Marktbericht: Inflation im Euroraum überraschend gestiegen

Marktbericht: Inflation im Euroraum überraschend gestiegen

Kunden in einem Supermarkt in Poitiers, Frankreich.


marktbericht

Stand: 03.03.2026 • 13:18 Uhr

Die Inflation im Euroraum hat bereits vor dem am Samstag ausgebrochenen Nahost-Krieges überraschend angezogen. Anleger blicken heute aber vor allem auf die Energiemärkte – und es herrscht große Verunsicherung.

Plus 1,9 Prozent und damit unter dem erklärten Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) lag die jährliche Inflationsrate im Euroraum im Februar dieses Jahres. Das geht aus aktuellen Zahlen des Statistischen Amtes der Europäischen Union hervor, die heute veröffentlicht wurden. Noch im Januar 2026 hatte die Teuerungsrate bei 1,7 Prozent gelegen. Eigentlich streben die Währungshüter eine Inflationsrate von 2,0 Prozent an.

Damit ist die Inflation in der Eurozone bereits vor dem am Wochenende ausgebrochen Nahost-Krieg überraschend gestiegen. Expertinnen und Experten hatten für Februar mit einer Stabilisierung auf dem Vormonatsniveau von 1,7 Prozent gerechnet.

Die höchsten Inflationsraten verzeichneten den Angaben zufolge die Slowakei (4,0 Prozent), Kroatien (3,9 Prozent) sowie Estland und Litauen (beide 3,2 Prozent). Am niedrigsten fiel der Preisanstieg in Zypern (0,9 Prozent), Frankreich (1,1 Prozent) und Belgien (1,4 Prozent) aus. Für Deutschland gab Eurostat die Inflation mit 2,0 Prozent an.

Dienstleistungen teurer, Energie billiger

Besonders Dienstleistungen verteuerten sich im Februar im Euroraum erneut, um 3,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch Lebensmittel , Alkohol und Tabak wurden teurer. Energie hingegen wurde mit einem Minus von 3,2 Prozent erneut billiger – allerdings sanken die Energiepreise bereits im Februar weniger stark als noch im Januar, als sie um 4,0 Prozent zurückgingen.

Im Fokus der Aktienmärkte stehen aber auch heute vor allem die Entwicklungen im Iran-Krieg. Vor diesem Hintergrund treten die Verbraucherpreisdaten aus der Eurozone für den Monat Februar eher in den Hintergrund.

Erdgas mehr als 30 Prozent teurer

Insbesondere die aktuellen Entwicklungen an den Energiemärkten beschäftigt heute die Anlegerinnen und Anleger. Denn die deutlich gestiegenen Gaspreise schüren neue Inflationssorgen. Der Gaspreis legte um mehr als 30 Prozent zu und lag bei fast 60 Euro pro Megawattstunde. Das war der höchste Stand seit Februar 2023. Grund ist unter anderem der seit Montag andauernde Lieferstopp von Flüssiggas aus dem wichtigen Förderland Katar.

“Obwohl Europa weniger direkt von den LNG-Exporten aus Katar abhängig ist als China und andere asiatische Kunden”, werde der Stillstand des Verkehrs in der Straße von Hormus den weltweiten Wettbewerb um die verbleibenden LNG-Lieferungen verschärfen, erklärte Analyst Jonathan Schroer von Unicredit.

Erneuter Preisanstieg bei Öl

Und auch die Ölpreise ziehen heute weiter an. Denn der Iran hat die strategisch wichtige Straße von Hormus für geschlossen erklärt. Die Meerenge ist das Nadelöhr des internationalen Ölhandels. Rohöl der Sorte Brent verteuert sich erneut um knapp fünf Prozent auf bis zu 81,55 Dollar je Barrel.

“Insbesondere Europa hat sich durch die Energiepolitik der vergangenen Jahre ins Aus manövriert”, konstatierte Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst beim Broker CMC Markets. “Die hohe Abhängigkeit von Öl und Gas aus den USA und Ländern aus dem Nahen Osten wird mit der aktuellen Entwicklung zu einem großen Problem.”

Steigt die Inflation wieder?

“Dauert der Krieg und die faktische Schließung der Straße von Hormus nur wenige Wochen, dann wird die Inflation wegen des gestiegenen Ölpreises nur vorübergehend ein wenig zulegen”, so Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank mit Blick auf die aktuellen Inflationsdaten aus der Eurozone. Er betont aber auch: “Zöge sich der Krieg wider Erwarten aber Monate hin, so dürfte der Ölpreis in Richtung 100 Dollar steigen. Die Inflation stiege dann schätzungsweise auf mindestens drei Prozent.”

Mit einer Anhebung des Leitzinses rechnet Krämer aber auch in diesem Fall nicht. Ähnlich äußerte sich der Notenbankchef Frankreichs: “Es wäre ein Fehler, heute voreilig eine mögliche Zinsentwicklung vorherzusagen, und ich erinnere Sie daran, dass wir unsere Entscheidungen nicht allein auf Grundlage momentaner Energiepreise treffen”, sagte das französische EZB-Ratsmitglied Francois Villeroy de Galhau vor Reporterinnen und Reportern.

Die EZB entscheidet am 19. März wieder über den Leitzins. Die Zentralbank hat ihn angesichts gesunkener Inflationsgefahr von Mitte 2024 bis Mitte 2025 in mehreren Schritten auf 2,0 Prozent halbiert und seither stillgehalten. Am Geldmarkt wird auch für die Sitzung im März mit einer anhaltenden Zinspause gerechnet. Die Chance auf eine Zinserhöhung bis zum Jahresende wird auf 25 Prozent taxiert.

DAX fällt weiter

Die andauernden Kampfhandlungen im Nahen Osten haben den Abwärtsdruck an den weltweiten Börsen verstärkt. Der deutsche Leitindex DAX büßte gegen Mittag 3,7 Prozent ein und fand sich mit 23.724 Punkten auf dem tiefsten Niveau seit drei Monaten wieder.

Seit Wochenbeginn beläuft sich der Rückschlag nun auf gut 1.500 Punkte oder sechs Prozent. Damit rutschte der DAX erstmals seit November unter eine wichtige Trendlinie für die längerfristige Tendenz.

Auch für die Wall Street und die Nasdaq-Börse werden erneut stark fallende Kurse prognostiziert. Steigende Öl- und Erdgaspreise nähren Konjunktur- und Inflationsängste.

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