marktbericht
Ist die Rekordstimmung am Aktienmarkt verflogen? An der Wall Street sank der Dow Jones, auch der DAX dürfte heute schwächer starten. Die geopolitische Unsicherheit lässt sich nicht ewig ignorieren.
Der DAX dürfte heute im frühen Handel leicht zurückfallen: Der Broker IG taxierte den deutschen Leitindex vor dem Auftakt 0,4 Prozent tiefer auf 25.028 Punkte.
Gestern hatte der DAX erstmals die Marke von 25.000 Punkten geknackt. In der Spitze zog der deutsche Leitindex um 0,9 Prozent auf einen Rekordstand von 25.122 Zählern an. “Offensichtlich beginnt das Börsenjahr saisonal bedingt mit frischem Kapital und mehr als einer Prise Optimismus auf eine wirtschaftliche Erholung”, sagte Timo Emden vom Analysehaus Emden Research.
Die geopolitischen Unsicherheiten scheinen aber langsam an den Nerven der Anleger zu nagen. Neben dem USA-Venezuela-Konflikt, dessen Folgen für die Märkte unklar sind, könnte heute auch das Thema Grönland belasten. US-Präsident Donald Trump hatte einen Besitzanspruch auf die Arktisinsel angemeldet.
In den Fokus der Investoren rücken heute einige wichtige Konjunkturdaten. Anleger warten unter anderem auf Berichte zu den deutschen Industrieaufträgen und zum Arbeitsmarkt in der Eurozone im November. Außerdem werden Zahlen zum Verbrauchervertrauen im Euroraum im vergangenen Monat publiziert.
In den USA folgen am Nachmittag die wöchentlichen Daten zu den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe. Diese liefern einen Vorgeschmack auf den offiziellen Arbeitsmarktbericht der US-Regierung, der morgen veröffentlicht wird. Die Lage am US-Arbeitsmarkt ist von großer Bedeutung für die Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve. Die Fed hat den Leitzins zuletzt dreimal in Folge gesenkt. Er liegt jetzt in einer Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent.
An den US-Börsen könnte die Rekordjagd ebenfalls langsam zu Ende gehen. Zwar erreichten der Leitindex Dow Jones und der S&P 500 gestern zunächst weitere Höchstmarken, dann wurden Investoren an der Wall Street aber vorsichtiger: Der Dow Jones schloss mit einem Minus von 0,9 Prozent bei 48.996 Punkten. Der S&P 500 verlor 0,3 Prozent auf 6.920 Zähler. Der technologielastige Nasdaq zog dagegen um 0,2 Prozent auf 23.584 Stellen an.
Besonders Rüstungsfirmen hatten im neuen Jahr deutliche Kursgewinne verzeichnet, jetzt sorgte Donald Trump für einen Dämpfer. Trump kündigte an, Rüstungskonzernen die Zahlung von Dividenden und Aktienrückkäufen zu untersagen. Auch das Gehalt der Spitzenmanager soll gedeckelt werden. Trump geht die Aufrüstung der USA zu langsam. Er wirft den Unternehmen vor, nicht schnell genug ausreichend Militärausrüstung zu produzieren.
Er bezeichnete die Gehälter der Manager in der Branche als “exorbitant und ungerechtfertigt”. Die Spitzenkräfte müssten “von diesem Moment an” neue und moderne Produktionsanlagen bauen, forderte Trump. Bis dies geschehe, dürfe kein Manager mehr als fünf Millionen Dollar pro Jahr verdienen.
Auch die asiatischen Börsen haben heute schwächer tendiert. Anleger zeigten sich angesichts der sich verschärfenden geopolitischen Spannungen zurückhaltend. In Tokio gab der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 1,2 Prozent auf 51.357 Punkte nach.
Die Börse in Shanghai blieb fast unverändert. Führende US-Regierungsvertreter hatten gestern erklärt, die USA müssten die Ölverkäufe Venezuelas kontrollieren. Zuletzt war China der größte Abnehmer für venezolanisches Erdöl. Zudem belastete ein chinesisches Exportverbot für Dual-Use-Güter nach Japan die Stimmung.
“Es scheint, als ob die asiatischen Märkte nach einem starken Start ins Jahr 2026 eine Verschnaufpause einlegen”, sagte Charu Chanana, Chef-Anlagestrategin bei Saxo. “Die geopolitischen Schlagzeilen geben den Ton an.”
