Jobs bei der EU: Kommission startet großes Bewerbungsverfahren

Jobs bei der EU: Kommission startet großes Bewerbungsverfahren

Außenaufnahme des Europäischen Parlaments in Straßburg.

Stand: 07.02.2026 13:40 Uhr

Beim sogenannten Concours können sich Menschen aus allen Mitgliedsstaaten auf Positionen in den EU-Institutionen bewerben. Das Auswahlverfahren ist hart: Auf die 1.500 Plätze werden 50.000 Bewerbungen erwartet.

Thomas Spickhofen

Ein Arbeitsplatz in der Herzkammer der Europäischen Union? Das müsste doch jeden Berufsstarter ganz aufgeregt machen, findet man bei der Kommission. “Wo ist denn nur mein Diplom geblieben? Hast du das irgendwo gesehen?”, fragt eine junge Frau in einem Werbe-Video ihre Mutter. Damit will die Kommission auf das große EU-Casting aufmerksam machen.

Fast 1.500 Plätze sind auf einer Liste zu vergeben, mit der man in die Institutionen in der EU kommen kann – von Kommission und Parlament in Brüssel bis hin zum Europäischen Gerichtshof in Luxemburg. Alle paar Jahre läuft das große Bewerbungsverfahren, im EU-Sprech “Concours” (auf deutsch: Wettbewerb) genannt. Beim letzten Mal 2019 gab es 22.000 Bewerbungen, diesmal werden 50.000 erwartet.

“Concours” oder doch eher “Hunger Games?”

“Hunger Games” nennt die 27-jährige Spanierin Olivia Lori Iglesias den knallharten Wettbewerb. “Ich empfehle den Leuten, sich wirklich gut über die Auswahlverfahren zu informieren und sie sorgfältig zu lesen.” Wer keine Berufserfahrung habe, dem würde sie abraten. “Man muss sich auch bewusst sein, dass man lernen muss, dass es sehr wettbewerbsintensiv ist und dass es nicht nur von der eigenen Leistung abhängt.”

Zur Zeit arbeitet Olivia beim European Youth Forum, einem Zusammenschluss von mehr als 100 Jugendorganisationen. Sie hat sich schon oft in Brüssel beworben, aber beim “Concours” ist sie zum ersten Mal dabei.

“Ich will mich bewerben, weil ich, seitdem ich an der Uni Internationale Beziehungen studiert habe, in Europäischen Institutionen arbeiten wollte. Nachdem ich verschiedene Praktika hier gemacht habe, ist mein Interesse gewachsen.”

Anteil an deutschen Mitarbeitern gering

Mehr als 60.000 Menschen beschäftigt die EU in ihren Institutionen. Deutschland ist in diesem Apparat mit nicht einmal 10 Prozent deutlich unterrepräsentiert – angesichts eines Fünftels der EU-Bevölkerung, die Deutschland stellt.

Am besten vertreten sind laut einer Studie des Europäischen Rechnungshofs Belgien – was angesichts der vielen Ansiedelungen in Brüssel nahe liegt – und kleine Länder wie Slowenien, Estland und Malta. Ähnlich schlecht wie Deutschland schneiden dagegen die Niederlande, Österreich und Polen ab.

Da könne man halt auch sehr gut verdienen, erklärt Matthias Beermann vom Rechnungshof. “Der Unterschied zwischen dem, was die EU – die sehr gut zahlt – und was gute Industriearbeitsplätze und Verwaltungsjobs in Deutschland zahlen, ist nicht so hoch wie in vielen anderen Ländern.”

Gute Chancen für junge deutsche Bewerber

Die Bundesregierung will die deutsche Stimme im Brüsseler Apparat verstärken. Mit Clips auf Social Media, Podcasts und Anzeigen, Informationsveranstaltungen, Webinaren und einem eigenen Vorbereitungs-Portal unterstützt sie Kandidatinnen und Kandidaten in der Vorbereitung. Auch Matthias Beermann vom Rechnungshof empfiehlt: “Wenn Sie junger Deutscher sind, dann kann man Ihnen eigentlich nur raten, es zu versuchen.”

Einem internen Richtwert zufolge sollte die deutsche Quote bei 14,3 liegen, der Ist-Wert beträgt zur Zeit aber nur 9,1. Deshalb stünden die Chancen für deutsche Bewerber gut, sagt Beermann. “Wenn man die Tests besteht, sind die Einstellungsvoraussetzungen sehr, sehr gut.” Denn die EU achte darauf, dass sie möglichst entsprechend diesen Quoten ein ausgewogenes Verhältnis von Angestellten aus den einzelnen Mitgliedsstaaten haben.

Bewerbungsschluss ist am 10. März, im Sommer laufen die Prüfungen und Anfang kommenden Jahres soll die “Shortlist” fertig sein. Eine Job-Garantie ist das am Ende allerdings immer noch nicht. Es bedeutet lediglich: Wenn die Kommission Jobs nachbesetzen will, dann greift sie zuerst auf das Personal zurück, das es auf die Liste geschafft hat.

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