Kommunalwahlen in Bayern: Stichwahlen in großen Städten nötig

Kommunalwahlen in Bayern: Stichwahlen in großen Städten nötig

Der Grüne OB Kandidat in München, Krause steht mit Blumen auf einer Bühne

Stand: 08.03.2026 • 21:27 Uhr

Zehn Millionen Wähler, fast 40.000 Mandate – in Bayern liegen erste Ergebnisse der Kommunalwahlen vor. In den vier größten Städten wird es OB-Stichwahlen geben. Auch Münchens Oberbürgermeister Reiter muss noch einmal antreten.

Dieser Artikel wird fortlaufend aktualisiert.

Es geht um 39.300 Mandate in ganz Bayern: Bei der Kommunalwahl haben die Wahlberechtigten im Freistaat über ihre künftigen Oberbürgermeister, Bürgermeister und Landräte abgestimmt. Auch Mitglieder der Gemeinderäte, Stadträte und Kreistage wurden gewählt. Seit 18 Uhr sind die Wahllokale geschlossen, erste Trends sind erkennbar. Das landesweite Ergebnis, das besonders für die Parteien interessant ist, steht allerdings erst am Mittwoch fest. Trotzdem lassen sich schon jetzt erste Erkenntnisse aus dem Wahltag ziehen.

Wahlbeteiligung höher als 2020

Die Kommunalwahl ist bei den Menschen in Bayern auf großes Interesse gestoßen. Große Städte wie München, Nürnberg oder Augsburg meldeten bereits am Nachmittag eine gestiegene Beteiligung im Vergleich zur Wahl 2020. Gründe dafür dürften allerdings auch sein, dass das Frühlingswetter viele Menschen aus den Häusern lockte und die Wahl 2020 unter dem Eindruck der Corona-Pandemie stattfand.

In der Wahlkabine mussten die Wähler erst einmal die überdimensionalen Wahlzettel auseinanderfalten. Mancherorts konnten noch mehr Kandidaten gewählt werden, als darauf standen: Das bayerische Wahlrecht erlaubt das freie Eintragen eines Namens – falls nur ein Kandidat zur Wahl steht. So wurde etwa Markus Wintergerst als neuer Bürgermeister der 1.700-Einwohner-Gemeinde Untrasried im Ostallgäu gewählt. Er war kurzfristig eingesprungen, weil der ursprüngliche Bewerber aus gesundheitlichen Gründen zurückziehen musste. Diese Entscheidung kam allerdings erst nach Ende der offiziellen Nominierungsfrist.

Stichwahlen in großen Städten zeichnen sich ab

Das Besondere an den Kommunalwahlen ist, dass lokale Vorkommnisse eine größere Auswirkung auf die Wahl haben. Spannend wird es daher in München. Dort ist der amtierende Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) wegen nicht vom Stadtrat genehmigter Zahlungen für ein Ehrenamt beim FC Bayern in die Kritik geraten. Negative Schlagzeilen brachte ihm zudem ein, dass er in einer Stadtrats-Sitzung das N-Wort gebrauchte. Für beide Vorfälle hat sich Reiter entschuldigt, einige Wähler dürften ihn dennoch abgestraft haben: In der Landeshauptstadt zeichnet sich eine Stichwahl zwischen ihm und dem Grünen-Kandidaten Dominik Krause ab.

In Bayerns zweitgrößter Stadt Nürnberg muss Amtsinhaber Marcus König (CSU) wohl gegen seinen SPD-Herausforderer Nasser Ahmed in die Stichwahl ziehen. In Augsburg werden die Bürger noch einmal zur Urne gerufen: Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) muss ihren Posten gegen den SPD-Kandidaten Florian Freund verteidigen. Auch in Passau ist schon klar: Es kommt zur Stichwahl zwischen Andreas Rother (SPD) und Armin Dickl (CSU). In Regensburg gibt es ebenfalls einen zweiten Urnengang: Die CSU-Kandidatin Astrid Freudenstein tritt gegen Thomas Burger (SPD) an. Überraschend ist das Ergebnis in Bamberg: Dort liegt Grünen-Kandidat Jonas Glüsenkamp vor der ehemaligen Staatsministerin Politikerin Melanie Huml (CSU). Auch hier kommt es zur Stichwahl.

Einige AfD-Landratskandidaten auf Platz zwei

Bei der Landratswahl zeigt ein Blick auf die Bayern-Karte mit den Zwischenständen: Schon jetzt sind viele Kreise schwarz gefärbt, führend sind dort Kandidaten der CSU. Es fällt jedoch auch das starke Abschneiden der AfD ins Auge: In diversen Landkreisen liegen AfD-Landratskandidaten auf dem zweiten Platz und haben derzeit Chancen auf eine Stichwahl. Im Kreis Augsburg etwa dürfte der AfD-Kandidat Markus Striedl gegen Martin Sailer (CSU) antreten. Auch in Bad Kissingen, Haßberge, Bamberg, Günzburg, Mühldorf am Inn und Passau liegen AfD-Kandidaten zur Stunde auf Platz zwei.

Im Landkreis Dingolfing-Landau gelang es dem wohl prominentesten AfD-Kandidaten Stephan Protschka indessen nicht, die CSU in Bedrängnis zu bringen. Er musste sich CSU-Landrat Werner Bumeder geschlagen geben. Als roter Fleck auf der Landkarte fällt der Landkreis Schweinfurt ins Auge: Dort liegt Florian Töppler von der SPD weit vorn. Die Freien Wähler führen bei der Landratswahl derzeit in den Kreisen Oberallgäu, Unterallgäu und Regensburg.

Bürgermeister: von der 27-Jährigen bis zum Amtsinhaber in vierter Generation

Als eine der ersten Gemeinden konnte das rund 350 Einwohner zählende Balderschwang in Schwaben Ergebnisse vorweisen: Dort wurde der bislang amtierende Bürgermeister, Konrad Kienle (CSU), mit 91,5 Prozent wiedergewählt. Kienle setzt damit eine Familientradition fort: Bereits sein Vater, Großvater und Urgroßvater waren Bürgermeister der Oberallgäuer Gemeinde gewesen. Der 65-Jährige, der bereits seit 2014 im Amt ist, war ohne Gegenkandidaten angetreten.

Die vielleicht jüngste neue Bürgermeisterin kommt aus dem schwäbischen Obermaiselstein. Die 27-jährige Philine Blees (CSU) wurde als alleinige Kandidatin mit 89,5 Prozent der Stimmen gewählt, für die sogenannte Einheitsliste Obermaiselstein.

In der Gemeinde Neubiberg nahe München hat indessen dem amtierenden CSU-Bürgermeister Thomas Pardeller eine Bestrafung wegen Kokainbesitzes wohl nicht geschadet: Er verfehlte nach dem vorläufigen Ergebnis die Mehrheit nur knapp und tritt nun in der Stichwahl gegen die Grünen-Politikerin Carola Grimminger an, die auch für die ÖDP in die Wahl gezogen war.

Mit Informationen der Nachrichtenagenturen dpa, AFP, der Landeswahlleiter sowie der Korrespondentinnen und Korrespondenten des Bayerischen Rundfunks

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Quelle: BR24 TV 08.03.2026 – 17:00 Uhr

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