Hilfsorganisationen warnen vor einer humanitären Krise im Libanon. Schon jetzt seien etwa 100.000 Menschen innerhalb des Landes auf der Flucht vor den israelischen Angriffen, viele Notunterkünfte sind überfüllt.
Infolge der anhaltenden israelischen Angriffe auf den Libanon warnen Hilfsorganisationen vor einer weiteren Verschlechterung der humanitären Lage. Die israelische Armee hatte am Montag mit den Angriffen begonnen, nachdem die Hisbollah-Miliz in Solidarität mit Iran Raketen auf Israel abgefeuert hatte.
“Wir verurteilen aufs Schärfste, dass der Libanon in diesen Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten, Israel und dem Iran hineingezogen wird”, hieß es in einer Mitteilung des katholischen Hilfswerks Misereor.
Die bislang rund 440 bereitgestellten Notunterkünfte, etwa in Schulen und Kirchen, stießen demnach schon jetzt an ihre Grenzen. Nach offiziellen Angaben seien bislang mehr als 120 Menschen getötet und mehr als 700 verletzt worden. Etwa 100.000 Menschen seien bereits innerhalb des Landes auf der Flucht.
“Zivilbevölkerung ist Angriffen schutzlos ausgeliefert”
Malteser International äußerte sich ebenfalls besorgt. “Die Zivilbevölkerung im Libanon ist den Angriffen quasi schutzlos ausgeliefert. Es gibt im gesamten Land nur wenige öffentlich zugängliche Luftschutzbunker und kaum Möglichkeiten, sich in Sicherheit zu bringen”, erklärte die Organisation. Der Schulbetrieb sei im gesamten Land komplett eingestellt worden. Für die Helfer werde es immer schwieriger, der notleidenden Bevölkerung beizustehen.
Die für den Libanon zuständige UN-Gesandte Jeanine Hennis-Plasschaert rief derweil zu Gesprächen zwischen dem Libanon und Israel auf. Diese könnten entscheidend sein, um es “kommenden Generationen zu ersparen, immer wieder den gleichen Albtraum zu durchleben”, erklärte sie.
Libanon meldet Tote nach neuen Angriffen
Unterdessen sind bei israelischen Luftangriffen auf die Gegend um die libanesische Stadt Nabi Chit nach Angaben des Gesundheitsministeriums 41 Menschen getötet und weitere 40 verletzt worden. Unter den Toten seien drei libanesische Soldaten, teilte das Ministerium mit. In der Nacht seien dort israelische Streitkräfte gelandet und hätten sich heftige Gefechte mit Bewaffneten geliefert.
Die israelischen Streitkräfte suchten bei Nabi Chit eigenen Angaben zufolge nach Informationen über den israelischen Navigator Ron Arad, der vor 40 Jahren nach dem Absturz seines Kampfjets im Libanon verschollen war. Später gaben sie bekannt, keine Überreste von Arad gefunden zu haben. Unabhängig überprüfen lassen sich die israelischen und libanesischen Angaben derzeit nicht.
Konfliktparteien als Quelle
Angaben der Konfliktparteien oder von Beobachtern zum Kriegsgeschehen können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.
