marktbericht
Die Kursturbulenzen bleiben den Finanzmärkten auch im neuen Monat erhalten. Kursbestimmend war am Morgen ein weiterer scharfer Einbruch bei Gold und Silber. Mittlerweile hat sich die Lage beruhigt.
Die außergewöhnlichen Turbulenzen bei Gold und Silber strahlen auch auf die anderen Märkte aus. Den schwachen Start des DAX in die neue Woche erklären Experten vor allem damit, dass die starke Abwärtsbewegung der Edelmetalle auch andere Vermögenswerte mitgerissen hat: Die Verluste hätten automatische technische Verkäufe in anderen Vermögenswerten ausgelöst, “obwohl diese mit der starken Kurskorrektur dort nichts zu tun haben”, kommentierte Jochen Stanzl, Analyst der Consorsbank.
Bis zum Mittag hat sich der Aktienmarkt wieder deutlich stabilisiert. Der DAX hat sich kontinuierlich nach oben gearbeitet und gewinnt am frühen Nachmittag 0,9 Prozent auf 24.760 Punkte.
Gold- und Silberpreis im Verlauf etwas erholt
Zunächst hatten die Notierungen für Gold und Silber auch zu Wochenbeginn ihre scharfe Korrektur fortgesetzt. Der Goldpreis stürzte am Morgen mit 4.402 Dollar pro Feinunze auf den tiefsten Stand seit vier Wochen, bis sich die Notierung wieder erholte. Am frühen Nachmittag kostet eine Feinunze mit 4.779 Dollar in etwa so viel wie am Freitagabend. Erst am Donnerstag hatte das Edelmetall mit 5.595 Dollar den höchsten Stand aller Zeiten erreicht.
Auch der Silberpreis konnte sich etwas stabilisieren. Hier war der Einbruch noch drastischer ausgefallen. Der Preis für eine Feinunze sackte am Morgen zeitweise auf 71,38 Dollar, nach einem Rekordhoch von 121,65 Dollar in der vergangenen Woche. Zuletzt wurde Silber bei 83,83 Dollar gehandelt.
“Warsh-Schock” lässt Edelmetalle einbrechen
Wesentlicher Auslöser der scharfen Korrektur bei den Edelmetallen seit Freitag war eine handfeste Überraschung: US-Präsident Donald Trump nominierte Kevin Warsh als künftigen Chef der US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Der ehemalige Fed-Gouverneur gilt eigentlich als “Falke”, der eher zu einem restriktiveren Zinspfad neigt, um so die Inflation in den Griff zu bekommen. Beobachter hatten lange erwartet, dass Trump einen Befürworter einer lockereren Geldpolitik an die Fed-Spitze beruft. Marktteilnehmer sprachen von einem regelrechten “Warsh-Schock”.
Die Personalie hat also die Perspektive weiter sinkender US-Zinsen erschüttert, was zum einen den Dollar stärkte. Da Metalle auf dem Weltmarkt in Dollar gehandelt werden, hat der Kurs der amerikanischen Währung einen großen Einfluss auf die Nachfrage. Ein starker Dollar macht die Metalle teurer, was die Nachfrage bremst und die Preise belastet. Zugleich wird das zinslose Gold relativ attraktiver, wenn die Zinsperspektiven nicht mehr so stark nach unten weisen.
Im Rückblick auf den scharfen Preisanstieg für Gold und Silber muss man von einem kurzfristigen “Überschießen” der Preise sprechen. Die extreme Marktbewegung hatte auch Spekulanten angelockt, die auf Kredit auf weiter anziehende Preise der Edelmetalle gesetzt hatten und nun auf dem falschen Fuß erwischt wurden. Diese müssen dann Positionen glattstellen, was die Preise weiter belastet – eine Abwärtsspirale entsteht, bis die Lage bereinigt ist.
Analysten erwarten weiteren Kursanstieg
Dennoch bleiben viele Beobachter optimistisch, was die weiteren Perspektiven für die Edelmetalle angeht. Die Rohstoffexperten der Deutschen Bank haben ihr Ziel für den Goldpreis bei 6.000 Dollar im Laufe dieses Jahres bekräftigt. Laut Analyst Michael Hsueh bleiben die fundamentalen Kurstreiber bestehen. Neben den geopolitischen Unsicherheiten verweist Hsueh vor allem auf eine anhaltend starke Nachfrage chinesischer Anleger. Auch die Aussicht auf weiter fallende Zinsen bleibt auch nach der Personalentscheidung für die Fed-Spitze erhalten.
Die Analysten von Heraeus sehen die Gründe für steigende Preise ebenfalls weiter intakt. “Fundamentale Veränderungen waren für die jüngste Entwicklung hingegen nur von untergeordneter Bedeutung”, so die Edelmetallexperten.

