Hohe Erwartungen an den Sicherheitsgipfel der Bahn

Hohe Erwartungen an den Sicherheitsgipfel der Bahn

Evelyn Palla spricht zu Journalisten.

Stand: 13.02.2026 05:55 Uhr

Nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter wird heute über mögliche Konsequenzen beraten. Die Erwartungen an den Sicherheitsgipfel der Bahn sind hoch, doch wie stehen die Chancen auf konkrete Ergebnisse?

Jim-Bob Nickschas

Nicht nur reden, sondern handeln: unter diesem Motto steht der für heute einberufene Sicherheitsgipfel in der Bahn-Zentrale in Berlin. DB-Chefin Evelyn Palla hat Vertreter von Bund, Ländern, Gewerkschaften und Sicherheitsbehörden eingeladen. Sie erwartet von allen Beteiligten, “dass wir jetzt Maßnahmen setzen, um die Sicherheit in den Zügen und an den Bahnhöfen vollumfänglich zu gewährleisten”.

Doch welche Maßnahmen das sein sollen und vor allem: wer sie am Ende umsetzen und bezahlen muss, das dürften die Knackpunkte werden. Dafür spricht auch, dass sich im Vorfeld des Treffens keiner der Beteiligten im Detail dazu äußern wollte. Auch Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) stellte im Vorfeld vor allem Fragen, wie Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter besser vor Gewalt geschützt werden könnten:

Muss ein Mitarbeiter alleine im Zug unterwegs sein oder können das mehrere sein? (…) Wie sieht es mit technischer Ausrüstung aus, mit Bodycams? Es gibt eine Reihe von Vorschlägen, wir müssen sie prüfen.

Rheinland-Pfalz investiert in Bodycams

In Rheinland-Pfalz, wo Anfang des Monats der tödliche Angriff auf den 36-jährigen Zugbegleiter Serkan C. stattfand, ist man schon einen Schritt weiter. Die Landesregierung kündigte nach einem Treffen mit Gewerkschaften und Verkehrsverbänden an, mehrere Millionen Euro für den zusätzlichen Schutz der Mitarbeitenden bereitzustellen. Davon sollen unter anderem Bodycams für den flächendeckenden Einsatz gekauft werden.

Außerdem sollen die Verkehrsunternehmen Zugpersonal flexibler einsetzen dürfen, erklärt Mobilitätsministerin Katrin Eder von den Grünen: “Es wird nicht gesagt: In Regionalexpress XY ist immer ein Zugbegleiter. Sondern man fasst Schichten zusammen, damit die Kolleginnen und Kollegen nicht alleine unterwegs sind.”

Eine doppelte Besetzung pro Zug wird personell aber nicht überall möglich sein. Tatsächlich dürfte auf einigen Strecken im Gegenzug dann gar kein Zugchef mehr mitfahren, gibt Eder zu.

Trauer der Mitarbeitenden in Wut umgeschlagen

Vor diesem Problem stehen auch die Teilnehmer des Sicherheitsgipfels in Berlin. Mehr Personal und Begleitschutz fordern daher Bahn-Gewerkschaften und -Betriebsräte. Ihre Trauer schlägt inzwischen in Wut um: In einem Brief erheben sie Vorwürfe gegen die Bahn-Spitze, zu lange sei nichts gegen die zunehmende Gewalt gegenüber Mitarbeitenden getan worden.

Bahn-Sprecher Achim Staus spielt den Ball im Welt-Interview zurück an die Politik: “Wir wünschen uns von den Bundesländern, die ja für den Regionalverkehr zuständig sind, dass noch mehr Personal bestellt wird. Das ist ja etwas, was die Deutsche Bahn nicht allein entscheidet.”

Wer soll zahlen?

Es droht also ein Ping-Pong-Spiel zwischen Bahn, Bund und Ländern um die Finanzierung weiterer Sicherheitsmaßnahmen – das aber ist das letzte, was beim Gipfel in Berlin passieren sollte, warnt der Linken-Verkehrspolitiker und Bundestagsabgeordnete Luigi Pantisano: “Der Bund muss das Geld geben, weil er die Bahn jahrelang kaputtgespart hat. Und das hat ganz konkrete Auswirkungen auf die Sicherheit der Beschäftigten.”

Wie diese Sicherheit wiederhergestellt werden soll, darauf könnte es schon am Mittag Antworten geben. Dann wollen unter anderem Bahn-Chefin Palla und Bundesverkehrsminister Schnieder mögliche Ergebnisse des Treffens verkünden.

Angriffe gegen Bahnbeschäftigte

Die Deutsche Bahn zählte im vergangenen Jahr mehr als 3.000 Angriffe auf ihr Personal. Das seien etwa acht pro Tag, teilte ein Sprecher des Konzerns mit. Demnach komme es bei Fahrkartenkontrollen, bei der Durchsetzung des Hausrechts sowie am Rande von Volksfesten, Großveranstaltungen und Fußballspielen immer wieder zu verbalen und tätlichen Übergriffen.

Angaben des Bundesinnenministeriums ermöglichen eine genauere Zuordnung: Im Jahr 2025 registrierte die Bundespolizei unter anderem 2.689 Gewaltdelikte gegen Beschäftigte der Bahn. Im Jahr 2024 lag die Zahl noch bei 2.412 Gewaltdelikten.

Für Januar bis Oktober 2025 finden sich Angaben, die nach den drei häufigsten Straftaten aufgeschlüsselt wurden: In diesem Zeitraum erfasste die Bundespolizei 1.555 Körperverletzungen, darunter 324 gefährliche Körperverletzungen. Zudem wurden 1.148 Fälle registriert, in denen Beschäftigte bedroht wurden. In der Erfassung erfolgte keine weitere Klassifizierung der Tatzeit, daher können auch Fälle außerhalb des Dienstes sowie auf dem Weg zum oder vom Dienst enthalten sein.

Die Hälfte der Angriffe betrifft laut dem Bahnsprecher das Zugpersonal im Regionalverkehr. Auf Sicherheitskräfte entfällt gut ein Drittel. Auch Reinigungskräfte oder Servicekräfte am Bahnhof werden Opfer von Angriffen.

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