Kulturstaatsminister Wolfram Weimers schwierige Mission

Kulturstaatsminister Wolfram Weimers schwierige Mission

Wolfgang Weimer


hintergrund

Stand: 02.03.2026 • 14:52 Uhr

Kulturstaatsminister Weimer hat dieser Tage eine Menge zu regeln und noch mehr zu erklären. Er hat das Amt wieder ins Licht der Öffentlichkeit gerückt. Nicht alle finden, dass er dabei immer eine glückliche Figur abgibt.

Nicole Markwald

Was für eine Woche. Sie hätte für Kulturstaatsminister Wolfram Weimer mit dem guten Gefühl beginnen können, dass der Film-Standort Deutschland allen Grund zur Freude hat. Eine erfolgreiche Berlinale war gerade zu Ende gegangen, mit 22 Filmen im Wettbewerb – und zum ersten Mal seit 20 Jahren ging der Goldene Bär, die Hauptauszeichnung, wieder an einen deutschen Film: “Gelbe Briefe” von Ilker Çatak. Sandra Hüller wurde in der Kategorie “Beste Schauspielerische Leistung in einer Hauptrolle” mit einem Silbernen Bären geehrt.

Zu Beginn hatte der parteilose Weimer im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF enthusiastisch die “Berlinale des Aufbruchs” ausgerufen:

Weil die Bundesregierung nicht nur entschieden hat, die Filmförderung zu verdoppeln. Wir geben jetzt so viel Geld in den deutschen Film wie nie zuvor, und wir verpflichten die großen Streamingplattformen – aber nicht nur die, auch ARD und ZDF, RTL, Pro7 – jetzt richtig zu investieren und wir haben Zusagen von 15 Milliarden Euro in den kommenden fünf Jahren. So viel wurde noch nie in den deutschen Film investiert.

Mehr “Blockbuster made in Germany”

Weimer hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er mehr “Blockbuster made in Germany” möchte, das Land wieder zur Film-Nation machen will. Mit der erhöhten Filmförderung unterstützt die Bundesregierung die Branche, die nun liefern muss. Die Ausweitung der Filmförderung ist einer seiner Erfolge.

In seinem Job geht es aber nicht nur um Kunst, Musik, Theater. Von hier fließt viel Geld in Kultureinrichtungen im ganzen Land: die Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin oder die Kulturfabrik Kampnagel in Hamburg, in die Schiedsgerichtsbarkeit NS-Raubgut, wie für die Errichtung eines zentralen Mahnmals für die Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft.

Weimer sieht sich als Kulturverfechter

Das neu verabschiedete Gedenkstättenkonzept verbucht er als Erfolg. Trotz der Kritik, dass die Auseinandersetzung mit dem deutschen Kolonialismus anders als im Entwurf seiner Vorgängerin nicht mehr auftaucht, sagt er: “Mein Haus misst auch der Aufarbeitung der Kolonialgeschichte große Bedeutung bei. Wir vertiefen diesen Bereich in eigenständiger Form in enger Abstimmung mit den anderen Ressorts, der Wissenschaft und der Zivilgesellschaft.”

Er selbst sieht sich nicht als Kulturkämpfer, sondern als Kulturverfechter. Der Job des Kulturstaatsministers mag wie ein Orchideenposten klingen – aber er ist eine Schlüsselstelle, angesiedelt im Kanzleramt. Und Weimer versteht sich als Verstärker. Er ist meinungsstark und bringt sich in viele Debatten ein: um künstliche Intelligenz, eine mögliche Digitalsteuer für Tech-Konzerne und den Eurovision Song Contest.

Wortkarg bei Vorwürfen

Etwas wortkarger wurde er wegen angeblicher Verquickung geschäftlicher und politischer Aktivitäten. Nach der Kritik trennte er sich von Anteilen an einer Verlagsgruppe, um “jeglichen Anschein eines Interessenkonflikts zu vermeiden, der indes tatsächlich nie bestanden hat.”

Still und heimlich lief zum Jahresende der Kulturpass aus, ein Budget für Kultur für Jugendliche. Obwohl der von ihm verantwortete Kulturetat für dieses Jahr um rund zehn Prozent auf rund 2,57 Milliarden Euro stieg.

Einmischung in die Kunstfreiheit?

Weimer beschreibt das kulturelle Deutschland wegen seines großen Angebots gern als Leuchtland – das schließt auch ein Filmfestival wie die Berlinale mit ein. International, politisch, divers. In seinem Amt leitet er den Aufsichtsrat der Berlinale. Bei der Sondersitzung am Donnerstag ging es nicht um den eingangs erwähnten Erfolg der Filmfestspiele. Eine Neuausrichtung wurde diskutiert, und ob Leiterin Tricia Tuttle ihre Arbeit fortsetzen kann.

Konstruktiv und offen sei das Treffen gewesen. Schon bald, möglicherweise bereits zu Beginn kommender Woche, soll es das nächste Treffen geben, ausdrücklich mit der Berlinale-Chefin Tuttle. Die ganze Woche wurde diskutiert, ob sie wegen politischer Statements von Festivalteilnehmern gehen muss – der syrisch-palästinensische Regisseur Abdallah Alkhatib hatte der Bundesregierung auf der Bühne vorgeworfen, Partner “des Völkermords im Gazastreifen” zu sein. Oder ob gerade in die Kunstfreiheit eingegriffen werde.

Auch Bundeskanzler Friedrich Merz fordert inzwischen eine rasche Klärung. Nicht ein einziges Mal hat Weimer selbst den Rückzug von Tuttle gefordert. Doch statt die Debatte zu stoppen, hat er dieses Mal – anders als so oft – geschwiegen.

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