Deutschland liegt im Korruptionsindex von Transparency International auf einem besseren Platz als im Vorjahr. Doch die Nichtregierungsorganisation warnt: Das liegt vor allem an der Schwäche anderer Länder.
Die gute Nachricht: Deutschland hat sich im jährlichen Korruptionsindex von Transparency International im weltweiten Vergleich verbessert. Die Bundesrepublik liegt im neu veröffentlichten Ranking der Nichtregierungsorganisation für das vergangene Jahr auf Platz 10 von 182 erfassten Staaten – eine Verbesserung um fünf Plätze im Vergleich zu 2025. Transparency nennt das “auf den ersten Blick begrüßenswert”.
Die schlechte Nachricht sei aber, dass die deutsche Platzierung kein Grund sei, “sich zurückzulehnen” – denn der Aufstieg resultiere vor allem aus dem Abstieg anderer Länder wie Australien, Irland oder Uruguay. Zudem zeige der Zehnjahresvergleich, dass Deutschland in der Korruptionsbekämpfung zurückfalle: Auf der Transparency-Skala von 0 Punkte – als sehr korrupt wahrgenommen – bis 100 Punkte – völlige Korruptionsfreiheit – ging es für die Bundesrepublik seit 2016 von 81 Punkten runter auf 77.
Wie Transparency International arbeitet
Transparency International ist eine internationale Nichtregierungsorganisation. Ihr Zweck ist die weltweite Bekämpfung von Korruption. Der Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency ist der weltweit bekannteste Korruptionsindikator. Die Organisation vergleicht dafür die in Wirtschaft, Politik und Verwaltung wahrgenommene Korruption im öffentlichen Sektor in mehr als 180 Ländern.
Dafür werden Daten von zwölf unabhängigen Institutionen ausgewertet, die sich auf die Analyse von Regierungsführung und Wirtschaftsklima spezialisiert haben, darunter die Bertelsmann Stiftung und das World Economic Forum. Steuerbetrug, Geldwäsche oder illegale Finanzströme im privaten Sektor werden nicht erfasst.
Bürokratiabbau bedeute auch Abbau von Kontrollmechanismen
Die Vorsitzende von Transparency Deutschland, Alexandra Herzog, sagte, für die Bundesrepublik müsse sogar ein weiterer Abwärtstrend befürchtet werden – ausgerechnet wegen des Bürokratieabbaus: Denn unter diesem Schlagwort würden teilweise zentrale Kontrollmechanismen gegen Korruption abgebaut.
Das zeige sich vor allem beim Vergaberecht, das durch ein beschlossenes Gesetz zur Beschaffungsbeschleunigung der Bundeswehr und das geplante Vergabebeschleunigungsgesetz stark beschnitten werde. “Dabei wäre in Anbetracht der in den vergangenen Jahren beschlossenen Sondervermögen ein Mehr an Transparenz (und Rechenschaft) notwendig, um Korruption, Günstlings- und Misswirtschaft wirksam zu beschränken, Wettbewerb zu ermöglichen und Schutzmechanismen zu stärken”, sagte Herzog.
Dänemark vorn, USA auf Allzeittief
Das am wenigsten korrupte Land im Transparency-Index ist – zum achten Mal in Folge – Dänemark. Danach folgen Finnland, Singapur, Neuseeland, Norwegen, Schweden, die Schweiz, Luxemburg, Niederlande.
Staaten wie Großbritannien und die USA haben in den vergangenen zehn Jahren in der Transparency-Wertung viele Punkte eingebüßt. Großbritannien verschlechterte sich um elf Punkte auf 70 und liegt nun im Ranking auf Platz 20. Die USA büßten seit 2016 zehn Punkte ein und haben nun 64 Punkte, was Platz 29 im weltweiten Ranking bedeutet – ein Allzeittief für das Land.
Die Ukraine, die schon oft wegen Korruption in den Schlagzeilen war, erreicht 36 Punkte und liegt auf Platz 105. Ganz am Ende der Liste stehen Länder, die von einem Zerfall der staatlichen Institutionen, von Krieg und Konflikten geprägt sind: Schlusslicht ist der Südsudan, davor liegen Somalia, Venezuela, der Jemen, Libyen, Eritrea und der Sudan.
“Korruption nimmt weltweit zu”
Insgesamt zieht Transparency in seinem aktuellen Bericht ein negatives Fazit: “Korruption nimmt weltweit zu.” Vor zehn Jahren habe es noch zwölf Länder mit mehr als 80 Punkten gegeben, heute seien es nur noch fünf. Der globale Durchschnitt habe mit 42 Punkten den tiefsten Wert seit mehr als zehn Jahren erreicht.
“Besonders beunruhigend ist, dass von diesem negativen Trend auch gefestigte Demokratien, also Länder mit eigentlich robusten Antikorruptionsstrukturen betroffen sind”, erklärte Transparency-Deutschland-Chefin Herzog. “In Ländern, in denen Rechtsextreme und populistische Parteien an die Macht gekommen sind, werden Schutzmechanismen gegen Korruption meist massiv abgebaut.”
Der Abstieg zeige sich vor allem in Ungarn
Dort, wo der Rechtsstaat geschwächt, die Freiheit der Medien und der Zivilgesellschaft beschnitten würden, breite sich Korruption aufgrund fehlender Kontrollinstanzen rasch aus. Das zeige sich besonders deutlich in Ungarn, sagte Herzog. Das Land sei im Ranking weiter abgestiegen – auf die bisher niedrigste Punktzahl (40) innerhalb der EU.
Der Index von Transparency International ist der weltweit bekannteste Korruptionsindikator. Er umfasst 182 Staaten und Gebiete und bewertet den Grad der in Politik und Verwaltung wahrgenommenen Korruption. Der Index beruht auf der Einschätzung von Expertinnen und Experten sowie Führungskräften. Der sogenannte Korruptionswahrnehmungsindex (CPI) basiert auf Einschätzungen zur Korruption im öffentlichen Sektor, die von Experten aus internationalen Institutionen und Forschungsgruppen abgegeben werden.
