marktbericht
Rund 3,6 Milliarden Euro groß ist der Verlust, den Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer für das Jahr 2025 vermeldet. Das liegt vor allem an hohen Kosten durch Glyphosat-Klagen. Und auch der Iran-Krieg bleibt bestimmendes Thema an der Börse.
Der Pharma- und Agrarkonzern Bayer ist wegen milliardenschwerer Belastungen aus den Glyphosat-Rechtsstreitigkeiten in den USA tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Unter dem Strich stand im vergangenen Jahr ein Verlust von 3,62 Milliarden Euro, wie das Unternehmen heute mitteilte. 2024 hatte der Verlust noch bei 2,55 Milliarden gelegen.
Der Umsatz sank 2025 um 2,2 Prozent auf 45,6 Milliarden Euro. Währungsbereinigt, also ohne die Kursverluste des Dollars, wäre es ein Plus von 1,1 Prozent gewesen.
Hoffen auf den Obersten Gerichtshof
Der Hauptgrund für die hohen Verluste sind Sonderaufwendungen für Rechtsfälle: Die Klagewelle wegen der angeblich krebserregenden Wirkung des Unkrautvernichters Glyphosat hatte sich Bayer 2018 mit der milliardenschweren Übernahme des US-Konzerns Monsanto ins Haus geholt. Insgesamt wurde Bayer wegen möglicher Krebsrisiken mit 170.000 Klagen in den USA überzogen, von denen derzeit noch 65.000 offen sind.
Eine endgültige Klärung erhofft sich Bayer nun von einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA, die noch aussteht. Dort soll geklärt werden, ob Klagen wegen angeblich fehlender Warnhinweise nach dem Recht einzelner Bundesstaaten zulässig sind, obwohl die US-Umweltbehörde EPA Glyphosat nicht als krebserregend einstuft und entsprechende Warnhinweise auf dem Produktlabel nicht erlaubt. Ein Grundsatzurteil zugunsten des Unternehmens könnten Rechtssicherheit schaffen und die Gefahr weiterer Klagen weitgehend ausräumen.
Fast zwölf Milliarden Euro Rückstellungen
Seit Februar strebt der Konzern zudem einen Sammelvergleich an, mit dem auch die vielen tausend offenen Glyphosat-Klagen beigelegt werden sollen. Hier muss ein Gericht aber noch zustimmen, und auch genügend Klägerinenn und Kläger müssen sich für den Vergleich entscheiden, da er sonst hinfällig ist. Es bleiben also Unsicherheiten.
Angesichts des Sammelvergleich hatte Bayer im Februar die Rückstellungen um vier Milliarden Euro erhöht – wegen des Vergleichs und weiterer Rechtsstreitigkeiten liegen sie nun bei 11,8 Milliarden Euro. Dieser finanzielle Ballast zieht die Firma tiefer in die roten Zahlen.
Aktie verliert
Noch Februar waren die Anlegerinnen und Anleger euphorisch ob des Sammelvergleichs – doch diese Euphorie über eine mögliche Lösung der US-Glyphosat-Klagewelle ist längst verflogen. Seitdem die Aktien im Februar fast die 50-Euro-Marke erreicht hatten, befindet sich ihr Kurs auf einer stetigen Talfahrt.
Nachdem die Aktien am Vormittag zwischenzeitlich mehr als drei Prozent verloren hatten, fingen sie sich zur Mittagszeit wieder und standen bei rund 1,6 Prozent im Minus. Dennoch: 36,69 Euro bedeuteten im Tagestief den niedrigsten Kurs seit dem letzten Handelstag im Dezember und die seit dem Jahresbeginn erzielten Kursgewinne sind so gut wie aufgezehrt.
Für wenig Begeisterung sorgen dürfte auch, dass die Aktionäre für 2025 erneut nur die gesetzliche Mindestdividende von elf Cent je Aktie erhalten sollen. “Es gibt starke Anzeichen für Fortschritt, wir arbeiten aber noch an unserem umfassenden Turnaround”, sagte Vorstandschef Bill Anderson.
Auch Ausblick für 2026 enttäuscht
An Morgen enttäuschte der Konzern auch ein Stück weit mit seinem Ausblick auf das laufende Geschäft für 2026. Für das laufende Jahr rechnet der Konzern zwar mit einer stabilen Geschäftsentwicklung. Bereinigt um Währungseffekte – also auf Basis der monatlichen Durchschnittskurse des Jahres 2025 – sieht Bayer den Umsatz 2026 bei 45 bis 47 Milliarden Euro. Der Barmittelzufluss (Free Cash Flow) dürfte jedoch wegen Auszahlungen für Rechtsstreitigkeiten mit rund fünf Milliarden Euro stark belastet werden und mit minus 1,5 bis minus 2,5 Milliarden Euro negativ ausfallen.
Mit Blick auf das Tagesgeschäft rechnet Bayer 2026 mit einem operativen Ergebnis in der Spanne von 9,1 bis 9,6 Milliarden Euro, während die Analysten im Schnitt bisher etwas mehr erwartet hatten. Richard Vosser von JPMorgan und Charles Pitman-King von Barclays sehen daher Korrekturbedarf an den mittleren Analystenerwartungen im Größenbereich von bis zu drei Prozent. Ein großer Teil davon sei aber auf Währungseffekte zurückzuführen, erklärte Vosser.
Erster Tag mit Gewinnen?
Insgesamt sind die Anlegerinnen und Anleger heute aber wieder optimistischer: Nach zwei Tagen mit Verlusten hat sich der DAX vorerst stabilisiert und notiert zur Mittagszeit rund 1,3 Prozent im Plus bei 24.120 Punkten. Damit hat der Leitindex die psychologisch wichtige Marke von 24.000 Punkten wieder überwunden. In den vergangenen beiden Tagen hatte der Leitindex fast sechs Prozent verloren.
Die Anlegerinnen und Anleger an der Börse suchten “nach Hinweisen auf einen Weg aus dem Krieg heraus”, sagte Jochen Stanzl von der Consorsbank. Der Iran hat laut US-Präsident Donald Trump entscheidende Fähigkeiten zur Kriegsführung verloren.
Zugleich hat Trumps Plan, Schiffe durch militärischen Begleitschutz durch die Straße von Hormus zu eskortieren, den Anstieg beim Ölpreis auf rund drei Prozent reduziert. Allerdings sei es “noch unklar, ob sich dieser Plan tatsächlich umsetzen lässt”, sagte Thomas Altmann, Portfoliomanager bei QC Partners. Insgesamt könne niemand sagen, ob die Verkaufswelle nicht einen dritten Tag anhalte und den DAX in Richtung 23.000 Punkte drücke, warnte Consorsbank-Experte Stanzl.
