Grönland: Europäer schlagen verstärkte NATO-Präsenz vor

Grönland: Europäer schlagen verstärkte NATO-Präsenz vor

Johann Wadephul

Stand: 12.01.2026 10:52 Uhr

Trumps Drohungen gegen Grönland sorgen seit Tagen für Spannungen. Nun schlagen die Europäer vor, die NATO-Präsenz in der Arktis zu erhöhen, um Trumps Sicherheitsargumente zu entkräften. Doch der will davon nichts wissen.

Vor dem Hintergrund des US-Anspruchs auf Grönland hat Bundesaußenminister Johann Wadephul erklärt, die Frage der Sicherheit im Nordatlantik solle im Rahmen der NATO gelöst werden. Die Welt ändere sich und es gebe neue Sicherheitsherausforderungen, sagte Wadephul gestern bei einem Zwischenstopp in Island auf seinem Flug in die USA. “Und darauf werden wir immer richtige Antworten finden müssen. Aber Antworten eben im NATO-Rahmen.”

Deutschland sei immer bereit dazu, dies im Bündnis miteinander zu besprechen. Heute wird Wadephul in Washington von seinem Amtskollegen Marco Rubio empfangen.

US-Präsident Trump begründet den Anspruch der USA auf Grönland mit der Abwehr von Russland und China. Demnach müssen die USA die Insel aus Gründen der nationalen Sicherheit unter ihre Kontrolle bringen. Er drohte wiederholt mit der gewaltsamen Einnahme Grönlands.

Europäer schlagen Ausbau der Bündnispräsenz vor

Mehrere NATO-Staaten wie Großbritannien sprachen sich zuletzt für einen Ausbau der Bündnispräsenz in der Arktis aus. Ein Vorschlag sieht Diplomaten zufolge einen Überwachungseinsatz mit dem Namen “Arctic Sentry” (etwa: Wächter der Arktis) vor. Er soll den Amerikanern das Argument nehmen, dass die Sicherheit in der strategisch wichtigen Region nicht ausreichend gewährleistet werden kann.

Die Zeitung The Telegraph hatte am Samstag berichtet, britische Militärs berieten mit Kollegen aus anderen europäischen Ländern über einen NATO-Einsatz in Grönland. Auch Deutschland sei an den Gesprächen beteiligt. Die Agentur Bloomberg meldete unter Berufung auf Insider, dass Großbritannien und Deutschland mit anderen Staaten eine Stärkung der Militärpräsenz in Grönland erörterten.

Trump gibt sich unbeeindruckt

US-Präsident Trump lässt sich von seinem Gebietsanspruch auf Grönland durch diese Vorschläge offenbar nicht abbringen. An Bord der Air Force One konfrontierte ihn eine Journalistin damit, dass Großbritannien und Deutschland aktuell Pläne für mehr Schutz der Sicherheit in der Arktis im NATO-Rahmen diskutieren würden. Die Frage, ob das etwas an seiner Einschätzung ändere, verneinte Trump.

“Wir sprechen über Erwerb, nicht über eine Pacht”, betonte er. Trump machte dabei klar, dass es ihm darum gehe, Grönland langfristig zu besitzen. Einmal mehr rechtfertige er das damit, dass sich sonst China oder Russland die Insel einverleiben würden. “Wenn wir Grönland nicht nehmen, werden es Russland oder China tun, und das werde ich nicht zulassen”, sagte der US-Präsident.

Dänische Regierungschefin warnt

Grönland ist mit seinen 57.000 Einwohnern ein autonomes Gebiet Dänemarks. Dänemark ist ebenso wie die USA Mitglied der NATO. Die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen hatte in der vergangenen Woche gewarnt, dass ein Angriff der USA auf ein anderes Bündnismitglied das Ende der NATO und der gesamten Nachkriegs-Sicherheitsarchitektur bedeuten würde. Trump sagte dazu am Sonntag: “Wenn es sich auf die NATO auswirkt, dann wirkt es sich auf die NATO aus. Aber wissen Sie, sie (Grönland) brauchen uns mehr als wir sie.”

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