Gasspeicher leeren sich zunehmend: Gibt es neue Preissprünge?

Gasspeicher leeren sich zunehmend: Gibt es neue Preissprünge?

Erdgasspeicher Rehden

Stand: 17.02.2026 14:20 Uhr

Die deutschen Gasspeicher sind nur noch zu knapp 24 Prozent gefüllt, deutlich weniger als im Vorjahr. Trotzdem bleiben die Preise bislang stabil, und Experten geben vorerst Entwarnung.

HR-Redakteur Emal Atif

Schnee, Frost, Minusgrade: In vielen Teilen Deutschlands wird derzeit viel geheizt. Gleichzeitig sind die Gasspeicher ungewöhnlich leer. Laut Bundesnetzagentur liegen die Füllstände bundesweit nur noch bei knapp 24 Prozent. Zum Vergleich: Vor einem Jahr waren die Reserven noch um rund 20 Prozentpunkte besser gefüllt. Es ist damit der niedrigste Stand seit rund zehn Jahren.

Dass die Reserven so stark geschrumpft sind, liegt aber nicht nur an der aktuellen Kältewelle. Deutschland war bereits mit vergleichsweise niedrigen Füllständen in die Heizsaison gestartet. Im vergangenen Sommer wurden die Speicher weniger stark aufgefüllt als in den Jahren zuvor.

Keine Panik an den Märkten

Trotz der niedrigen Speicherstände zeigt sich an den internationalen Handelsplätzen ein ruhiges Bild. Am richtungsweisenden niederländischen Handelsplatz TTF notierten die Gaspreise zuletzt unter der Marke von 31 Euro pro Megawattstunde, ein Fünf-Wochen-Tief.

Händlerinnen und Händler bleiben also dennoch gelassen, erklärt auch Analyst Andreas Maulberger von Union Investment. “Für diesen Winter gibt es auf keinen Fall einen Grund zur Sorge.” Zwar seien die Speicher in Deutschland mit knapp 24 Prozent vergleichsweise niedrig gefüllt und europaweit liege der Stand mit rund 34 Prozent etwas höher.

“Von diesem Zeitpunkt weg haben wir in den letzten Jahren üblicherweise rund zehn Prozent verbraucht”, so Maulberger. Bei einem normalen Wetterverlauf rechne er also damit, dass die Bestände bis zum Ende der Heizperiode auf etwa 15 Prozent sinken werden.

Versorgung derzeit stabil

Auch die Bundesnetzagentur betont, die Versorgung sei derzeit stabil, trotz besonders niedriger Speicherstände. Deutschland bezieht sein Gas heute über einen breiteren Mix, vor allem aus Norwegen, den Niederlanden und Belgien und zunehmend über LNG-Terminals an Nord- und Ostsee, die die Versorgung diversifizieren.

Außerdem profitiere Europa von einem globalen Überangebot an Flüssiggas, so Maulberger. “Die Verfügbarkeit am LNG-Markt ist außergewöhnlich gut.” Da die Nachfrage aus Asien zuletzt schwächelte und die USA ihre Exportkapazitäten massiv ausgebaut haben, stehe ausreichend Ersatz für die leerlaufenden Speicher bereit, sagt der Experte.

Die eigentliche Aufgabe wartet im Sommer

Auch wenn eine Gasmangellage in diesem Winter unwahrscheinlich bleibt: Die eigentliche Herausforderung beginnt Fachleuten zufolge im Frühjahr. Dann müssen ungewöhnlich leere Speicher wieder aufgefüllt werden. Kritikerinnen und Kritiker warnen: Deutschland müsste im Sommer viel Gas am Weltmarkt einkaufen – das könnte die Preise treiben.

In Berlin hat die Lage bereits eine Debatte über die Zukunft der Energiepolitik ausgelöst. Im Wirtschaftsausschuss wird diskutiert, ob Deutschland eine strategische Gasreserve aufbauen sollte, um weniger abhängig von kurzfristigen Marktschwankungen und Wetterlaunen zu sein.

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