marktbericht
Zur Wochenmitte beherrschen Gewinnmitnahmen das Bild. Eine Ausnahme ist Bayer. Der DAX-Konzern sieht seine Pharmasparte wieder auf Wachstumskurs. Zudem steht ein wichtiger Gerichtsentscheid an.
Der Aktienmarkt atmet aus: Nach der wilden Rekordrally überwiegen zur Wochenmitte die Verkäufer. Bis gegen Mittag verliert der DAX 0,3 Prozent auf 25.339 Punkte.
Gegen den Trend stemmt sich die Aktie von Bayer mit einem Plus von fast sechs Prozent. Erstmals seit Herbst 2023 notiert der DAX-Titel wieder über 40 Euro. Auslöser sind Äußerungen des Chefs der Pharmasparte Stefan Oelrich am Rande der JPMorgan Healthcare Conference in San Francisco. “Wir haben jetzt fünf große Blockbuster-Kandidaten”, sagte das Vorstandsmitglied.
Damit meint Oelrich Medikamentenkandidaten mit einem möglichen Jahresumsatz von mindestens einer Milliarde Dollar. In den kommenden Jahren bis in die 2030er-Jahre hinein erwartet der Manager auch daher ein “extrem gutes” Wachstum.
Vielversprechende Medikamenten-Pipeline
Bis spätestens 2027 will Bayer sein Pharmageschäft wieder auf einen Wachstumskurs im mittleren einstelligen Prozentbereich bringen. Die operative Marge, also das Verhältnis zwischen operativem Ergebnis und Umsatz, soll bis 2030 auf etwa 30 Prozent steigen.
Der Vorstand setzt dabei unter anderem auf einen fortgesetzten Erfolg des Prostatakrebs-Medikaments Nubeqa sowie von Kerendia gegen die chronische Nierenerkrankung und eine bestimmte Form der Herzinsuffizienz. Große Hoffnungen liegen zudem auf dem Blutgerinnungshemmer Asundexian in der Schlaganfallprävention, nachdem Studiendaten im November überzeugt hatten. In drei Wochen sollen die detaillierten Studiendaten veröffentlicht werden, so Oelrich. Die Analysten von Kepler Cheuvreux schrieben jüngst, dass sie im Falle eines “ordentlichen” Ergebnisses der Studie von einem erreichbaren Jahresumsatz von einer Milliarde Euro ausgingen. Bei “exzellenten” Studienresultaten seien sogar zwei Milliarden Euro denkbar.
Damit würde sich die Belebung des Pharmageschäfts fortsetzen, auf das viele Analysten wegen des Auslaufens von Patenten auf die Kassenschlager Xarelto, einen Blutgerinnungshemmer, und das Augenmedikament Eylea lange skeptisch geschaut hatten. Die lange Zeit angenommene “Patentklippe” erscheine mittlerweile nur noch wie eine kleinere Unebenheit auf einer Straße, so die Experten von Kepler.
Nimmt das Supreme Court den Fall Glyphosat an?
Neben der neu erwachten Fantasie für das Pharmageschäft hegen die Bayer-Aktionäre aber noch eine andere Hoffnung. Dank Unterstützung der US-Regierung könnte – wenn alles gut für Bayer läuft – noch in diesem Sommer ein juristischer Schlussstrich unter die Causa Glyphosat gezogen werden.
An diesem Freitag könnte der Oberste Gerichtshof über die Annahme eines wichtigen Glyphosat-Falls entscheiden, wie es der Generalanwalt der Regierung empfohlen hatte. Darin geht es um die Frage, ob Bundesrecht zu Warnhinweisen beim Glyphosat-Verkauf über dem Recht von Bundesstaaten steht. Bis Ende Juni könnte es dann zu einem Grundsatzurteil kommen, das für den DAX-Konzern Rechtssicherheit schaffen und die Gefahr weiterer Klagen wegen möglicher Krebsrisiken des Herbizids weitgehend ausräumen könnte.
Bereits viele Vorschusslorbeeren
Die Fantasie ist also zurück für die Bayer-Aktie, der insbesondere die Glyphosat-Klagen und die damit verbundenen Milliardenkosten hart zugesetzt hatten. Noch Ende 2024 war das Papier für weniger als 20 Euro zu haben. Seither hat die Aktie jedoch eine Menge Vorschusslorbeeren eingeheimst. Im vergangenen Jahr hatte sie mehr als 90 Prozent gewonnen, in diesem Jahr ging es bereits um rund neun Prozent nach oben.
An der Börse wird zwar die Zukunft gehandelt, wie das Sprichwort zu Recht feststellt. Aber es dürfte an der Zeit sein, dass die Hoffnungen auch durch Fakten bestätigt werden.

