Intervallfasten ist beliebt: Es soll nicht nur beim Abnehmen helfen, sondern auch vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen. Aber tut es das wirklich? Ergebnisse einer neuen Metaanalyse dämpfen die Erwartungen.
Intervallfasten wird von Medizinerinnen und Medizinern häufig bei Übergewicht oder Adipositas empfohlen. In der Wissenschaft gibt es allerdings keinen Konsens, was den Nutzen dieser Art von Diäten angeht. Aus diesem Grund hat das sogenannte Cochrane-Netzwerk – ein unabhängiger Zusammenschluss von Fachleuten – sämtliche Studien zu diesem Thema analysiert.
Das Ergebnis fällt ernüchternd aus. Demnach ist Intervallfasten anderen Diäten vermutlich nicht überlegen und führt auch nicht zu mehr Lebensqualität. Gleichzeitig geben die Autorinnen und Autoren zu bedenken, dass es an hochwertigen, gut miteinander vergleichbaren Studien fehlt.
Autoren durchforsteten Tausende Studien
Bei Cochrane-Reviews analysiert ein internationales Forscherteam die verfügbare Studienlage zu einem Thema und wählt anschließend qualitativ hochwertige Untersuchungen aus. Berücksichtigt werden vor allem randomisiert-kontrollierte Studien: Die Teilnehmenden werden dabei zufällig in mindestens zwei Gruppen eingeteilt. Eine erhält die zu testende Intervention, die andere dient als Kontrollgruppe. So lässt sich ausschließen, dass Ergebnisse durch systematische Unterschiede zwischen den Gruppen verfälscht werden.
Für den Cochrane-Review zum Intervallfasten durchforstete das Autorenteam über 18.000 Publikationen und wählte am Ende nur 22 Studien aus. Dabei wollte es zwei Fragen klären: Wirkt Intervallfasten bei Erwachsenen mit Übergewicht und Adipositas besser als andere Diäten? Und: Hat Intervallfasten Einfluss auf die Lebensqualität, den Diabetesstatus, Blutfettwerte und unerwünschte Nebenwirkungen?
Nutzen bislang zweifelhaft
Das Ergebnis: Verglichen mit anderen üblichen Diätempfehlungen zeigt Intervallfasten kaum nennenswerte Unterschiede in Sachen Gewichtsabnahme oder der Lebensqualität der Teilnehmenden.
Beide Ansätze seien ähnlich wirksam, so die Forschenden. Auch bei den untersuchten Gesundheitsparametern oder im Hinblick auf Nebenwirkungen gebe es keine bedeutsamen Unterschiede. Allerdings verweisen die Autorinnen und Autoren auf eine sehr beschränkte Datenlage.
“Die Evidenzlage zum Intervallfasten ist sehr unsicher. Fast alle Studien hatten eine relativ geringe Probandenzahl, was statistische Fehlschätzungen begünstigt”, sagt Stefan Kabisch, Ernährungsmediziner an der Charité Berlin, gegenüber dem Science Media Center (SMC).
Nur bedingte Vergleichbarkeit der Studien
Ein weiteres Problem: Die für die Fragestellungen relevanten Studien ließen sich nur bedingt vergleichen. Das liegt auch daran, dass sich die Fastenmethoden in den einzelnen Studien stark unterschieden, von Alternate-Day-Fasting (jeden zweiten Tag essen) bis zu zeitlich begrenztem Essen (zum Beispiel zehn Stunden essen, 14 Stunden fasten).
Auch bei der Vergleichbarkeit der Probandenauswahl gab es Probleme: “Einige der eingeschlossenen Studien schließen auch Menschen mit Diabetes ein, die in der Regel schwieriger abnehmen können”, so Leonie Heilbronn, Leiterin der Forschungsgruppe Obesity and Metabolism an der Medizinischen Fakultät der australischen Adelaide University, gegenüber dem SMC.
Besser als nichts
Dennoch scheint Intervallfasten für Menschen mit Übergewicht oder Adipositas in der Regel besser zu sein als gar nichts zu tun: “Der Review legt nahe, dass Intervallfastende über sechs bis zwölf Monate wahrscheinlich mehr Gewicht verlieren im Vergleich zu Menschen, die ihre Ernährung nicht aktiv ändern – nämlich im Mittel drei bis vier Prozent”, erklärt Jörg Meerpohl, Direktor von Cochrane Deutschland. Allerdings empfehlen klinische Leitlinien für Menschen mit Übergewicht und Adipositas einen Gewichtsverlust von mindestens fünf Prozent.
Die Studienlage zeigt also: Intervallfasten kann Menschen mit Übergewicht helfen, ist aber anderen Diätformen nicht überlegen. Ärzte und Patienten sollten daher individuell abwägen, welcher Ansatz am besten zum Alltag und zu den persönlichen Voraussetzungen passt. Die Cochrane-Autoren fordern längere Studien über zwölf Monate hinaus, sowie die Berücksichtigung verschiedener Bevölkerungsgruppen bei den Probanden.
