Marktbericht: Keine Euphorie nach Trumps Zoll-Rückzieher

Marktbericht: Keine Euphorie nach Trumps Zoll-Rückzieher

Börsenhändler an der Frankfurter Börse.


marktbericht

Stand: 23.01.2026 10:40 Uhr

Während der DAX zum Wochenschluss kaum von der Stelle kommt, kratzt der Goldpreis an der Marke von 5.000 Dollar. Die gestrige Erleichterung nach Trumps Zoll-Rückzieher ist heute wieder verflogen.

Zum Wochenschluss pendelt der DAX um sein Vortagesniveau, aktuell tritt der deutsche Leitindex bei 24.854 Punkten praktisch auf der Stelle. Gestern war der DAX noch mit einem Plus von 1,2 Prozent bei 24.856 Punkten aus dem Handel gegangen. US-Präsident Donald Trump hatte bezüglich seiner Zoll-Drohung im Streit um Grönland einen Rückzieher gemacht.

“Für einen Anstieg über 24.900 Punkte wollen die Anleger jetzt die Rückversicherung der Unternehmen haben, dass ihre starken Gewinnerwartungen für 2026 realistisch sind”, erläutert Jochen Stanzl, Marktexperte bei der Consorsbank. “Die nachlassende Grönland-Angst eröffnet Anlegern dabei die Möglichkeit, sich stärker der anstehenden Berichtssaison zu widmen.”

Neben den Quartalsberichten rückte heute auch die Hoffnung auf Fortschritte in den Friedensgesprächen zwischen Russland und der Ukraine. “Ein möglicher Durchbruch auf dem Weg zum Frieden wäre für die europäischen Märkte der ultimative Wachstumstreiber und könnte den DAX schnell wieder über die 25.000er-Marke hieven”, prognostizierte Frank Sohlleder vom Broker ActivTrades.

Von Konjunkturseite gibt es heute erfreuliche Nachrichten: Der deutsche Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft, also Industrie und Dienstleister zusammen, stieg im Januar um 1,2 auf 52,5 Punkte, wie der Finanzdienstleister S&P Global zu seiner monatlichen Unternehmensumfrage mitteilte. Damit blieb das an den Finanzmärkten stark beachtete Barometer über der Marke von 50, ab der es Wachstum signalisiert.

“Insgesamt ist das ein guter Start ins neue Jahr”, sagte Chefvolkswirt Cyrus de la Rubia von der Hamburg Commercial Bank, die die Umfrage sponsert. “Dennoch bleibt die Erholung eher fragil.”

Im Fokus der Investoren am Aktienmarkt steht heute BASF. Der weltgrößte Chemiekonzern hat im vergangenen Jahr netto rund 1,6 Milliarden Euro verdient. Im Vorjahr waren es noch 1,3 Milliarden. Der Umsatz sank 2025 von 61,4 Milliarden Euro im Vorjahr auf 59,7 Milliarden Euro. Während die Mengen leicht gestiegen seien, hätten negative Währungseffekte und leicht rückläufige Verkaufspreise die Erlösentwicklung belastet, hieß es.

Die deutsche Chemieindustrie steht unter Druck. Sie bekommt die weltweit schwache Nachfrage deutlich zu spüren. Auch die hohen Energiepreise machen der Branche zu schaffen. Der Branchenverband VCI warnte unlängst gar vor einem Kollaps der deutschen Chemieindustrie.

Die Rally am Aktienmarkt ist unterbrochen, die Preise für Edelmetalle steigen dagegen weiter. In den vergangenen 12 Monaten kletterte der Goldpreis von etwas mehr als 2.700 Dollar auf jetzt beinahe 5.000 Dollar je Feinunze.

Was sind die Gründe für diesen Anstieg? Zum einen sind es die geopolitischen Krisen: Besonders Gold wird in unsicheren Zeiten als sicherer Hafen betrachtet. Zum anderen führen die Preissteigerungen dazu, dass viele Investoren kaufen – steigende Kurse als Argument für steigende Kurse. Timo Emden vom Analysehaus Emden Research, erklärt: “Viele Anleger dürften derzeit nicht aus Überzeugung einsteigen, sondern aus Sorge, etwas zu verpassen.”

Aber Experten verweisen noch auf einen weiteren Grund: Das Vertrauen in die USA und deren Vermögenswerte sei erschüttert und das treibe das Kapital in Edelmetalle, sagt Kyle Rodda, leitender Marktanalyst bei Capital.com. Die unberechenbare ?US-Außen- und Handelspolitik wie auch die mögliche Aushöhlung der Unabhängigkeit der US-Notenbank Fed durch US-Präsident Donald Trump haben viele Investoren in den vergangenen Monaten verunsichert.

Der Chipkonzern Intel hatte gestern nach US-Börsenschluss seine Quartalsbilanz vorgestellt. Die Erlöse sanken um vier Prozent auf 13,7 Milliarden Dollar. Unter dem Strich gab es einen Verlust von 591 Millionen Dollar nach roten Zahlen von 126 Millionen Dollar im Vorjahresquartal.

Intel kann derzeit wegen Lieferengpässen bei Rohstoffen die wachsende Nachfrage nach Server-Prozessoren nicht bedienen. Deshalb fiel die Prognose für das laufende Quartal für die Anleger enttäuschend aus.

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