Erneut sind Vertreter Russlands und der Ukraine zu Verhandlungen zusammengekommen. Nennenswerte Fortschritte wurden bisher offenbar nicht erzielt. Vor allem ein Knackpunkt bleibt. Donnerstag sollen die Gespräche weitergehen.
Der Sender Sky News al-Arabiya hat seinen Sitz in Abu Dhabi, dem Ort, an dem die Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine stattfinden – allerdings hinter verschlossenen Türen. Um zu erfahren, wie die Verhandlungen laufen, schaltet der Nachrichtenmoderator also zu seinen Korrespondenten in Kiew und Moskau.
Die Korrespondentin in Moskau gibt weiter, was es aus dem Kreml zu hören gibt: Es herrsche Geheimhaltung und die russische Regierung habe deutlich gemacht, dass es keine öffentlichen Erklärungen von den Verhandlungen geben werde.
Sie zitiert den Kreml-Sprecher Dmitri Peskow, der am Mittag verkündet hatte, dass Russland seine “militärische Spezialoperation” – so nennt Moskau den Angriffskrieg in der Ukraine – fortsetzen werde, solange Kiew nicht einlenke.
Ihr Gegenüber, der Korrespondent in Kiew, macht die ukrainische Haltung deutlich: “Bei den ungelösten Fragen, wie denen zur Kontrolle von Gebieten oder dem Kernkraftwerk Saporischschja hält die Ukraine an ihrer Position fest.”
Russland will gesamten Donbass
Ein Knackpunkt bleiben russische Gebietsforderungen. Moskau erhebt Anspruch auf den gesamten Donbass – auch auf Orte, die aktuell von den ukrainischen Streitkräften kontrolliert werden. In Kiew stoßen diese Forderungen auf deutlichen Widerstand. Dennoch haben beide Seiten der Fortsetzung der Gespräche zugestimmt, die vor anderthalb Wochen am gleichen Ort begonnen haben.
Vom Auftakt der Gespräche veröffentlichte der Gastgeber, das Außenministerium der Emirate, Fotos aus einem großen Konferenzraum. Die russische und die ukrainische Delegation sitzen sich gegenüber, zwischen ihnen die Vermittler aus den USA, im Zentrum Steve Witkoff und Jared Kushner, Trumps Sondergesandter und sein Schwiegersohn.
Arbeit “substanziell und produktiv”
Am Abend schrieb Rustem Umerow, der Verhandlungsführer der Ukraine, auf X, die Gespräche hätten in der großen Runde begonnen, und seien in Arbeitsgruppen fortgesetzt worden. Die Arbeit sei substanziell und produktiv gewesen, so Umerow.
Man habe sich konzentriert auf spezifische Schritte und praktische Lösungen. Konkreter wird er nicht, aber auch er macht deutlich, dass Entscheidungen nicht hier in den sonnigen Emiraten gefällt werden, sondern in Kiew. Ein Bericht an Präsident Wolodymyr Selenskyj sei in Arbeit.
Morgen soll in Abu Dhabi weiterverhandelt werden. Seit Beginn der russischen Vollinvasion in der Ukraine vor vier Jahren war die Hauptstadt der Emirate schon mehrfach der Ort von Vermittlungsbemühungen. Hier wurde unter anderem der Austausch von Kriegsgefangenen zwischen Russland und der Ukraine ausgehandelt.

