Kreml-Kritiker Nawalny wurde laut Analyse mit Nervengift getötet

Kreml-Kritiker Nawalny wurde laut Analyse mit Nervengift getötet

David van Weel, Maria Malmer Stenergard, Julia Nawalnaja, Yvette Cooper, Johann Wadephul (v.i.)

Stand: 15.02.2026 00:30 Uhr

Deutschland und vier weitere europäische Länder bezichtigen Russland, den Kreml-Kritiker Nawalny vor zwei Jahren mit einem Nervengift getötet zu haben. Moskau habe dazu die “Möglichkeit, das Motiv und die Mittel” gehabt.

Deutschland und vier weitere europäische Länder haben nach eigenen Angaben Belege dafür gefunden, dass der vor zwei Jahren verstorbene Kreml-Kritiker Alexej Nawalny vergiftet wurde.

“Für das Vereinigte Königreich, Schweden, Frankreich, Deutschland und die Niederlande steht fest, dass Alexej Nawalny mit einem tödlichen Toxin vergiftet wurde”, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der fünf Staaten.

Gift von südamerikanischen Pfeilgiftfröschen

In Proben des russischen Oppositionspolitikers wurde demnach das Gift Epibatidin nachgewiesen, das in südamerikanischen Pfeilgiftfröschen zu finden sei. In Russland komme es in der Natur nicht vor.

“Russland behauptete, Nawalny sei eines natürlichen Todes gestorben. Angesichts der Toxizität von Epibatidin und der bekannt gewordenen Symptome war die Ursache seines Todes jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Vergiftung”, hieß es in der Erklärung weiter.

“Wir wissen, dass der russische Staat dieses tödliche Gift gegen Nawalny eingesetzt hat, weil sie seine Opposition fürchteten”, teilte das britische Außenministerium in einer separaten Erklärung mit.

Moskau spricht von “reiner Propaganda”

“Niemand außer Putins Schergen wird sagen können, wie der 16. Februar 2024 in der russischen Strafkolonie im Einzelnen abgelaufen ist”, sagte Bundesaußenminister Johann Wadephul am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz und mit Blick auf Nawalnys Todestag. Die russischen Behörden hätten jedoch die Möglichkeit, das Motiv und die Mittel gehabt, Nawalny das Gift zu verabreichen.

Auf die Frage einer Journalistin, warum die Analysen so lange gedauert hätten, sagte der Außenminister, es sei ein kompliziertes Verfahren gewesen, das mit verschiedenen europäischen Partnern habe abgestimmt werden müssen.

Die russische Regierung wies eine Verantwortung für Nawalnys Tod erneut zurück. Eine Sprecherin des russischen Außenministeriums bezeichnete den Vorwurf als “reine Propaganda”, wie die Nachrichtenagentur Tass meldete.

London sieht “alarmierendes Verhaltensmuster”

Die fünf Verbündeten forderten, Russland müsse für seine wiederholten Verstöße gegen das Chemiewaffenübereinkommen und in diesem Fall auch gegen das Übereinkommen über biologische Waffen zur Rechenschaft gezogen werden.

Die Regierung in London sprach von einem “alarmierenden Verhaltensmuster” und verwies auf den Giftanschlag auf den Doppelagenten Sergej Skripal 2018. Eine britische Untersuchung war im vergangenen Jahr zu dem Schluss gekommen, dass der russische Präsident Wladimir Putin den damaligen Einsatz des Nervengifts Nowitschok angeordnet haben müsse.

Nawalnaja dankt europäischen Staaten

Nawalnys Witwe Julia Nawalnaja sagte bei einem Auftritt am Rande der Sicherheitskonferenz in München, nun habe man den Beweis, dass Kremlchef Putin ein Mörder sei. Nawalnaja hatte bei einem aufsehenerregenden Auftritt an gleicher Stelle vor fast genau zwei Jahren angesichts der Berichte über den Tod ihres Mannes zum Kampf gegen den russischen Machtapparat von Putin aufgerufen.

“Ich war vom ersten Tag an sicher, dass mein Mann vergiftet wurde, aber jetzt gibt es Beweise”, schrieb sie auf einer Social-Media-Plattform. Sie dankte den europäischen Staaten für deren akribische Arbeit und die Aufdeckung der Wahrheit.

Tod in Strafkolonie nördlich des Polarkreises

Nawalny galt als der prominenteste Gegner von Putin in Russland, auch weil er immer wieder Korruptionsfälle innerhalb der Elite um den Kremlchef aufdeckte. 2020 war er vergiftet und im Koma liegend nach Deutschland ausgeflogen worden, wo er in der Berliner Charité behandelt wurde. Die russischen Behörden nahmen den Politiker im Januar 2021 bei seiner Rückkehr in die Heimat noch auf dem Flughafen fest.

Später verurteilten russische Gerichte Nawalny zu langen Haftstrafen – unter anderem wegen Extremismus. Am 16. Februar 2024 starb er in einer Strafkolonie nördlich des Polarkreises. Zum Todeszeitpunkt war er 47 Jahre alt – die russischen Behörden sprachen von einer natürlichen Todesursache.

Comments

No comments yet. Why don’t you start the discussion?

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *