Ein Gerücht hat gereicht: In einem alten Viehgehege nahe einem südafrikanischen Armenviertel graben seit Tagen Menschen nach Gold. Die Behörden sprechen von illegalem Bergbau. Die Anwohner hoffen auf eine bessere Zukunft.
Der Acker ist übersät mit Kratern und Sandhaufen. Überall in dieser Mondlandschaft sind Menschen mit Schaufeln und Schubkarren unterwegs, wühlen immer neue Löcher. Andere versuchen, aus dem dunkelgrauen Sand ein paar Goldkrümel zu sieben. Männer, Frauen, am Nachmittag auch Kinder, die direkt von der Schule zum Schürfen kommen.
Nceba Mnukwa wohnt in Gugulethu, einem Armenviertel 50 Kilometer östlich von Johannesburg. “Hier herrscht Goldgräberstimmung”, sagt sie. Die Leute hätten entdeckt, dass es in dem Viehgehege etwas zu schürfen gibt. “Seitdem das bekannt wurde, sind die Menschen unruhig, sie gehen dorthin, um zu graben und finden jeden Tag etwas, das sie auf den Tisch legen können.”
Behörden sprechen von illegalem Bergbau
Angefangen hatte alles vor ein paar Tagen mit einem Gerücht. Sieben Gramm Gold sollen in Gugulethu entdeckt worden sein. Die Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Seit der Goldpreis regelrecht explodiert ist, können schließlich auch kleine Funde wertvoll sein.
Dabei ist gar nicht klar, ob es sich tatsächlich um Gold handelt – oder nur um gelben Staub. Für die Behörden allerdings steht fest: Das, was in Gugulethu passiert, verstößt gegen das Gesetz.
So erklärt die Sprecherin des Bergbau-Ministeriums Mmadikeledi Moloto: “Wir können bestätigen, dass die Personen, die dort sind, kein Verfahren gemäß unseren Gesetzen durchlaufen haben. Daher sind alle Aktivitäten, die sie dort unternehmen, nicht autorisiert und illegal.” Solch illegaler Bergbau könne nicht toleriert werden, so Moloto.
Die Behörden gehen gegen “illegalen Bergbau” in Gugulethu vor.
Die Verwaltung der zuständigen Metropolregion Ekurhuleni hat inzwischen einen Polizeieinsatz gegen die Goldschürfer angeordnet. Werkzeuge wurden beschlagnahmt, drei Männer festgenommen.
“Die Anklage in allen Fällen lautet illegaler Bergbau”, sagt der Behördensprecher Phakamile Mbengashe. Die Männer hätten gewusst, dass es verboten sei, Bodenschätze ohne Bergbaurechte abzubauen. “Wir freuen uns, dass wir einige Personen festnehmen konnten. Laut Polizei laufen im Hintergrund weitere Ermittlungen, um die Drahtzieher zu fassen: die wirklich gefährlichen Personen, die andere zum Graben drängen oder zwingen”, so Mbengashe.
Armut als treibende Kraft
Anders als die zum Teil gewalttätigen Zama Zamas, die im Auftrag internationaler Syndikate in stillgelegten Bergwerken graben, kommen die meisten Goldschürfer in Gugulethu nicht aus dem benachbarten Ausland. Sie stammen aus der direkten Umgebung, die von Armut und Perspektivlosigkeit geprägt ist.
Diese Menschen treibt nicht die Habgier an, sondern der Hunger – so sieht das Südafrikas Gewerkschaftsbund COSATU. Er verlangt nachhaltige Maßnahmen, um die Ursachen des illegalen Bergbaus zu bekämpfen, nicht nur die Symptome.
Dennoch kündigt Behördensprecher Mbengashe ein entschiedenes Vorgehen an: “Wer versucht, erneut zu graben, tut das auf eigenes Risiko. Wir verhandeln nicht, es wird festgenommen. Darüber hinaus beginnen unsere Teams, die Löcher dichtzumachen.” Es sei wichtig, dass der Ort sicher sei – besonders weil dort Kinder lebten, so Mbengashe. “Wir wollen die Löcher schließen und das Gebiet regelmäßig kontrollieren.”
Die Glücksjäger von Gugulethu dürften sich dadurch aber genauso wenig abschrecken lassen wie von den Absperrungen. Schon in der Nacht nach dem Polizeieinsatz waren die ersten Goldschürfer wieder zurück.

