Bundeskanzler Merz will aus dem Golfstaat Katar mehr Flüssigerdgas beziehen. Das hat er bei seinem Besuch angekündigt. Differenzen könnte es aber bei den Laufzeiten von möglichen Verträgen geben.
Katar ist die zweite Station von Bundeskanzler Friedrich Merz auf seiner Reise in die Golfregion. Was das Emirat für Deutschland attraktiv macht, bringt der ägyptische Energieexperte Ahmed Kandil auf den Punkt: “Katar ist der weltweit größte Exporteur von LNG, von verflüssigtem Erdgas, und Deutschland möchte seine Importe diversifizieren, um weniger abhängig von den USA und Russland zu sein.”
Differenzen gibt es allerdings bei der Frage nach der Laufzeit von Lieferverträgen. Im Rahmen der Energiewende sieht die Bundesregierung die Nutzung von Gas zur Stromerzeugung als Übergangstechnologie – will also keine allzu langfristigen Verpflichtungen eingehen.
Katar dagegen setze auf langfristige Verträge, so Kandil. Da die neuen Projekte zur Erdgasförderung und Transport enorme Summen erforderten, habe Katar stets langfristige Verträge gefordert – um die Rendite solcher Investitionen zu sichern. Die Europäer und insbesondere die Deutschen bevorzugen jedoch kurzfristige Verträge.
Strategische Zusammenarbeit
Bei einem Wirtschaftsforum sprach Kanzler Merz mit dem katarischen Premierminister Emir Scheich Tamim bin Hamad Al-Thani und würdigte die ökonomischen Beziehungen beider Länder – sie seien strategischer Natur.
In Zeiten globaler wirtschaftlicher Umwälzungen, geopolitischer Unsicherheiten und des technologischen Wandels setzen Deutschland und Katar ganz bewusst auf Dialog, Diversifizierung und Investitionen in die Zukunft.
Es gilt allerdings als unwahrscheinlich, dass es während des Aufenthalts von Merz in Katar zu konkreten Vereinbarungen kommt.
Merz sieht Sicherheit durch Iran bedroht
Die Sicherheit im Nahen Osten sieht der Bundeskanzler vor allem durch den Iran bedroht. Vor den für morgen geplanten Gesprächen im Oman zwischen den USA und Vertretern der Führung in Teheran machte der CDU-Politiker die Forderungen Deutschlands in drei Punkten deutlich: Erstens müsse die Gewalt des Regimes gegen die eigene Bevölkerung aufhören, zweitens müsse der Iran sein Nuklearprogramm einstellen und drittens müssten Irans destabilisierende Maßnahmen in der Region ein Ende haben.
Auch die arabischen Golfstaaten wollen verhindern, dass der Iran zur Atommacht wird. In der aktuellen Situation hoffen sie jedoch auf eine Deeskalation zwischen den USA und dem persischen Nachbarn am Golf. Denn sollte es einen amerikanischen Angriff geben, könnte eine iranische Reaktion auch ihren strategischen Interessen schaden – und ihren Geschäften.
Wenn die Straße von Hormus gesperrt oder die Schifffahrtswege in der Region für Exporte beeinträchtigt werden, wäre dies ein gravierendes Problem, da die meisten Golfstaaten zu etwa 80 Prozent oder mehr auf Exporterlöse aus Öl und Erdgas angewiesen sind.
Nächster Stopp Abu Dhabi
Von Katar aus reist der Bundeskanzler weiter nach Abu Dhabi, die Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate.

