Der DAX ist obenauf, doch die Aktie von Heidelberg Materials kassiert einen herben Dämpfer – trotz Rekordergebnis. Das liegt vor allem an der Debatte über eine Aufweichung der EU‑Klimaregeln.
Nach dem schwachen Wochenauftakt hat der DAX am Mittwoch die Sorgen wegen der neuen US-Zölle abgeschüttelt. Das Börsenbarometer kletterte zur Mittagsstunde um rund ein halbes Prozent auf bis zu 25.103 Punkte.
Der EuroStoxx50 markierte ein Allzeithoch. “Wegen Trumps neuer Zölle ist der DAX nur kurzzeitig aus dem Tritt gekommen”, kommentierte Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank.
Heidelberg Materials mit Rekordgewinn
Doch es gibt auch eine Reihe von Verlierern im DAX, dazu gehört auch die Aktie von Heidelberg Materials. Der Baustoffkonzern schloss zwar 2025 mit einem Rekordergebnis ab, wie die heute veröffentlichten Bilanzzahlen zeigen. Aber an der Börse gibt es einen Dämpfer wegen der politischen Debatte um eine Aufweichung der EU‑Klimaregeln.
Heidelberg Materials steht für einen Stoff, ohne den keine Brücke, kein Windradfundament, kein Wohnhaus entsteht: Zement. Eigentlich eine Branche, die zu den größten CO2-Verursachern gehört. Doch der Konzern ist gar nicht so ein Umweltsünder.
CO2-Sparen mit Zement
Denn Heidelberg Materials hat früh begonnen, die Produktion umzubauen – mit Verfahren zur Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid. Milliarden hat der DAX-Konzern dafür investiert.
Die Idee dahinter: Wer jetzt schon CO2 spart, ist später im Vorteil. Firmen müssen perspektivisch Jahr für Jahr für jede Tonne CO2 mehr zahlen. Früher gab es kostenlose Zertifikate, damit europäische Unternehmen im internationalen Wettbewerb nicht benachteiligt werden. Wer weniger ausstößt, spart Geld und hat einen klaren Kostenvorteil.
Bauturbo gibt Hoffnung
Zusätzlicher Rückenwind kommt vom sogenannten Bauturbo in Deutschland: Staatliche Infrastrukturprogramme sorgen weiterhin für stabile Nachfrage nach Baustoffen. Anleger spekulieren zudem auf den Wiederaufbau in der Ukraine – mögliche Projekte könnten Zement brauchen, und das wäre für Heidelberg Materials von Vorteil.
Erfolgsstory bekommt Risse
Doch jüngst hat die Erfolgsstory von Heidelberg Materials Risse bekommen. In Brüssel wird diskutiert, ob die Klimapläne gelockert werden könnten. Für Heidelberg Materials heißt das: Der finanzielle Vorteil durch die teuren Klima-Investitionen kommt später – oder fällt kleiner aus.
Die Aktie hat das schon zu spüren bekommen. Nach der vorherigen Rally, die das Papier auf ein Rekordhoch von fast 242 Euro gebracht hatte, liegt sie heute unter 200 Euro – ein Wertverlust von fast einem Fünftel. Auch die aktuellen Rekord-Geschäftszahlen und die neue Prognose ändern daran wenig: Analysten sehen nämlich in der Unternehmensprognose kaum noch Luft nach oben im Vergleich zu den bisherigen Analystenschätzungen.
Der Konzern plant weitere Kosteneinsparungen, den Ausbau seiner klimafreundlichen Produkte und setzt auf stabile Margen. Analysten halten mittelfristig an positiven Bewertungen fest.
Am Ende zeigt der Fall Heidelberg Materials: Für viele Industrieaktien entscheidet nicht nur das Produkt, sondern auch die politische Bewertung der Rahmenbedingungen über den Börsenwert. Klimapolitik ist längst kein reines Umwelt-Thema mehr – sie hat handfeste wirtschaftliche Folgen für Unternehmen und Anleger.
