Anleihen bleiben eine wichtige Finanzierungsquelle für Staaten. Vielfach steigen die Renditen. Sind Staatsanleihen lukrativer für Anleger, aber möglicherweise auch riskanter?
Steuern und Abgaben alleine reichen nicht: Die allermeisten Staaten geben mehr Geld aus, als sie einnehmen. Sie nehmen Schulden auf, indem sie Staatsanleihen ausgeben. Auf diese Weise holen sie sich Geld von Anlegern.
Auch der Bedarf der Bundesregierung nach frischem Geld ist weiter gewachsen. Die so genannten Sondervermögen für Infrastruktur und Militär dürften maßgeblich dazu beitragen.
Staatsanleihen
Bei Staatsanleihen (Bonds) handelt es sich um Schuldverschreibungen, die der Staat ausgibt, um zusätzlich zu seinen Steuereinnahmen Geld zu bekommen. In der Regel sind es Banken, Investmentfonds und Versicherungskonzerne, die sie zu einem festgelegten Zinssatz erwerben. Sie bekommen am Ende der Laufzeit den vollen Kapitalbetrag zurück. Als Rendite wird die effektive Verzinsung der Staatsanleihe bezeichnet. Die Papiere werden dauernd am Markt gehandelt, sodass sich der Kurs stetig verändert. Wenn viele Investoren sie aus dem Depot werfen, sinkt der Kurs. Für Anleger, die neu zugreifen, steigt daraufhin die Rendite.
Experten sehen das kritisch. “Schulden sind nie gut”, so Arthur Brunner, Händler bei der ICF-Bank. “Zusätzlich zu den Schulden kommen auch noch die Zinsen hinzu.”
Was für den Staat mit höheren Kosten einher geht, bedeutet Gewinne für andere: Anleger profitieren von den Zinsen, die zuletzt sogar gestiegen sind. Dabei hat die Europäische Zentralbank (EZB) im vergangenen Jahr die Leitzinsen sogar mehrfach gesenkt. Wie kommt es da zu steigenden Zinsen?
Zinsen international auf hohem Stand
“Das liegt daran, dass die Inflationssorgen wieder gewachsen sind und die steigenden Staatsschulden eher für Skepsis sorgen”, erklärt Pascal Kielkopf, Analyst beim Vermögensverwalter HQ Trust. Diese Skepsis lassen sich Anleger in Form höherer Zinsen bezahlen.
In Deutschland werfen Anleihen mit zehn Jahren Laufzeit inzwischen knapp 2,9 Prozent Zinsen ab, zu Beginn des Jahres 2024 hatte die Rendite noch bei 2,0 Prozent gelegen. Andere Länder zahlen mehr, wegen vermeintlich höherer Risiken, die am jeweiligen Bonitätsrating abgelesen werden können. Deutschland ist eines der am solidesten bewerteten Länder mit der Bestnote Triple A. Die haben seit einigen Jahren nicht mal mehr die USA.
Rentenmarkt
Der Rentenmarkt, auch als Anleihemarkt bezeichnet, ist der Teil des Kapitalmarkts, an dem fest verzinste Wertpapiere gehandelt werden, unter anderem Anleihen von Staaten und Unternehmen, aber auch von Banken, Ländern, Kommunen und anderen Emittenten (Herausgebern). Die Papiere funktionieren wie ein Kredit. Anleger erhalten am Ende der Laufzeit den gezahlten Preis zurück sowie fest vereinbarte Zinsen (“Rente”).
Während des Handels kann es zu Kursschwankungen und Änderungen bei den Zinsen (Rendite) kommen. Dabei ermittelt die Bundesbank täglich die Renditen der verschiedenen Laufzeiten. Der durchschnittliche Zins wird als Umlaufrendite bezeichnet.
Doch wie sicher ist das? Vor ein paar Jahren standen Griechenland, Irland und andere Staaten wegen ihrer Schulden vor der Zerreißprobe. Erst ein Rettungsschirm der Notenbank sorgte für Ruhe und half bei der Erholung. Arthur Brunner argumentiert daher:
Sollte es zu einer Krise kommen, hat die Europäische Zentralbank sicher auch dieses Mal Notfallpläne getroffen, um gezielt eingreifen zu können. Insofern ist man bei den Rentenmärkten auf mittlere Sicht auf der sicheren Seite.
Anleihengeschäft als Stütze für den Markt
In diesem Jahr wird der Bund eine Rekordsumme über Anleihen einsammeln, die Rede ist von über 512 Milliarden Euro. In dieser Woche geht es verhalten los, mit Papieren im Wert von einer Milliarde und 30 Jahren Laufzeit.
Privatanleger spielten bei diesen Geschäften keine große Rolle, so Pascal Kielkopf. “Sondern es sind institutionelle Anleger, die langfristige Verpflichtungen haben und diese absichern.”
Dazu zählen Banken, Fondsgesellschaften, aber auch Versicherungen. Davon profitieren dann wiederum auch private Anleger: Die Versicherer sichern so nicht nur sich selbst ab, sondern auch die Erträge ihrer Kunden.
Nicht nur Zinsgewinne
So einfach, wie das Anleihegeschäft läuft, so kompliziert kann es unterm Strich werden. Kaum ein Profi kauft eine Anleihe, um am Ende der Laufzeit das eingesetzte Geld plus Zinsen zurückzuerhalten. Die Papiere werden gehandelt, steigen und sinken im Kurs, woraus sich die Rendite errechnet, also ein aktueller Zins.
“Die Rendite ist der Ertrag pro Jahr, den Sie bis zum Laufzeitende erzielen können”, definiert Arthur Brunner. Sinkt also der Kurs einer Anleihe, steigt gleichzeitig die Rendite, und umgekehrt. Steigende Zinsen spiegeln damit auch die Sorge um ein wachsendes Risiko, sind aber für Anleger auch das Salz in der Suppe, weil Anleger mit diesen Sorgen auch Geld verdienen.

