Tausende Urlauber sitzen nach den Angriffen aus Iran in der Golfregion fest. Auch in der Glitzermetropole Dubai ist die Stimmung angespannt. Deutsche Touristen müssen warten und hoffen.
Ein paar entspannte Tage wollten Kerstin Münch und ihr Mann Werner Stroemberg in Dubai verbringen. Jetzt sitzen die beiden Deutschen in ihrem Hotel fest, wo das ARD-Team sie am Sonntag trifft. Ihr Sohn in Deutschland überbringt telefonisch die schlechte Nachricht: Auch zum Wochenanfang können sie nicht nach Hause. Nach den Raketenangriffen aus Iran ist der Flugbetrieb im Land bis auf weiteres eingestellt.
Trümmer am Flughafen Dubai, schwarze Rauchsäulen über der Stadt, Bilder von einem brennenden Luxus-Hotel. Die Nerven liegen blank. Kerstin Münch hat Angst – auch dass ihr Hotel getroffen werden könnte. Eine Nacht haben sie in der Lobby verbracht. “Wenn es heute Nacht wieder so ist, dass wir einen Alarm kriegen, dann rennen wir das Treppenhaus runter und gehen aber diesmal in die Tiefgarage”, sagt Münch.
Bundesregierung will Deutsche ausfliegen
Die Bundesregierung bereitet die Rückholung von Kindern, Kranken und Schwangeren unter den im Nahen Osten gestrandeten Deutschen vor. Dazu würden Maschinen von Fluglinien nach Riad und Maskat geschickt, sagte Außenminister Johann Wadephul.
Wegen der Eskalation in Nahost sitzen schätzungsweise 30.000 Urlauber von deutschen Reiseveranstaltern in der Region fest. Über mehreren Ländern ist der Luftraum gesperrt. Von dort sind Rückflüge nicht möglich.
Wie die Bundesregierung deutsche Touristen unterstützt, lesen Sie hier.
Strand verwaist, Burj Khalifa evakuiert
So wie dem deutschen Ehepaar geht es vielen. In der Glitzermetropole Dubai ist die Stimmung angespannt. Tausende Touristinnen, Geschäftsleute und Gastarbeiter sitzen seit Tagen fest. Für Dubai sowie die knapp 140 Kilometer entfernte Hauptstadt Abu Dhabi bedeutet der Angriff aus Iran auch einen Imageverlust.
Die Golfregion zählt zu den sichersten Reiseländern in der Region. Besonders im Winter sind Strände gut besucht mit Touristen. Jetzt trauen sich nur wenige ans Meer. Die Attraktion Burj Khalifa, das höchste Gebäude der Welt, wurde am Wochenende evakuiert.
Mehrere Menschen ums Leben gekommen
Reem Al Hashimy, Ministerin für internationale Zusammenarbeit in den Vereinigten Arabischen Emiraten, versucht im Interview mit dem Fernsehsender CNN, jedem Eindruck von Unsicherheit entgegenzuwirken. Man habe eins der besten Flugabwehrsysteme der Welt und tue alles, um weiterhin für Sicherheit zu sorgen, meint Al Hashimy.
Doch der Schock bei Einheimischen sowie Ausländern sitzt tief. Zwar teilten alle Golfländer mit, die meisten Raketen aus Iran in die Region konnten abgewehrt werden. Aber es gibt Tote. Mehrere Menschen sind nach Angaben des Verteidigungsministeriums der Emirate ums Leben gekommen, Gastarbeiter aus Pakistan, Nepal und Bangladesch – durch Angriffe und herabfallende Raketentrümmer.
“Alle wollen weg. Wir auch”
Bleibt die Frage: Werden die Vereinigten Arabischen Emirate zurückschlagen? “Wir hoffen, dass es nicht so weit kommt”, sagt die Ministerin. Aber man werde auch nicht tatenlos zusehen, bei weiteren unrechtmäßigen und ungerechtfertigten Angriffen.
Das deutsche Ehepaar, das in Dubai im Hotel festsitzt, beruhigen die offiziellen Stellungnahmen der Emiratis nicht. Sie wollen nur eins: schnell weg aus Dubai. “Alle wollen weg. Wir auch.”


