Hochwasser in Marokko: Nach der Flucht die Versorgungskrise

Hochwasser in Marokko: Nach der Flucht die Versorgungskrise

Marokkaner, die vor Überschwemmungen durch ein Sturmtief geflüchtet sind, leben in einer Zeltstadt.

Stand: 09.02.2026 20:56 Uhr

Mehr als 150.000 Menschen sind aus den Überschwemmungsgebieten im Nordwesten Marokkos evakuiert worden. Wann sie aus den Zeltstädten in ihre Heimatorte zurückkehren können, ist noch völlig offen.

Von Sarah Mersch, ARD-Studio Rabat

Eine ältere Frau berichtet der marokkanischen Webseite Hespress, sie sei mit ihrer Familie vor den Überschwemmungen aus Ksar-el-Kebir im Nordwesten Marokkos geflohen. Mit dem bisschen Geld, das sie haben, hätten sie sich ein Zimmer in der Küstenstadt Asilah gemietet. Zu elft wohnten sie auf 25 Quadratmetern. Doch jetzt reiche das Geld nicht mehr für Decken oder Lebensmittel.

Die Menschen seien vor den Überschwemmungen geflohen, doch ihre Situation sei fast noch schlimmer als in den betroffenen Regionen, so ein anderer Mann aus Ksar-el-Kebir – der Stadt, die am schlimmsten von den Überschwemmungen getroffen und fast vollständig evakuiert wurde. Er appelliert an die Zivilgesellschaft und die Behörden, sich endlich auch um sie zu kümmern – um diejenigen, die auf eigene Faust geflohen sind, als sich die Situation vor zwei Wochen verschärfte.

Freiwillige helfen so gut wie möglich

In Larache, der nächstgrößeren Stadt an der Küste, hat der marokkanische Verein für Zivilschutz kurzerhand einen Festsaal umfunktioniert. Wo sonst Hochzeiten gefeiert werden, gibt es jetzt warmes Essen für die Flutopfer.

Mit vielen Freiwilligen versuchten sie, drei Mahlzeiten am Tag anzubieten. Tausend Leute hätten sie schon versorgt, so Ibrahim Raji zu Hespress. Er gehe davon aus, dass es noch deutlich mehr werden in den nächsten Tagen.

Zwangsweise Evakuierungen

Ksar-el-Kebir gleicht inzwischen einer Geisterstadt, ist menschenleer und steht fast völlig unter Wasser. Nachdem im Dezember im Süden des Landes nach Starkregenfällen 37 Menschen ums Leben gekommen sind, haben die marokkanischen Behörden dieses Mal alles daran gesetzt, das Schlimmste zu verhindern.

Mehr als 150.000 Menschen wurden evakuiert, ob sie gehen wollten oder nicht. Das Militär hat Zeltstädte aufgebaut und Notunterkünfte errichtet. Dort sei die Versorgung der Menschen gesichert, sagte Adil Al Khatabi, der die Versorgung in der Provinz Kenitra koordiniert, der Nachrichtenagentur AFP.

Weitere Überschwemmungen befürchtet

Für Decken, Matratzen, Essen, sogar Gesundheitsversorgung für Menschen und Tiere sei gesorgt. Sorgen bereiten den Anwohnern und den Behörden insbesondere die Füllstände der Staudämme. Mehrere sind übervoll, aus ihnen wird kontrolliert Wasser abgelassen, damit sie nicht überlaufen oder bersten. Doch dies führt neben den anhaltenden Regenfällen dazu, dass die Flusspegel noch weiter steigen.

Landwirt Abdelkrim, der zu Fuß mit seinen fünf Kühen und fünfzig Schafen vor den Wassermassen geflohen ist, hofft wie viele Menschen aus Ksar-el-Kebir, dass er schon bald nach Hause zurückkehren kann, vielleicht in zwei Wochen – auch wenn er nicht sicher ist, dass sein Lehmhaus dann noch steht.

Entschädigungen ungewiss

Ob er und die anderen Betroffenen nach ihrer Rückkehr auf finanzielle Unterstützung des Staates hoffen können, ist noch offen. Vertreter von Gewerkschaften und Zivilgesellschaft fordern, die betroffenen Regionen zum Katastrophengebiet zu erklären, damit die Bewohner Nothilfen beantragen können.

Nach mehr als vierzehn Tagen Stürmen und Dauerregen soll sich die Wetterlage gegen Mitte der Woche hin etwas entspannen. Das marokkanische Innenministerium warnt die Menschen jedoch davor, sich vorschnell auf den Rückweg zu machen. Noch sei die Gefahr nicht gebannt. Am Wochenende war in der Provinz Tetouan ein Auto von den Wassermassen mitgerissen worden. Vier Personen konnten nur tot geborgen werden, eine fünfte wird noch vermisst.

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