 • 14:11 Uhr

Der Lufthansa-Konzern hat im vergangenen Jahr so viel Geld eingenommen wie noch nie. Doch an der Börse hielt die Begeisterung über die Rekordzahlen in der Bilanz nur kurz, denn der Iran-Krieg verunsichert.

Mehr Passagiere, ein stabilerer Flugbetrieb und niedrigere Treibstoffkosten sorgten für ein Rekordjahr bei der Lufthansa. Der Konzern verbuchte im vergangenen Jahr einen Umsatzanstieg von fünf Prozent auf rund 39,6 Milliarden Euro. Es sei “das umsatzstärkste Jahr ihrer Unternehmensgeschichte”, erklärte die Lufthansa.

Auch das bereinigte Betriebsergebnis legte deutlich zu, um 19 Prozent auf 1,96 Milliarden Euro. Die Dividende für das abgelaufene Jahr soll mit 33 Cent je Anteilsschein etwas höher ausfallen als im Vorjahr.

“Unser Ergebnis zeigt die Resilienz und Stabilität der Gruppe”, erklärte Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Die verschiedenen Airlines im Konzern – darunter Swiss, Austrian Airlines, Brussels Airlines und ITA Airways – entwickelten sich robust und konnten Schwächen einzelner Strecken oder Märkte ausgleichen. Sie zählten im vergangenen Jahr 135 Millionen Fluggäste und meldeten damit ein Plus von drei Prozent gegenüber 2024.

Buchungen in die USA brechen ein

Unterm Strich verdiente die Lufthansa allerdings etwas weniger. Der Nettogewinn ging um drei Prozent auf 1,34 Milliarden zurück. Im dritten Quartal belasteten eine schwächere Nachfrage und niedrigere Preise auf den eigentlich lukrativen Transatlantikstrecken. Nach dem jüngsten Buchungsstand liegen die Buchungen von USA-Reisen aus Deutschland 30 Prozent unter Vorjahr, weil die politische Entwicklung und verschärfte Einreisekontrollen abschrecken.

Profitieren konnte der Lufthansa-Konzern im vergangenen Jahr von weniger Ausfällen und Verspätungen von Flügen – etwa durch weniger betriebliche Probleme und Streiks. Das sorgte auch für geringere Kosten bei Fluggastentschädigungen, sie sanken 2025 um 40 Prozent auf rund 480 Millionen Euro. Auch niedrigere Treibstoffkosten verbesserten die Ertragslage um eine halbe Milliarde.

Sparprogramm läuft weiter

Verbessern konnte sich auch die eigentlich schwächelnde Kernmarke Lufthansa Airlines. Sie erzielte, nach Verlust im Vorjahr, 2025 nun eine Rendite von knapp einem Prozent. Bei der Marke mit dem Kranich begann sich die Erneuerung der Flotte und die Modernisierung der Innenausstattung mit komfortableren Sitzplätzen des Allegris-Programms auszuzahlen.

Dies geht auch in diesem Jahr weiter: Sie erhält in diesem Jahr mehr neue und sparsamere Langstreckenjets. Zusatzleistungen wie das Buchen bestimmter Sitze und Extraservice steigerten 2025 zudem den Erlös.

Zu dem Gewinnanstieg soll das laufende Sparprogramm bei der Kernmarke Lufthansa Airlines beitragen. Seit Ende 2024 läuft zudem das Sanierungsprogramm “Turnaround”, mit dem das Ergebnis bis 2028 um 2,5 Milliarden Euro brutto verbessert werden soll. “Das Turnaround-Programm von Lufthansa Airlines hat weiterhin höchste Priorität”, sagte Spohr. Der Stückkostenanstieg des Konzerns soll in diesem Jahr weiter gedrückt werden auf ein Prozent von zuletzt zwei Prozent.

Iran-Krieg verunsichert

Mit Blick auf das laufende Jahr rechnet der Konzern mit einer weiteren “Umsatz- und deutlichen Ergebnissteigerung”. Gleichzeitig verweist der Konzern auf die Unsicherheit durch die Lage in Nahost: “Durch die Entwicklungen im Mittleren Osten mit den verbundenen geopolitischen Folgen für die Weltwirtschaft steigt die mittel- und langfristige Prognoseunsicherheit”, warnt das Unternehmen. Der Krieg führt zu Flugausfällen und steigenden Treibstoffkosten und könnte denn auch die Prognose der Lufthansa-Gruppe ins Wanken bringen.

“Die massive Bündelung globaler Verkehrsströme über die Golf-Drehkreuze erweist sich zunehmend als geopolitische Achillesferse”, erklärte Lufthansa-Vorstandsvorsitzender Carsten Spohr. Die Lufthansa hat gegen die Konkurrenten vom Golf – Emirates, Etihad und Qatar Airways – in den vergangenen Jahren Marktanteile vor allem bei Asien-Flügen verloren.

Denn der Krieg sorgt für Unsicherheit durch Flugausfälle und hohe Treibstoffkosten. die Ölpreise steigen immer weiter – allein heute um gut ein Prozent – und das lässt eben auch die Kerosin-Kosten weiter steigen. Deshalb warnt die Lufthansa: Die Entwicklungen in der Region könnten ihre Prognosen ins Wanken bringen.

Anleger zeigen sich unentschlossen

Die Jahreszahlen und der Ausblick der Lufthansa kamen bei den zuletzt leidgeplagten Anlegerinnen und Anlegern zunächst gut an. Die Aktien legten im frühen Handel sogar drei Prozent zu. Doch zur Mittagszeit fiel der Kurs zurück – und tauchte sogar ins Minus. Der Krieg mit seinen Auswirkungen auf die Treibstoffpreise und den Reiseverkehr drückte den Kurs auf acht Euro – und damit auf ein Tief seit Mitte Dezember.

Die Lufthansa-Aktie kämpft seit dem Abstieg in den MDAX vor sechs Jahren um jedes Plus. Im vorigen Jahr hatte sie zwar einen Kursgewinn von rund 17 Prozent erreicht, was durchaus Hoffnungen auf eine Rückkehr in den DAX geschürt hatte. Doch daraus wird erst einmal nichts – was an den heftigen Kursrückschlägen in diesem Jahr liegt. Diese standen zunächst im Zusammenhang mit dem Pilotenstreik, und seit dieser Woche auch in Zusammenhang mit Beginn des Iran-Krieges.

Alex Irving von Bernstein Research sagte, übertroffene Erwartungen im vierten Quartal seien von “niedriger Qualität”, da vor allem in Randbereichen erzielt und von Konsolidierungseffekten beeinflusst. Bezüglich des Ausblicks stellt der Experte infrage, ob dieser die Auswirkungen des Iran-Krieges berücksichtige. Dagegen lobte Branchenexperte Ruairi Cullinane von der kanadischen RBC, die Fluggesellschaft habe im vierten Quartal die Erwartungen übertroffen. Außerdem plane das Unternehmen 2026 mit einer weiteren deutlichen Gewinnsteigerung, was vor dem Hintergrund der jüngsten Kursverluste positiv sei.

DAX dreht ins Minus

Am Gesamtmarkt kann der DAX seine anfänglichen Gewinne nicht halten und verliert 0,2 Prozent auf 23.760 Punkte. In den Handel war er bis zu 0,9 Prozent fester gestartet. “Die Stimmung auf dem Börsenparkett wechselt aktuell schnell”, sagte Thomas Altmann von QC Partners. “Jede Nachricht kann die Stimmung innerhalb von Sekunden in die eine oder andere Richtung drehen.”

Die zunächst fallenden Ölpreise hatten den deutschen Leitindex gestützt. Das Nordseeöl Brent und das Nordseeöl WTI nahmen ihren Aufwärtstrend der vergangenen Tage jedoch wieder auf. Brent und WTI notieren am Vormittag 1,1 und 2,4 Prozent fester bei 86,39 beziehungsweise 83,37 Dollar je Fass. Laut Bloomberg News schließt die Trump-Regierung vorerst den Einsatz des Finanzministeriums für den Handel mit Öl-Futures aus. Berichte über eine mögliche Intervention der USA am Terminmarkt hatten zuvor die Runde gemacht. Dies hatte unter anderem den Ölpreis gedrückt.

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