“Geoökonomische Konfrontation”: aktuell die größte globale Gefahr?

“Geoökonomische Konfrontation”: aktuell die größte globale Gefahr?

Auf einer Glasscheibe ist das Logo des "WORLD ECONOMIC FORUM" vor einem Bergpanorama zu sehen. (Archivbild: 20.1.2025)

Stand: 14.01.2026 14:49 Uhr

Zölle als Druckmittel in der internationalen Politik gehören laut dem Risiken-Bericht des Weltwirtschaftsforums aktuell zu den größten weltweiten Gefahren. Langfristig sei aber ein anderes Risiko am größten.

Kathrin Hondl

Als die mit Abstand größte aktuelle Gefahr für eine globale Krise nennt der Risiken-Bericht des Weltwirtschaftsforums “geoökonomische Konfrontation” – und meint damit, ohne explizit die Politik von US-Präsident Trump zu nennen, unter anderem Handelszölle, die als politisches Druckmittel eingesetzt werden.

“Zölle, Sanktionen, Investitionsscreening, Wettbewerb um kritische Mineralien und Ressourcen – all das geschieht gerade”, sagt Saadia Zahidi, Geschäftsführerin des Weltwirtschaftsforums. “Und so ist es verständlich, dass sowohl für 2026 als auch die kommenden zwei Jahr Führungskräfte und Experten das als das größte Risiko eingestuft haben. Die wirtschaftlichen Risiken sind stärker gestiegen als jede andere Kategorie.”

Verschiebung der Prioritäten

Auf den nächsten Plätzen im neuen Ranking der globalen Risiken folgen zwischenstaatliche Konflikte und extreme Wetterereignisse. Vor einem Jahr war die Reihenfolge noch anders – da dominierten klar Sorgen vor Kriegen und Extremwetter die globale Gefahrenliste.

Umweltgefahren wie der Klimawandel oder der Verlust der Artenvielfalt werden aktuell von den rund 1.300 befragten Führungskräften aus Wirtschaft und Politik deutlich niedriger eingeschätzt als in den Jahren zuvor. Auf die kommenden zehn Jahre gesehen gelten Extremwetter und Artensterben allerdings als größte Gefahren für die Welt.

Das sei paradox, meint auch Mark Elsner, leitender Risikoexperte beim Weltwirtschaftsforum und Autor des Berichts: “Extreme Wetterereignisse sind um zwei Plätze zurückgefallen, Umweltverschmutzung um drei Plätze. Wir beobachten hier eine Prioritätsverschiebung.” Diese langfristigen Risiken müssten aber heute angegangen werden, damit sie nicht eintreten.

Mögliche Negativeffekte Künstlicher Intelligenz

Dass der Welt eine ruhige Zeit bevorsteht, glaubt von den befragten Führungskräften, Expertinnen und Experten nur ein Prozent. Gut die Hälfte rechnet mit einer turbulenten, stürmischen Weltlage in den kommenden zwei Jahren. Das sind 14 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Gleichzeitig wächst die Sorge vor weiteren Gefahren, etwa durch gesellschaftliche Polarisierung sowie Fehl- und Desinformation oder Negativeffekte von Künstlicher Intelligenz. Es sind düstere Perspektiven – aber, so betont WEF-Geschäftsführerin Saadia Zahidi, keine Vorhersagen.

“Es liegt in der Hand der Führungskräfte”

“Die Zukunft ist nicht festgelegt. Alles liegt jetzt voll und ganz in der Hand der globalen Führungskräfte – es kommt auf ihre Entscheidungen an”, so Zahidi. “Ja, der Klimawandel ist ein wichtiger struktureller Faktor, aber es ist sicherlich noch Zeit zu handeln. Und ja, wir leben in einer Welt mit größerem Wettbewerb, und Zusammenarbeit mag anders sein als früher. Aber es kommt nun wirklich darauf an, die Menschen zusammenzubringen.”

Und das wolle das Weltwirtschaftsforum bei seinem Treffen kommende Woche in Davos versuchen. Ziel sei, so sagt Saadia Zahidi, eine “Koalitionen der Willigen”. Deshalb wolle man Führungskräfte aus Wirtschaft und Politik im “Geist des Dialogs” zusammenbringen.

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