Mailand und Cortina: Was bleibt von den Winterspielen 2026?

Mailand und Cortina: Was bleibt von den Winterspielen 2026?

Vor einem verschneiten Felsmassiv sind die olympischen Ringe zu sehen.

Stand: 22.02.2026 • 12:20 Uhr

Wer bei diesen Winterspielen viel sehen wollte, musste einiges an Fahrerei auf sich nehmen. Die Veranstalter wollten vorhandene Sportstätten nutzen, um Olympia nachhaltiger zu gestalten. Aber ist das auch aufgegangen?

Lisa Weiß

Eines ist klar: Es waren keine Spiele der kurzen Wege. Von Mailand nach Antholz, vom Eishockey zum Biathlon: über vier Stunden Autofahrt. Dann weiter zu den Snowboardern nach Livigno: um die sechs Stunden Fahrt. Mal schnell zu anderen Wettkampfstätten, das war in vielen Fällen weder für Athletinnen und Athleten noch für die Fans drin. Auch deshalb fand schon die Eröffnungsfeier an mehreren verschiedenen Orten gleichzeitig statt, auch deshalb hatte es im Vorfeld dieser Spiele Kritik gegeben.

Unbegründet, findet Andrea Varnier, der Geschäftsführer der Stiftung Milano Cortina. Für ihn sei das Experiment erfolgreich gewesen, sagte er dem italienischen Fernsehsender Sky: “Man konnte erst nach dem Beginn der Spiele sehen, ob überall olympische Stimmung aufkam, daran hatte man ja im Vorfeld gezweifelt. Und wenn man sich die Bilder anschaut, ist klar, die Stimmung war sensationell.”

Die Wettkampfstätten der Winterspiele liegen viele Kilometer auseinander.

Viel los in Cortina, wenig in Bormio

Wobei das offenbar auch vom Wettkampfort abhing. In Livigno, beim Snowboard und beim Freestyle-Ski, feierten die Fans auf den Straßen; Athletinnen und Athleten sollen besonders in Cortina viel Spaß gehabt haben. Das Geheimnis: Dort fanden viele verschiedene Wettkämpfe statt: Alpinski der Frauen, Curling, Rodeln, Skeleton, Bob – und alle trafen sich in der Unterkunft, im Olympischen Dorf.

In Bormio dagegen gab es kein Olympisches Dorf – die Skiherren waren in Hotels untergebracht. Und hatten wegen der weiten Wege wenig Gelegenheit, über den Tellerrand zu schauen, Athletinnen und Athleten anderer Sportarten zu treffen. Selbst im Stadion kam kaum Stimmung auf, sagte Skirennläufer Linus Straßer:

Wenn ich das einfach für mich persönlich bewerte, mit dem, was ich normalerweise vorfinde, dann sind hier einfach wenig Emotionen, wenig Interaktionen mit Zuschauern, mit Fans. Und das ist doch am Schluss das, was es ausmacht. Es ist absolut steril. Also ich, ganz ehrlich, kann darauf verzichten.

Umweltschützer üben Kritik

Auf die Spiele insgesamt verzichten könnten auch viele Umweltschützer. Für sie ist die versprochene Nachhaltigkeit nur vorgeschoben: Wenig bauen, bestehende Strukturen nutzen – das sei nicht wirklich umgesetzt worden. Besonders umstritten: die teure, neu gebaute Bobbahn in Cortina. Für die Piste mussten Hunderte Bäume in einem einzigartigen Bergwald abgeholzt werden, kritisierte Luigi Casanova, Präsident der Organisation “Mountain Wilderness” schon vor den Spielen: “Anstatt Cortina zur Königin der Dolomiten zu krönen, haben wir sie zur Königin des Betons gemacht.”

Ein weiteres Problem für die Umwelt: die vielen Autofahrten wegen der weiten Wege zwischen den Wettkampforten. Es gab zwar Shuttle-Busse, aber öffentlich zu den Wettkämpfen zu kommen, war oft eine zeitaufwendige Herausforderung.

Große Investitionen ins Verkehrsnetz

Italien hat extra für Olympia ins Verkehrsnetz investiert – und auch, wenn nicht alle neu geplanten Umgehungsstraßen rechtzeitig fertig geworden sind: Für den Südtiroler Manfred Pinzger, dem Präsidenten des Tourismusverbands Confiturismo, ist die Bilanz dieser Spiele eindeutig positiv, auch auf lange Sicht gedacht.

“Es sind wirklich gute Investitionen, wenn ich nur bei uns hier in Südtirol an die Bahnverbindungen denke, Elektrifizierung der Bahn, Ausbau der Bahn, Bahnhöfe, Erreichbarkeit auch der Wintersportgebiete mit der Bahn, das sind doch tolle Investitionen, da kann man nicht schimpfen”, sagt er.

Gestiegene Übernachtungskosten

Was Pinzger auch bestätigt: Die Übernachtungskosten in Olympia-Nähe sind gestiegen. Hoteliers und Wohnungsvermieter hatten auf viele zahlungskräftige Fans gehofft – und entsprechende Preise aufgerufen. Ein Blick auf Buchungsplattformen zeigt aber: Während der Spiele war in der Nähe vieler Austragungsorte noch einiges frei, die Preise sind auch wieder gesunken – wie übrigens auch die Ticketpreise. Dazu kommen die Ausgaben für die Infrastruktur, für die Sportstätten.

Also: Haben sich diese Spiele für Italien finanziell gelohnt? Politik-Professor Lorenzo Castellani von der Luiss-Universität in Rom, sagt: Das sei mehr oder weniger ein Nullsummenspiel gewesen. “Aus wirtschaftlicher Sicht war das nicht besonders vorteilhaft, aber die Augen der Welt waren auf diese Region, auf dieses Land gerichtet”, sagt Castellani. Das stärke das politische und touristische Profil Italiens.

Wobei man auch sagen muss: An Mangel an Touristen leidet Italien schon jetzt nicht.

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