Nachruf
Mehr als drei Jahrzehnte lang war Chamenei oberster Führer des Iran. Er wollte das Land als Führungsmacht in der islamischen Welt etablieren – und ging dafür mit brutaler Härte gegen das eigene Volk vor.
1989 wird er zum mächtigsten Mann der Islamischen Republik Iran: Ajatollah Seyyed Ali Chamenei. Er folgt auf den verstorbenen Staatsgründer Ayatollah Khomeni. Als Geistlicher Führer ist er nun Oberbefehlshaber der Armee, bestimmt die Richtlinien der Außenpolitik, ratifiziert Gesetze und kontrolliert Religion und Medien. Alle Macht liegt ab jetzt auf Lebzeiten bei ihm.
Geboren wurde Chamenei 1939 in Maschhad, im Nordosten des Iran, als Sohn eines Geistlichen. Als 18-Jähriger beginnt er seine religiösen Studien im irakischen Nadjaf, die er in der heiligen Stadt Qom fortsetzt. In den 1960er-Jahren schließt er sich dann dem Widerstand gegen den Schah an. Mehrmals muss er ins Gefängnis. 1979 kommt es zur Islamischen Revolution, der Schah flieht ins Exil.
Feindbild Westen
Als Leiter des Freitagsgebets trägt Chamenei wesentlich zur Radikalisierung des neuen Regimes bei, auch in Fragen der Kleidervorschriften für Frauen. 1981 kommt es zur mehreren Attentaten der iranischen Widerstandsgruppe Volksmudschaheddin, bei einem wird Chamenei schwer am rechten Arm verletzt. Im selben Jahr schließlich wird er zum Staatspräsidenten gewählt. Ein Amt, das er bis 1989 inne hat – dem Jahr, in dem er zum Revolutionsführer ernannt wird.
Das Feindbild Westen, allen voran die USA, hält er über die kommenden Jahrzehnte aufrecht – Israel wünscht er öffentlich die völlige Zerstörung. Verhandlungen mit dem Westen rund um das Atomabkommen sieht er skeptisch, nach der Tötung des iranischen Generals Kassem Soleimani durch die USA setzt er die Verhandlungspartner mit Terroristen gleich.
Massenproteste brutal niedergeschlagen
Nach dem gewaltsamen Tod der Studentin Mahsa Amini 2022 gibt es erneut Massenproteste im Iran, die Chamenei brutal niederschlagen lässt. Klar wird, dass das Regime kaum mehr über Rückhalt im Volk verfügt.
Das Hamas-Massaker 2023 in Israel bejubelt Chamenei, aber in dem folgenden Krieg wird die vom Iran finanzierte Terror-Organisation durch die israelischen Angriffe massiv geschwächt. Durch die gezielten Tötungen von Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah im Libanon und von Hamas-Anführer Ismail Hanija mitten in Teheran verliert Chamenei wichtige Verbündete.
Sein großes Ziel, den Iran als politische Führungsmacht in der islamischen Welt zu etablieren, hat Chamenei weit verfehlt.
