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Der Eigenanteil für einen Platz im Pflegeheim ist inzwischen vielerorts so hoch, dass selbst eine gute Rente nicht mehr ausreicht. Die Schmerzgrenze ist längst erreicht. Die Politik muss gegensteuern.
Die Kosten für die Pflege werden für immer mehr Betroffene zur Armutsfalle. Mehr als 3.200 Euro im Schnitt im ersten Jahr für einen Pflegeheimplatz. Wer soll das noch bezahlen können? Die Politik muss endlich handeln – und zwar jetzt!
Denn es wird nicht nur teurer und teurer, sondern der schnelle Anstieg der Kosten ist dramatisch. Vor einem Jahr zum Beispiel waren die Heimkosten durchschnittlich noch rund 260 Euro niedriger.
Für viele Pflegebedürftige und ihre Familien ist das eine finanzielle Katastrophe. Betroffene, die sich über das Arbeitsleben ein bisschen Geld zurückgelegt haben – für sich, für die Kinder, für die Enkel – verlieren alles, bis auf ein kleines Schonvermögen. Ist fast alles weg und die Rente zu niedrig, folgt der Gang zum Amt, um finanzielle Hilfe zu beantragen. Es fühlt sich an wie Betteln, ist von Betroffenen oft zu hören.
Die Rufe nach einer Lösung sind seit Jahren laut. Die Ampel-Regierung hat Entlastungszuschläge eingeführt, um die Eigenanteile zu bremsen. Doch der rasante Kostenanstieg frisst die gut gemeinten Entlastungsbeträge auf.
Bundesregierung hat bisher nicht geliefert
Die aktuelle Bundesregierung verspricht eine Pflegereform, hat bisher aber nicht geliefert. Eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe hat im Auftrag von Gesundheitsministerin Nina Warken bekannte Optionen auf ein Papier geschrieben – aber keine konkreten Empfehlungen oder Lösungen festgehalten.
Allerdings: Nicht nur der Bund, sondern auch die Länder sind in der Pflicht. Sie sind Mitschuld an der Misere. Sie drücken sich, die Investitionskosten zu finanzieren – für den Bau und die Instandhaltung der Pflegeeinrichtungen. So landen diese Kosten auf den Rechnungen der Heimbewohner und verschärfen das Problem.
Große Entscheidungen sind gefragt
Was es jetzt braucht, ist kein weiteres Herumdoktern an einzelnen Leistungen, Beiträgen oder Pflegegraden, sondern große mutige Entscheidungen. Ein Systemwechsel zum Beispiel. Sozialverbände fordern schon lange eine Pflegevollversicherung, so ähnlich wie die Krankenversicherung. Klar, das kostet viel Geld, aber unmöglich ist das nicht.
Auf jeden Fall brauchen wir Beschlüsse, die zeitnah wirken und nicht erst in ferner Zukunft. Denn Pflege ist für viele eine Armutsfalle.
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