Der zweite Tag im Prozess gegen den Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit: Ein mutmaßliches Vergewaltigungsopfer von Høiby sagt aus und spricht von “Schock und Verrat. Høiby selbst wird emotional, beruft sich aber auf Erinnerungslücken.
Im Prozess gegen Marius Borg Høiby, den Sohn der norwegischen Kronprinzessin, wurde am zweiten Prozesstag ein mutmaßliches Opfer von der Verteidigung befragt. Auch der Beschuldigte sagte selbst aus.
Insgesamt ist Høiby in 38 Punkten angeklagt. An diesem Prozesstag ging es um eine junge Frau, die er während einer Party im Keller der Residenz des Kronprinzen im Intimbereich berührt haben soll, während sie schlief. In Videos, die auf Høibys Handy gefunden wurden, soll die Handlung zu sehen sein.
Das mutmaßliche Opfer bezeichnet es laut der Zeitung Verdens Gang als “Verrat und Schock”, dass der Angeklagte sie missbraucht und dabei gefilmt haben soll, während sie wehrlos war.
Verteidigung stellt kritische Fragen rund um Drogen
Die Frau war 2025 von der Polizei mit dem Filmmaterial konfrontiert worden. An den Vorgang hat sie nach eigener Aussage keine Erinnerung. An dem Tag des mutmaßlichen Missbrauchs habe sie zunächst kurz mit Høiby auf der Toilette Sex gehabt, danach könne sie sich an nichts mehr erinnern, sagte sie bereits am Dienstag laut der Nachrichtenagentur NTB aus.
Am zweiten Prozesstag sagte sie laut “Verdens Gang”, dass sie so einen Blackout noch nie erlebt habe. “Vielleicht habe ich etwas eingeflößt bekommen, das ich nicht selbst zu mir genommen habe.” Die Verteidigung stellte ihr kritische Fragen, etwa rund ums Thema Drogen, berichtet ARD-Korrespondent Arne Bartram.
Angeklagter weint vor Gericht
Am Mittag sprach Høiby selbst. Seine Aussage habe er unter Tränen begonnen, so die Nachrichtenagentur dpa. Ihm falle es schwer, vor so vielen Menschen zu sprechen, sagte er demnach. Er werde von der Presse verfolgt, seit er drei Jahre alt sei. Weiter sprach er von vielen Partys, Alkoholkonsum und von Drogen.
Er erinnere sich zwar daran, einvernehmlichen Sex mit der Frau gehabt zu haben – und an einige Trinkspiele mit Freunden. An den geschilderten Vorfall aber nicht.
Kronprinzessin Mette-Marit verschiebt geplante Reise
Die Anklageschrift gegen den 29-Jährigen umfasst 38 Punkte. Unter anderem werden ihm vier Vergewaltigungen und die Misshandlung einer ehemaligen Lebensgefährtin vorgeworfen. Außerdem soll er den Intimbereich einer Reihe von Frauen ohne deren Wissen oder Zustimmung gefilmt haben, hieß es in der Anklageerhebung am ersten Prozesstag. Der Prozess soll bis Ende März dauern. Ob dann direkt ein Urteil fällt, oder erst später, ist laut ARD-Korrespondent Bartram noch unklar.
Høibys Mutter, Kronprinzessin Mette-Marit, verschob unterdessen eine geplante Auslandsreise, teilte der Palast in Oslo mit. Mette-Marit steht derzeit selbst unter Druck. Nicht nur, durch den Prozess gegen ihren Sohn, sondern auch, weil ihr Name Hunderte Male in den Akten im Skandal um den Sexualstraftäter Jeffrey Epstein autaucht.
