Japan macht nach tödlichen Angriffen auf Menschen Jagd auf Bären

Japan macht nach tödlichen Angriffen auf Menschen Jagd auf Bären

Besucher machen Erinnerungsfotos neben einem Warnschild für Bären in Shirakawa-go, Japan.

Stand: 26.11.2025 11:51 Uhr

Noch nie wurden so viele Menschen in Japan von Bären angegriffen wie 2025. Die Tiere laufen durch Parks, Wohnviertel, Supermärkte. Sogar die Armee ist deshalb ausgerückt. Warum kommen die Bären den Menschen immer näher?

Thorsten Iffland

Braunbären im Norden Japans, asiatische Schwarzbären auf der Hauptinsel – die Population der Allesfresser ist explodiert. Auch in Saitama, etwas nördlich von Tokio, ist ein Waldspaziergang potenziell lebensgefährlich. Katsuyoshi Tamura ist seit Jahrzehnten Jäger in der Region. Sie nennen ihn hier nur “Waldmeister”. Er kennt jeden Baum: “Die Rinde war mal wunderschön, aber jetzt ist sie abgefallen. Die Bären sind daran hochgeklettert und haben sie abgenagt. Dadurch ist sie verrottet.”

Auf Nahrungssuche knabbern die Bären nicht nur Bäume an, sondern begegnen auch immer häufiger Menschen: Allein in der nordjapanischen Region Akita haben sich die Sichtungen in diesem Jahr versechsfacht. In der Folge gibt es auch mehr Angriffe und Todesfälle: 13 Menschen wurden in diesem Jahr durch Bären getötet. So viele wie noch nie.

Eine Überwachungskamera in einem Supermarkt hat einen Bären aufgenommen, der im Oktober durch den Laden in der Stadt Numata spaziert

Bären finden Fressen zwischen Wald und Stadt

Hajime Nakae ist Professor für Notfallmedizin am Universitätsklinikum Akita. Er hat eine Erklärung dafür, warum die Bären dem Menschen immer näher kommen: “In den Bergen gibt es jede Menge Bären. Die schwächeren werden verdrängt. Sie kommen runter in die Dörfer und suchen nach Fressen.” Genau auf der Grenze zwischen Wald und Stadt fänden die Bären Kaki-, Kastanienbäume und Feldfrüchte, sagt Nakae:

Bären lernen, dass es hier reichlich zu fressen gibt. Und sie lernen, dass Menschen nicht wirklich gefährlich sind, dass sie sich nicht wehren.

Hajime Nakae, Universitätsklinikum Akita

Und deshalb kommen sie immer wieder. Die Bären haben oft freie Bahn: Die japanische Landbevölkerung stirbt mehr und mehr aus, es gibt kaum noch Jäger, die den Bestand kontrollieren. Und der Klimawandel sorgt wohl auch dafür, dass die Bären in ihrem eigentlichen Revier nicht mehr genug Nahrung finden. Japans Problembären sind jetzt Chefsache. Die neue Premierministerin Sanae Takaichi hat ein Notfallpaket verabschiedet.

Militär macht Jagd auf Problembären

Jagddrohnen spielen Hundegebell ab und verschießen Platzpatronen, die strengen Waffengesetze wurden dahingehend entschärft, dass Jäger Bären nun auch in städtischen Gebieten schießen dürfen. Sogar das Militär hilft jetzt mit im Kampf gegen die Bären, erklärt Verteidigungsminister Shinjiro Koizumi, unter anderem beim Aufbau von Bärenfallen.

“Die Hauptaufgabe unserer Armee ist die Landesverteidigung, aber es ist auch ihre Pflicht das Leben und die Lebensgrundlage der Bevölkerung zu schützen.” Angesichts der besonderen Situation habe man beschlossen die Region Akita zu unterstützen.

Bären gehen erstmal in den Winterschlaf

Jäger wie Tamura sind skeptisch. Bärenjagd braucht viel Erfahrung. Daher übernimmt er das auch im hohen Alter von 81 noch selbst: “Die Nachbarn bitten mich die Bären zu fangen. Als ich hier im vergangenen Jahr einen erlegt habe, waren sie sehr dankbar.”

Bald löst sich das Problem vorläufig von selbst: Die Tiere gehen zeitnah in ihre Winterruhe. Aber spätestens im kommenden Frühjahr geht es Japans Bären wieder an den Kragen.

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