Israels Premier Netanjahu widerspricht Trump bei Kurs im Iran-Krieg

Israels Premier Netanjahu widerspricht Trump bei Kurs im Iran-Krieg

Eine Frau geht an dem beschädigten Gandhi-Krankenhaus in Teheran vorbei, das bei einem Luftangriff getroffen wurde.

Stand: 10.03.2026 • 13:50 Uhr

US-Präsident Trump hält den Iran-Krieg für so gut wie beendet, Israels Premier Netanjahu betont dagegen, sein Land sei mit den Angriffen nicht fertig. Und EU-Ratspräsident Costa sieht bisher nur einen Gewinner.

Nach zehn Tagen Krieg gegen den Iran zeichnen sich unterschiedliche Herangehensweisen zwischen US-Präsident Donald Trump und Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu ab. Während Trump ein Ende des Iran-Krieges in greifbarer Nähe sieht – und auch eine Bereitschaft zu Verhandlungen andeutet, betont Netanjahu, Israel sei mit seinen Angriffen auf die iranische Führung “noch nicht fertig”.

“Unser Bestreben ist es, das iranische Volk dazu zu bringen, das Joch der Tyrannei abzuwerfen”, teilte Netanjahu mit. Es bestehe kein Zweifel, “dass wir ihnen mit den bisherigen Maßnahmen die Knochen brechen – und wir sind noch nicht fertig”, fügte Netanjahu mit Blick auf die Führung in Teheran hinzu. In Washington wurden dies als Anzeichen für wachsende Meinungsverschiedenheiten zwischen den USA und Israel über die Kriegsstrategie und die Dauer des Konflikts gelesen.

“Wir sind noch nicht fertig” – Israels Premierminister Netanjahu will im Krieg gegen den Iran nicht nachlassen.

Trump unter Bedingungen zu Verhandlungen bereit

Trump erklärte nach Angaben des Senders Fox News in einem Interview, dass er möglicherweise zu Gesprächen mit dem Iran bereit sei, dies jedoch von den Bedingungen abhänge. In einem Interview am Montagabend auf die Möglichkeit von Verhandlungen mit Teheran angesprochen, erklärte Trump demnach gegenüber Fox, er habe gehört, dass Teheran sehr an Gesprächen interessiert sei, so der Nachrichtensender.

“Krieg so gut wie beendet”

Zuvor hatte Trump dem US-Sender CBS gesagt, er halte den Krieg “für so gut wie beendet”. Der Präsident begründete dies mit einer militärischen Schwächung Irans. “Es wird ziemlich schnell vorbei sein”, der Krieg sei nur “ein kurzer Ausflug”, sagte er in Florida vor Abgeordneten seiner Republikanischen Partei.

Iran habe keine Marine, keine Kommunikationsmittel und keine Luftwaffe mehr, sagte Trump zur Begründung. Auch die Raketen des Landes seien fast alle zerstört, iranische Drohnen würden überall abgeschossen. Militärisch gesehen habe Iran “nichts mehr übrig”.

Revolutionsgarden geben sich kämpferisch

Die Revolutionsgarden in Iran erklärten in einer ersten Reaktion, Trumps einseitige Ankündigung eines baldigen Endes der Kämpfe sei Unsinn: “Wir sind diejenigen, die bestimmen werden, wann dieser Krieg endet.” Weiter gaben die Garden bekannt, dass sie bis zum Ende des Krieges Ölexporte durch die Straße von Hormus blockieren würden.

“Die iranischen Streitkräfte werden bis auf Weiteres nicht zulassen, dass auch nur ein Liter Öl aus der Region an die feindliche Seite und ihre Partner exportiert wird”, sagte ein Revolutionsgarden-Sprecher. Die Meerenge zwischen Iran und der arabischen Halbinsel ist von entscheidender Bedeutung für die Ölexporte der Golfstaaten.

“Seien Sie vorsichtig, dass Sie nicht selbst ausgelöscht werden”

Die iranische Führung drohte auch indirekt mit einem Attentat auf Trump. Nach einer Warnung des US-Präsidenten, Iran noch zwanzig Mal härter anzugreifen, wenn dieser Öllieferungen durch die Straße von Hormus blockieren sollte, schrieb der Generalsekretär des iranischen Sicherheitsrats, Ali Laridschani, auf der Plattform X: “Die aufopferungsvolle Nation Iran fürchtet Ihre leeren Drohungen nicht. Selbst diejenigen, die größer sind als Sie, konnten den Iran nicht auslöschen. Seien Sie vorsichtig, dass Sie nicht selbst ausgelöscht werden.”

Konfliktparteien als Quelle

Angaben der Konfliktparteien oder von Beobachtern zum Kriegsgeschehen können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

Angriffe aller Seiten

Unterdessen gehen die Kämpfe unvermindert weiter. Iran startete neue Angriffe auf Israel und die arabischen Golfstaaten. Sirenen warnten vor herannahenden Raketen im Wirtschaftszentrum Dubai. In Bahrain gaben die Behörden bekannt, dass ein iranischer Angriff ein Wohngebäude in der Hauptstadt getroffen habe. Dabei seien eine 29-jährige Frau getötet und acht weitere Personen verletzt worden seien. Saudi-Arabien gab bekannt, zwei Drohnen über seiner ölreichen östlichen Region zerstört zu haben. Auch in Jerusalem ertönten am Vormittag Sirenen.

Das israelische Militär griff seinerseits erneut Teheran und Ziele im Libanon an. Dabei sei in der Nacht eine Kommandozentrale der Hisbollah im Süden des Libanon getroffen worden, teilte die Armee an. Von dem getroffenen Ort aus sollen zuvor Raketen in Richtung Israel abgefeuert worden sein.

“Bislang gibt es nur einen Gewinner: Russland”

Während der Krieg in der Region weiter tobt, sieht EU-Ratspräsident António Costa Russlands Präsident Wladimir Putin als den großen Nutznießer. “Bislang gibt es in diesem Krieg nur einen Gewinner: Russland”, sagte der frühere portugiesische Regierungschef vor EU-Diplomaten in Brüssel. Zur Begründung verwies Costa auf die politischen und wirtschaftlichen Folgen des Konflikts. Mit steigenden Energiepreisen erhalte Russland mit seinem Öl und Gas neue Mittel zur Finanzierung seines Krieges gegen die Ukraine und profitiere von der Umleitung militärischer Fähigkeiten, die andernfalls zur Unterstützung der Ukraine hätten eingesetzt werden können.

Seit Kriegsbeginn sind in Iran nach Angaben der dortigen Behörden 1.200 Menschen getötet worden. Zudem habe es mehr als 10.000 Verletzte gegeben. In Israel gaben Rettungskräfte und die Armee die Zahl der Toten seit Kriegsbeginn mit 13 an. Im Libanon wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums fast 500 Menschen durch den neu eskalierten Konflikt zwischen Israel und der vom Iran unterstützten Hisbollah-Miliz getötet.

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