Jagdgesetz im Bundestag: Wird der Abschuss von Wölfen erleichtert?

Jagdgesetz im Bundestag: Wird der Abschuss von Wölfen erleichtert?

EIn Wolf steht neben einem Baum. (Archivbild: 13.12.2023)

Stand: 14.01.2026 15:39 Uhr

Eine geplante Novelle des Bundesjagdgesetzes sieht vor, dass Wölfe in Deutschland einfacher bejagt werden dürfen. Kritiker warnen vor wahllosem Abschuss. Heute berät der Bundestag über diesen Entwurf.

Martin Rottach

Es verspricht ein schöner, kalter Wintertag im Südschwarzwald in der Nähe von Bernau zu werden. Durch die langsam absinkenden Nebelschwaden bahnt sich die Sonne ihren Weg und strahlt über dem tief verschneiten Hof von Markus Kaiser. Drinnen schwingt der 58-jährige Landwirt gerade seine Heugabel und füttert die 240 Rinder und Kühe mit Silo. Im Winter hält sie Kaiser immer im Stall.

Mit Sorge schaut er auf den Frühling. Denn wenn er seine Tiere auf die Weide lässt, steigt die Gefahr durch den Wolf. Vier Wölfe gibt es derzeit im Schwarzwald und einer hat bereits elf Rinder von Kaiser gerissen. Noch immer verfolgen ihn die “Bilder des Grauens”, wie er sagt. “Alle Tiere waren entweder zerstört und verstört. Wir mussten alle wieder einfangen, alle Zäune verrissen und der erste Gedanke war, das muss du dir nicht mehr antun.”

Herdenschutz nur begrenzt wirksam

Erst dachte Kaiser ans Aufhören, so sehr hat ihn der Anblick der toten Tiere schockiert. Doch dann überwog der Drang, sich wehren zu wollen. Gemeinsam mit anderen Landwirten startete er ein Herdenschutzprojekt, um herauszufinden, welche Schutzmaßnahmen praktikabel und umsetzbar sind.

Draußen um seinen Hof hat er in diesem Rahmen einen Herdenschutzzaun gebaut. Die fünf Stromlitzen schützen nun wenigstens den Hof, so Kaiser. Um die unterste Litze zu zeigen, die in einer Höhe von 20 Zentimetern das Durchkriechen des Wolfes verhindern soll, muss er erst einmal den Schnee wegschaufeln. 60.000 Euro hat alleine dieser Zaun mitsamt des Eingangstores gekostet. Für seine 260 Hektar Land wären es 1,6 Millionen Euro und das sei nicht finanzierbar, sagt Kaiser. “Es gibt so viele Wanderwege, Bäche und Querungen, dass man gar keine Chance hätte, den Zaun überhaupt zuzubringen.”

Die einzige Lösung für ihn: Wölfe töten oder fangen, wenn sie Nutztiere trotz aller Schutzmaßnahmen angreifen. Er hofft, dass das bald möglich ist, so dass er seine Tiere wieder ohne Sorgen auf die Weide lassen kann.

Gesetzesnovelle soll Wolfsjagd erleichtern

Heute berät der Bundestag darüber, ob der Wolf als grundsätzlich jagdbare Tierart in das Bundesjagdgesetz aufgenommen wird. Das sieht ein Gesetzentwurf vor, der bereits vom Kabinett verabschiedet wurde. Möglich wird das durch eine neue Einstufung des Wolfes auf EU-Ebene. Demnach gilt er nicht mehr als “streng geschützt” sondern als “geschützt”.

Die in Deutschland geplante Gesetzesänderung reagiert nun auf diese Neueinstufung und soll unter anderem den Abschuss von sogenannten Problemwölfen erleichtern. Ist die Wolfspopulation groß und gesund, könnten außerdem auch Wölfe getötet werden, die nicht als Problemwolf aufgefallen sind. Damit soll die Größe der Wolfbestände reguliert werden.

Minister sieht zu hohe Wolfspopulation

Bisher konnten Problemwölfe nur in seltenen Ausnahmefällen getötet werden. Das waren in der Praxis allerdings sehr langwierige Prozesse. Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer von der CSU möchte das nun vereinfachen. “Wir brauchen aufgrund der Risse, die stattfinden, die Möglichkeit den Wolf in einem bestimmten Zeitraum zu bejagen und Problemwölfe rechtssicher zu entnehmen.”

Er verweist dabei nicht nur auf den wirtschaftlichen Schaden nach einem Riss, sondern auch auf den emotionalen Schaden beim Tierhalter. “Wir haben mittlerweile über 200 Wolfsrudel in Deutschland, wir haben mehr Wölfe auf die Fläche bezogen als Russland, also es ist notwendig, dass wir da einschreiten.” Ausrotten wolle man den Wolf aber nicht, außerdem solle es weiterhin finanzielle Unterstützung für Herdenschutzmaßnahmen wie Zäune geben.

Naturschutzverbände befürchten wahllosen Abschuss

Kritik kommt von Naturschutzverbänden. Sie befürchten einen wahllosen Abschuss von Wölfen. Marie Neuwald ist auf das Thema Wolf beim NABU Deutschland spezialisiert und bezweifelt die Sinnhaftigkeit des geplanten Umgangs mit dem Wolf. “Ich habe das Gefühl, das ist eher eine Bejagung aus Prinzip. Nach dem Motto, eine Art ist nicht mehr akut gefährdet, dann können wir ja auch welche davon schießen.”

Dass einzelne Problemwölfe entnommen werden müssten, das begrüßt die Wolfexpertin. Sie betont aber, dass die Anstrengungen eines funktionierenden Herdenschutzes nun nicht geringer werden dürften. Dieser sei entscheidend im Schutz gegen den Wolf und deshalb sei die nun debattierte Gesetzesnovelle ihrer Meinung nach gar nicht notwendig. Es gebe nur sehr wenig Wölfe, die überhaupt einen guten Herdenschutz überwinden und deshalb geschossen werden müssten. Mehr Investitionen in diesen Schutz seien deshalb eher notwendig.

“Die Anzahl der Risse, oder das Vorkommen von Rissen hängt nicht direkt an der Anzahl der vorhandenen Wölfe, sondern ob Herdenschutz angewandt wird oder nicht”, sagt Neuwald. Ob das generelle Bejagen des Wolfes und damit das Dezimieren des Bestandes einen großen Effekt auf die Anzahl der Risse haben wird, bezweifelt sie.

Langer Weg zum Gesetz

Am 17. Dezember 2025 hat das Bundeskabinett den jetzigen Gesetzentwurf beschlossen. Heute geht dieser zur ersten Lesung in den Bundestag. Danach wird er an den zuständigen Fachausschuss überwiesen, wo er nochmals überarbeitet wird.

Im Anschluss wird eine Beschlussempfehlung an den Bundestag zurückgegeben zu einer zweiten und dritten Lesung. Hier wird dann in der Regel auch abgestimmt. Danach muss auch der Bundesrat zustimmen und erst dann könnte der Gesetzentwurf zu einem gültigen Gesetz werden. Für diese einzelnen Schritte gibt es noch keinen Zeitplan, es dürfte sich aber noch eine ganze Weile hinziehen.

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